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Studie: Bessere Leistungen trotz Turbo-Abi

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat am Dienstag im Rathaus eine aktuelle Bildungsstudie vorgestellt, bei der die Leistungen in der Jahrgangsstufe 12 verglichen wurden. Erstmals in Deutschland seien dabei die Auswirkungen des verkürzten Abiturs nach nur acht Gymnasialjahren auf die Leistungen von Schülern empirisch untersucht worden. Die Studie belegt nach Angaben der Forscher, dass die Leistungen der Hamburger Abiturienten durch die Einführung der achtjährigen Gymnasialzeit nicht schlechter geworden sind - sondern sich sogar leicht verbessert haben.

Verkürzte Schulzeit im Test

Hamburg Journal - 27.11.2012 19:30 Uhr

G8-Abiturienten lernen besser. Trotz verkürzter Schulzeit haben sich die Leistungen der Schüler an Hamburgs Gymnasien verbessert. Das ergab eine neu Bildungsstudie.

Neuer Impuls für Debatte über Turbo-Abi

Unnötiger Leistungsdruck, langer Unterricht, viele Hausaufgaben und teure Nachhilfe: G8 - also die auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit - hat bei Lehrern, Eltern und Schülern einen schlechten Ruf. Immer mehr Bundesländer denken über eine Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren nach. Die Debatte um G8 dürfte jetzt einen ganz neuen Impuls bekommen, wie NDR 90,3 berichtete. Denn Hamburg hat als erstes Bundesland die Leistungen seiner Schüler verglichen, die unter den alten und unter den neuen Bedingungen ihr Abitur gemacht haben.

Leistungsniveau gestiegen

Das überraschende Ergebnis: Das Leistungsniveau ist gestiegen. Der Studie zufolge lagen die Leistungen des Abiturjahrgangs 2011 in Englisch und Naturwissenschaften auf gleichem oder besserem Niveau als die des Abiturjahrgangs 2005. Dieser hatte noch eine neunjährige Gymnasialzeit. Auch im Bereich der komplexeren Mathematik schnitten die G8-Schüler besser ab. Nur im Bereich der mathematischen Grundbildung schnitten sie schlechter ab als Gymnasiasten, die das Abitur in neun Jahren absolvierten. "Die Studie zeigt, dass man sich nicht vor höheren Leistungsanforderungen fürchten muss", sagte Rabe.

Deutlich mehr Abiturienten

Es werde zudem mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass ein Anstieg der Abiturientenzahlen mit einem Niveauverlust einhergehe. Laut Studie ist die Zahl der Hamburger Abiturienten 2011 im Vergleich zu 2005 um 33 Prozent gestiegen. Außerdem haben doppelt so viele Jugendliche aus den sogenannten bildungsfernen Schichten ihr Abitur gemacht. Das Konzept von Fordern und Fördern gehe auf, so ein erstes Fazit Rabes.

Studie mit mehr als 4.000 Gymnasiasten

Für die Studie KESS 12 (Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern) waren im Mai 2011 mehr als 4.000 Hamburger Gymnasiasten aufgefordert worden, bei einer schriftlichen Prüfung ihre Kompetenzen in Mathematik, Naturwissenschaften, Deutsch und Englisch unter Beweis zu stellen. Zudem wurden die Leistungen der Abiturienten des Jahres 2011 mit denen aus dem Jahr 2005 verglichen. Seit 2003 testet die Lernuntersuchung KESS immer wieder die Fähigkeiten von Hamburger Schülern.

GEW: Weiter Bedenken gegen Turbo-Abi

Die Gegner einer verkürzten Schulzeit halten ihre Bedenken jedoch aufrecht. Klaus Bullan, der Vorsitzende des Landesverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hamburg, sagte in der Sendung NDR aktuell des NDR Fernsehens, dass ihn die Studie nicht überzeuge. Das Turbo-Abitur verstärke den Schulstress. Und weil den Schülern immer mehr Freizeit verloren gehe, werde der Stress in die Familien getragen. "Zu all dem sagt diese Studie natürlich gar nichts, weil sie nur Leistungen untersucht. Unsere Bedenken gegen G8 bleiben voll aufrechterhalten", sagte Bullan.

Grüne befürchten Nachteile für Stadtteilschulen

Ähnlich argumentiert auch die Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, wie NDR 90,3 berichtete. Schulsenator Rabe setze vor allem auf Leistungsdruck. Die Grünen werfen bereits einen Blick auf das kommende Frühjahr, wenn weitere Ergebnisse der sogenannten KESS-Studie vorgestellt werden. Dann werden die Leistungen von Abiturienten an den Stadtteilschulen überprüft - dort machen die Schüler weiterhin erst nach neun Jahren Abitur. Die Grünen hoffen, dass der Erfolg der Gymnasien sich nicht negativ auf die Stadtteilschulen auswirkt - sonst müsste die Schulbehörde gegensteuern. Sollte das KESS-Ergebnis im Frühjahr schlechter ausfallen, könnte dies bewirken, dass noch mehr Eltern ihre Kinder auf Gymnasien schicken und Stadtteil-Schulen meiden.

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Die neue Bildungsstudie zu Leistungen der Hamburger Gymnasiasten am Ende der Jahrgangsstufe 12. (pdf)

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