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Der radikale Prediger Pierre Vogel vor Anhängern und Schaulustigen am Hamburger Dammtor.
Der radikal-islamische Prediger Pierre Vogel ist am Samstagabend in Hamburg aufgetreten. Doch statt der erwarteten 2.000 Anhänger waren nach Polizeiangaben nur rund 1.100 Teilnehmer auf dem Parkplatz hinter dem Bahnhof Dammtor gekommen. Schaulustige mit eingerechnet. Die Zahl seiner engen Anhänger bei der Predigt schätzten Polizisten vor Ort sogar nur auf knapp 250. Von der Ladefläche eines Lastwagens sprach der deutsche Konvertit unter anderem über die Rolle von Frauen im Islam. Außerdem rief er seine überwiegend jugendlichen Anhänger, dazu auf, den Koran eng auszulegen - so, wie es der Salafismus lehrt.
In der öffentlichen Predigt ging es auch um die Rolle der Frau im Islam.
Insgesamt verlief die Kundgebung laut Polizei friedlich. Nur am Rande kam es zu kleinen Streitereien zwischen Vogel-Anhängern und -Gegnern. Abseits des Dag-Hammarskjöld-Platzes standen mehr als 100 Gegendemonstranten und hielten Transparente mit Aufschriften wie "Nein zum politischen Islam. Nein zum Rassismus" hoch und forderten immer wieder lautstark "Freiheit! Freiheit!"
Die Polizei hatte die öffentliche Predigt unter Auflagen zugelassen: Beispielsweise durften sich die Teilnehmer nicht vollständig vermummen, Frauen und Männer nicht voneinander getrennt werden. Der Leiter des Hamburger Verfassungsschutzes Manfred Murck hatte im Vorfeld gegenüber NDR 90,3 von einer neuen Situation für Hamburg gesprochen, "weil sich ein radikaler Islamist traut, öffentlich zu predigen, zu missionieren und dabei eine relativ dicke Lippe riskiert." Insofern gehe von Vogel eine gewisse Faszination für einige Anhänger aus. Und er sei auch in der Lage, andere zu provozieren.
In Hamburg gibt es nach Schätzung des Verfassungsschutzes etwa 180 Salafisten.
Der Verfassungsschutz schätzt, dass es in der Hansestadt rund 180 Salafisten gibt. Bundesweit dürfte es etwa 2.500 Anhänger und 200 Hauptakteure geben. Die Salafisten streben nach Angaben der Verfassungsschützer eine Gesellschaft nach den Regeln der islamischen Rechtsordnung Scharia an. Sie lehnten die Demokratie und die rechtsstaatliche Ordnung des Grundgesetzes ab.
Vogel gilt als prominentester Vertreter des verfassungsfeindlichen Salafismus in Deutschland. Er war in die Schlagzeilen geraten, nachdem er bei einem Auftritt in Mönchengladbach empfohlen hatte, in Problembezirken wie Berlin-Neukölln für kriminelle Jugendliche versuchsweise die Scharia einzuführen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte er prophezeit, in der Hölle zu landen, wenn sie nicht den Islam annähme. In der salafistischen Szene genießt Vogel Kultstatus, ist aber auch umstritten. Gemäßigte Anhänger der Bewegung finden ihn zu provozierend. Für die Minderheit der dschihadistischen Salafisten ist er ein "Verräter der Mudschahiddin" ("Gotteskrieger"), weil er sich immer wieder gegen Terroranschläge ausgesprochen hat.