AKTUELLES AUS DER REGION
 

Pilgern zum Kirchentag mit Rädern und Rudern

von Daniel Sprenger, NDR.de

Über mehr als 600 Kilometer haben sie die Kirchentagsfahne transportiert, von Dresden bis Hamburg, immer auf der Elbe lang, bei Regen und bei Sonne. 50 Ruderer sind mit ihren Booten am 20. April in Dresden losgefahren und haben sich aus der Stadt des vergangenen Kirchentages auf den Weg in die Stadt des diesjährigen Kirchentages gemacht - als Ruder-Pilger. Sie wollen die Flagge, die ihnen 2011 beim Abschlussgottesdienst übergeben wurde, in Hamburg feierlich überreichen. So sollen die beiden Städte symbolisch verbunden werden.

Am Dienstag haben sie es fast geschafft. Im Zollkanal vor der Kulisse der Speicherstadt steuern sie auf die Schaartorschleuse und die letzten Kilometer bis zum Ziel zu. Die Fahne flattert am Bug des größten Ruderboots. Doch nicht mehr lange. "Die Flagge müssen Sie abbauen", sagt der Schleusenwärter. Ansonsten werde das Ruderboot nicht unter den Alsterbrücken hindurchpassen. Er legt gleich selbst Hand an, zieht die Fahne aus der Befestigung und reicht sie einem Ruderer.

Letzte Etappe mit prominenter Begleitung

Während die Boote in der Schleuse immer weiter angehoben werden, ruft der Wärter der Gruppe zu: "Das Wasser kommt von vorne rein, nicht dass Sie vorne wegklappen." Mit ihren Riemen stützen sich die Ruderer an der Wand ab und halten ihre Boote gerade, um nicht in eine gefährliche Schräglage zu geraten. Nach wenigen Minuten ist es geschafft, die Schleusentore öffnen sich. Mit einem dreifachen "Hipphipphurra" bedanken sich die Ruderer beim Schleusenwärter und machen sich auf zur Rathausschleuse und zur Binnenalster.

Sobald sie diese erreicht haben, wird die Flagge wieder am Bug befestigt. Dort bleibt sie über Nacht, welche die Pilger in den Vereinsheimen mehrerer Hamburger Ruderclubs verbringen, und bis zur feierlichen Übergabe am Mittwochnachmittag. Auf den letzten 500 Metern wollen dann mehrere Prominente wie TV-Moderator Johannes B. Kerner, Unternehmer Michael Otto und Theologin Margot Käßmann die Ruderer auf dem Wasser begleiten, ehe um 14 Uhr die große Pilgerbegrüßung samt Flaggenübergabe am Jungfernstieg beginnt.

Radpilger schaffen täglich bis zu 80 Kilometer

Ansgar Hagemann steht vor seinem voll bepackten Fahrrad. © NDR Fotograf: Daniel Sprenger Detailansicht des Bildes Das Rad von Ansgar Hagemann wiegt mehr als 50 Kilogramm. "Mehr als ich brauche", meint der Pilger, der aus Dresden zum Kirchentag kommt. Dann werden auch andere Pilger vor Ort sein, ebenfalls aus Dresden, ebenfalls elf Tage unterwegs, ebenfalls mit umweltfreundlicher Fortbewegung - allerdings mit einem anderen Verkehrsmittel: dem Fahrrad. Das Pilger-Gefühl sei nicht so intensiv wie beim Fußpilgern, meint Michael Hansen, "weil man immer aufpassen muss auf die Mitfahrer und den Autoverkehr." Mit Ansgar Hagemann und Artur Rumpel ist er am 20. April gestartet und täglich zwischen 60 und 80 Kilometern gefahren. "Das ist umweltfreundliches Reisen par excellence", meint Rumpel.

Am Dienstagabend sind die drei mit anderen Radpilgern aus Cuxhaven, Stade und Loccum im niedersächsischen Marschacht hinterm Elbdeich angekommen, wo sie die letzte Nacht vor dem Kirchentag verbringen - knapp 40 Kilometer von Hamburg entfernt, in einer Sporthalle auf dem Boden. "Sporthotel" nennt Hagemann die nicht besonders komfortable Unterkunft, die aber völlig ausreiche. Da ist der begeisterte Radler ganz bei der Losung des Kirchentags: "Soviel du brauchst". In einem anderen Aspekt hat er es damit nicht so genau genommen, wie er zugeben muss: Sein Rad wiege über 50 Kilogramm, prall gefüllte Seitentaschen und ein Schlafsack umrahmen den Gepäckträger. "Das ist mehr als ich brauche", schmunzelt Hagemann.

Pilger-Gefühl nach der Hälfte der Strecke

Drei Männer fahren mit dem Fahrrad über einen Deich in Marschacht. © NDR Fotograf: Daniel Sprenger Detailansicht des Bildes Die Radpilger sind katholisch und evangelisch, sie bezeichnen das als "gelebte Basis-Ökumene". Sein Begleiter Hansen berichtet begeistert von dem, was ihm auf der 750 Kilometer langen Strecke durch den Kopf ging. Das "typische Pilger-Gefühl" sei nach der Hälfte des Weges aufgekommen: "Vorher hatte ich noch viel von der Arbeit und dem Privaten zuhause im Kopf, dann bin ich in mir angekommen." Wichtig sei, die Gedanken loszulassen und aus den Andachten und Gottesdiensten in den Kirchen entlang des Weges etwas mitzunehmen. Hagemann erinnert sich besonders an eine Andacht in einer Autobahnkirche, die sie mit ihrer insgesamt 25-köpfigen Dresdner Gruppe ansteuerten: "Wir haben ein Lied gesungen, alle zusammen, das öffnet das Herz". Hansen pflichtet ihm bei: "Das sind intensive Momente, wenn die Worte wirklich ankommen."

Die Radfahrer bezeichnen ihre Pilgertouren, die sie von Kirchentag zu Kirchentag und Katholikentag zu Katholikentag durchführen, als "gelebte Basis-Ökumene". Denn Hagemann ist katholisch, Hansen und Rumpel evangelisch. Und die anderen in der Gruppe? "Das wird nicht gefragt, das ist nicht wichtig", sagt Hagemann. Wichtig sei alleine das gemeinsame Pilgern.

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