Mitten auf dem Hachmannplatz am Hamburger Hauptbahnhof ragt ein rot-gelb gestreiftes Rohr aus der Erde. Obwohl es so auffällig ist, scheint sich keiner der Passanten dafür zu interessieren. Was sie nicht ahnen: Dieses Rohr war dazu gedacht, die Küchenabluft des unter dem Platz liegenden Bunkers an die Oberfläche zu führen.
Unscheinbar auf dem Mittelstreifen der Kirchenallee vorm Schauspielhaus: die Frischluftzufuhr des Bunkers. Die Luftfilter hätten nach 15 bis 30 Minuten laufen können. Voll einsatzfähig wären Deutschlands Bunker aber erst nach einem halben Jahr gewesen. So lange hätte die Belieferung mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln gedauert.
Über den heutigen U-Bahn-Eingang geht zum Bunker, der im Kalten Krieg zum Schutzbunker vor Angriffen mit atomaren, biologischen oder chemischen Waffen umgebaut wurde. Über die Bunker sollte während des Kalten Krieges möglichst wenig bekannt werden. Schließlich gab es bundesweit nur für etwa fünf Prozent der Bevölkerung einen Platz in ihnen.
Auf dem Weg zur U-Bahn fallen die schwarzen Lamellentüren an der Seite kaum auf - der Eingang zum Bunker. Im Falle eines Atombombenangriffs wären einige wenige Hamburger über diese Tür ins Sichere gelangt.
Jeder der Schutzsuchenden wäre über diese in den Fußboden eingebaute Zählmatte gelaufen. Nach exakt 1.500 Schritten hätte sich die Tür geschlossen - auch wenn noch Familienangehörige vor der Tür gestanden hätten.
Die Stahltür des Bunkers wurde im Schaltzentrum vom Bunkerwart bedient. Der Weg zur Tür ist verwinkelt, denn radioaktive Strahlung breitet sich optisch wie Licht aus. Durch die über Eck gesetzten Eingänge wäre die Strahlung nicht eingedrungen.
Die 1.000 klappbaren Holzstühle im "Sitzsaal" von 1968 erinnern an ein überdimensionales Zugabteil. Die Kopfstützen sind aus grauem Schaumstoff. Dicht an dicht hätten die Menschen hier bis zu acht Stunden am Stück nebeneinander gesessen.
Im Schlafraum gibt es nur 500 Liegen. Die Regierung ging von einer 24-stündigen Schichtbelegung aus: acht Stunden schlafen, acht Stunden sitzen, acht Stunden in Bewegung sein, also kochen oder putzen.
Man rechnete bei einem 14-tägigen Aufenthalt im Bunker mit Panikattacken und Selbstmordversuchen. Deswegen waren keine spitzen Gegenstände wie Messer oder Gabeln erlaubt. Die Spiegel im Waschraum sind deshalb aus Blech statt aus Glas. Mit den Scherben hätte man sich die Pulsadern aufschneiden können.
Aus diesem Grund hatten die Toiletten auch keine Türen, sondern nur Gummivorhänge. Niemand sollte sich verschanzen können.
Der Tiefbrunnen sollte die Versorgung mit frischem Wasser sicherstellen. Er reichte 210 Meter weit in die Erde. 2009 wurde er zubetoniert - die jährliche Wartung und Wasseranalyse waren zu teuer geworden.
Fluoreszierende Streifen an den Wänden weisen auch bei Stromausfall den Weg Richtung Sänitäranlagen, Essensausgabe oder Ausgang.
Anders als beim original erhaltenen Bunker am Hachmannplatz ist der siebenstöckige Hochbunker in Barmbek ein Museumsbunker. In den 50er-Jahren wurde er zum Atombunker umgebaut. 1.633 Menschen hätten dort Schutz finden sollen, auf einem Quadratmeter pro Person.
Nur zwei Betten hatte die Krankenstation im Erdgeschoss des Bunkers. Panikattacken wollten die Krankenschwestern mit Baldrian und "Ernsts Zuckerstückchen" entgegenwirken. Als Ausstellungsgegenstände werden hier Zahnarztwerkzeug und Apothekezubehör gezeigt.
Mit solchen Gasmasken ausgestattet sollten die Hamburger nach einem atomaren Angriff außerhalb des Bunkers überleben.
Der Bunker - der sicherste Ort bei einem Atombombenangriff. Ein Plakat aus dem Kalten Krieg.