Albtraum Turbo-Abi?
Das Turbo-Abitur hat schlechte Noten bekommen. Nicht nur Eltern und Lehrer zweifeln an der verkürzten Ausbildung, vor allem Schüler haben ihre Probleme. mehr
Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat am Dienstag im Rathaus eine aktuelle Bildungsstudie vorgestellt, bei der die Leistungen in der Jahrgangsstufe 12 verglichen wurden. Erstmals in Deutschland seien dabei die Auswirkungen des verkürzten Abiturs nach nur acht Gymnasialjahren auf die Leistungen von Schülern empirisch untersucht worden. Die Studie belegt nach Angaben der Forscher, dass die Leistungen der Hamburger Abiturienten durch die Einführung der achtjährigen Gymnasialzeit nicht schlechter geworden sind - sondern sich sogar leicht verbessert haben.
G8-Abiturienten lernen besser. Trotz verkürzter Schulzeit haben sich die Leistungen der Schüler an Hamburgs Gymnasien verbessert. Das ergab eine neu Bildungsstudie.
Unnötiger Leistungsdruck, langer Unterricht, viele Hausaufgaben und teure Nachhilfe: G8 - also die auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit - hat bei Lehrern, Eltern und Schülern einen schlechten Ruf. Immer mehr Bundesländer denken über eine Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren nach. Die Debatte um G8 dürfte jetzt einen ganz neuen Impuls bekommen, wie NDR 90,3 berichtete. Denn Hamburg hat als erstes Bundesland die Leistungen seiner Schüler verglichen, die unter den alten und unter den neuen Bedingungen ihr Abitur gemacht haben.
Das überraschende Ergebnis: Das Leistungsniveau ist gestiegen. Der Studie zufolge lagen die Leistungen des Abiturjahrgangs 2011 in Englisch und Naturwissenschaften auf gleichem oder besserem Niveau als die des Abiturjahrgangs 2005. Dieser hatte noch eine neunjährige Gymnasialzeit. Auch im Bereich der komplexeren Mathematik schnitten die G8-Schüler besser ab. Nur im Bereich der mathematischen Grundbildung schnitten sie schlechter ab als Gymnasiasten, die das Abitur in neun Jahren absolvierten. "Die Studie zeigt, dass man sich nicht vor höheren Leistungsanforderungen fürchten muss", sagte Rabe.
Es werde zudem mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass ein Anstieg der Abiturientenzahlen mit einem Niveauverlust einhergehe. Laut Studie ist die Zahl der Hamburger Abiturienten 2011 im Vergleich zu 2005 um 33 Prozent gestiegen. Außerdem haben doppelt so viele Jugendliche aus den sogenannten bildungsfernen Schichten ihr Abitur gemacht. Das Konzept von Fordern und Fördern gehe auf, so ein erstes Fazit Rabes.
Für die Studie KESS 12 (Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern) waren im Mai 2011 mehr als 4.000 Hamburger Gymnasiasten aufgefordert worden, bei einer schriftlichen Prüfung ihre Kompetenzen in Mathematik, Naturwissenschaften, Deutsch und Englisch unter Beweis zu stellen. Zudem wurden die Leistungen der Abiturienten des Jahres 2011 mit denen aus dem Jahr 2005 verglichen. Seit 2003 testet die Lernuntersuchung KESS immer wieder die Fähigkeiten von Hamburger Schülern.
Die Gegner einer verkürzten Schulzeit halten ihre Bedenken jedoch aufrecht. Klaus Bullan, der Vorsitzende des Landesverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hamburg, sagte in der Sendung NDR aktuell des NDR Fernsehens, dass ihn die Studie nicht überzeuge. Das Turbo-Abitur verstärke den Schulstress. Und weil den Schülern immer mehr Freizeit verloren gehe, werde der Stress in die Familien getragen. "Zu all dem sagt diese Studie natürlich gar nichts, weil sie nur Leistungen untersucht. Unsere Bedenken gegen G8 bleiben voll aufrechterhalten", sagte Bullan.
Ähnlich argumentiert auch die Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, wie NDR 90,3 berichtete. Schulsenator Rabe setze vor allem auf Leistungsdruck. Die Grünen werfen bereits einen Blick auf das kommende Frühjahr, wenn weitere Ergebnisse der sogenannten KESS-Studie vorgestellt werden. Dann werden die Leistungen von Abiturienten an den Stadtteilschulen überprüft - dort machen die Schüler weiterhin erst nach neun Jahren Abitur. Die Grünen hoffen, dass der Erfolg der Gymnasien sich nicht negativ auf die Stadtteilschulen auswirkt - sonst müsste die Schulbehörde gegensteuern. Sollte das KESS-Ergebnis im Frühjahr schlechter ausfallen, könnte dies bewirken, dass noch mehr Eltern ihre Kinder auf Gymnasien schicken und Stadtteil-Schulen meiden.
Es gibt kein Kurssystem mehr
Leider ist festzustellen, daß auf Grund politischer Fehlentscheidungen die Leistung der Abiturienten immer weiter sinkt. Das betrifft zum einen das sogenannte Kurssystem, das darauf abzielt, das... [mehr]
Antwort Perkeo
Das mit dem eher die Schule verlassen funktioniert im deutschen System ja leider nicht den ohne dieses Proforma-Abi findet man in deutschland ja kaum noch Arbeit... Selbst für Putzfrauen werden ja... [mehr]
@ Sachse
Leute, die keine Ahnung haben, was sie mit Ihrem vermittelten Wissen anfangen können, sollten konsequent sein und nach sechs Jahren die Schule verlassen. Ansonsten wird unnützerweise viel zu viel Geld... [mehr]
Generation doof!
Die Kinder bzw. Schüler werden heute allerdings quantitativ und nicht qualitativ gestresst. Genau da aber liegt das Problem. [mehr]
Zurück zu einem höherem Niveau!
Ich kann mich noch gut an meine Abiturzeit erinnern. Damals wurden überhaupt nur 2 Schüler (maximal 3) pro Klasse zum Abitur zugelassen. Das Niveau des Abiturs war trotz der 12-jährigen Ausbildung im... [mehr]