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Im jetzt zu Ende gehenden Jahr hat NDR Info mehrmals über die Postbank berichtet - und darüber, wie viele Kleinanleger mit einem windigen Immobilienfonds-Projekt viel Geld verloren haben. Finanzberater des Geldinstituts hatten den Kunden einen sogenannten geschlossenen Fonds empfohlen, der in Südafrika investierte - am Ende gab es eine Millionenpleite. Die Postbank hatte nach dem NDR Info Bericht versprochen, alle Fälle nochmals zu überprüfen. Was ist daraus geworden?
Von Peter Hornung und Jürgen Webermann, NDR Info
Den Postbank-Kunden soll eine "risikoarme Investition" versprochen worden sein.
Im Aktenordner von Joachim Brieke (Name geändert) ist das abgeheftet, was dem pensionierten Beamten von seinem Geld geblieben ist: Papier. Die Briefe seines Anwalts und die Antworten der Postbank. 15.000 Euro hat er in einen Immobilienfonds namens MCT Südafrika 3 investiert - ein Hotelprojekt in Kapstadt, das sein Postbankberater vor gut zwei Jahren angepriesen hatte. "Das wäre eine sehr gute Sache, und zwar würden in Bonn bei der Postbank alle Angebote vorher überprüft werden von Fachleuten. Und alles das, was diese Überprüfung bestanden hätte, das könnte er dann auch und würde er dann auch empfehlen", berichtet Brieke vom Gespräch mit seinem Postbank-Berater. Dieser sei sogar selbst dort gewesen, habe er ihm erzählt - das Projekt in Kapstadt sei einwandfrei. "Und er hat mir dann auch Fotos gezeigt auf seinem Notebook. Da habe ich mich entschlossen, das zu machen", so Brieke.
Rechtsanwalt Guido Lenné kritisiert das Verhalten der Postbank: "Sie hat sich mit unseren Argumenten nicht auseinandergesetzt."
Doch der 75-Jährige hat in einen Pleitefonds investiert - wie weit mehr als 100 andere Anleger auch. Ein Firmengeflecht und unklare Verantwortlichkeiten haben es Betrügern offenbar leicht gemacht. Viele Anleger sind deshalb auf den Barrikaden. Die Postbankberater hätten nicht ausreichend über die Risiken informiert und ihre Unerfahrenheit ausgenutzt. Nach einem NDR Info Bericht Ende Februar beauftragte die Postbank Wirtschaftsprüfer. Tatsächlich seien 15 Prozent der Fälle "auffällig" gewesen, so deren Feststellung.
Anlegeranwalt Guido Lenné ist dennoch unzufrieden: "In vielen Fällen stehen wir noch genau da, wo wir vor einem halben Jahr schon standen. Die Postbank hat auf unsere außergerichtlichen Anschreiben erst mal lange Zeit nicht reagiert, hat dann um Fristverlängerung gebeten, hat uns also hingehalten und vertröstet. In ganz wenigen Fällen gab es dann Vergleichsangebote. Die waren der Situation angemessen. Aber in der ganz großen Anzahl der Fälle hat die Postbank jetzt Ansprüche zurückgewiesen und hat sich mit unseren Argumenten nicht auseinandergesetzt."
In Schulungsgesprächen der Postbank für ihre Berater wurde dem Risiko der Fonds-Anlagen offenbar keine besonders große Aufmerksamkeit geschenkt.
Die Postbank betonte in der vergangenen Woche in einer schriftlichen Stellungnahme, man sei auf Kunden zugegangen. Zunächst habe man die Fälle reguliert, bei denen "die Beratungsqualität nicht unseren Maßstäben entsprochen hat. In einer noch laufenden Stufe 2 - mit Fällen mit einem erhöhtem Informations- und Analysebedarf - werden wir mit den Kunden kurzfristig eine Einigung erzielen."
Dennoch: Nach Einschätzung von Klägeranwalt Lenné werden zahlreiche Fälle vor Gericht landen. "Wir haben der Postbank seitenweise Argumente geschickt, warum die Kunden zu entschädigen sind. Die Postbank hat mit einem Fünfzeiler ungefähr geantwortet, dass keine Anspruchsgrundlage ersichtlich ist. Man hätte auch schreiben können: Klagt doch!", so Lenné. Dann werde es auch um ein "Muster-Beratungsgespräch" gehen, das NDR Info veröffentlicht hatte. Ein Vertriebsdirektor der Postbank-Finanzberatung macht darin seinen Kollegen vor, wie man den Südafrika-Fonds verkauft - ohne allerdings auf die tatsächlichen Risiken des Projekts hinzuweisen. "Ein wichtiges Beweismittel" nennt es Anwalt Lenné. Auch Postbank-Anleger Brieke hatte sich den Audiomitschnitt angehört: "Ich muss sagen, ich fühlte mich wirklich genau erinnert, dass das Gespräch in meinem Fall auch so abgelaufen war. Das war ganz erstaunlich. Genauso hat er auch argumentiert und sich verhalten."
Brieke werde nicht entschädigt, teilte ihm die Postbank in einem knappen Schreiben Ende Oktober mit. Die Beratung sei korrekt abgelaufen, das hätten die Wirtschaftsprüfer in seinem Fall festgestellt. Zufrieden ist er natürlich nicht, ganz im Gegenteil: "Ich war sehr enttäuscht. Ich hatte ja gedacht, mein Fall würde auch im Einzelnen überprüft werden." Nun hofft der 75-Jährige auf die Gerichte. Eine Lehre habe er jedenfalls schon gezogen: Postbankberatern werde er nicht mehr so leicht glauben. "Das war ein Fehler. In Zukunft wäre ich da vorsichtiger", so Brieke.