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Die Geschichte des Kirchentags

Hinrich Kopf (niedersächsischer Ministerpräsident), Hans Lilje (Landesbischof von Hannover), Rudolf Alexander Schröder (Dichter) und Reinold von Thadden-Trieglaff (von links nach rechts) bei der Eröffnung der deutschen evangelischen Woche am 28. Juli 1949 vor der Stadthalle in Hannover. © picture-alliance Fotograf: dpa Detailansicht des Bildes Zusammen mit Hinrich Kopf (li.), dem niedersächsischen Ministerpräsidenten, eröffnet Reinold von Thadden-Trieglaff (re.) am 28. Juli 1949 die Deutsche Evangelische Woche in Hannover. Der Evangelische Kirchentag vom 1. bis 5. Mai 2013 in Hamburg ist bereits der 34. seiner Art. Die Geschichte des Religionstreffens ist ein wenig älter als die der Bundesrepublik und eng mit Norddeutschland verbunden: Mitten in der Gründungsphase des neuen deutschen Staats fand Ende Juli 1949 als Vorläufer die "Evangelische Woche" statt - in Hannover. Unmittelbar darauf folgte der "Christliche Studententag", ebenfalls in der niedersächsischen Landeshauptstadt, ehe der Deutsche Evangelische Kirchentag als feste Institution gegründet wurde.

Die Treffen fielen in die Zeit zwischen der Verabschiedung des Grundgesetzes im Mai und der Gründung der Bundesrepublik im September sowie der Gründung der DDR im Oktober - also in eine politische Situation, in der die Weichen für künftige Entwicklungen gestellt wurden.

Gründung nach dem Krieg: "Wir sind nicht mehr dieselben"

Der Eindruck einer tiefen Verunsicherung habe über den Menschen im Nachkriegsdeutschland gelegen, beschrieb Reinold von Thadden-Trieglaff, einer der Initiatoren der "Evangelischen Woche", die Stimmungslage: "Ob Intellektuelle oder Arbeiter, ob Bürger oder Bauer, ob Schöngeist, Nazi oder Kommunist, wir alle sind nicht mehr dieselben, die wir früher waren, sondern wir sind weithin Leute, die gänzlich aus der Bahn geworfen wurden, die an ihren früheren Idealen Schiffbruch erlitten, die um ihre politische Hoffnung gebracht wurden und die jetzt die letzten Grundlagen ihres Lebens infrage gestellt sehen."

Er kritisierte das "weltfremde Denken" der Amtskirche und forderte mehr Möglichkeiten für Laien, sich aktiv in Glaubensfragen, aber auch in politische und soziale Problemstellungen einzubringen: "Der Laie darf da, wo es sich um seine besondere Aufgabe handelt, nicht nur Objekt sein, sondern er muss Subjekt werden und sein eigenes Anliegen selbständig vertreten."

Laienbewegung zur Einmischung in die Welt und Erneuerung der Kirche

Diese Aufnahme vom Kirchentag 1953 in Hamburg zeigt eine Filmkamera, die auf einem Platz voller Menschen aufgebaut ist. © NDR Detailansicht des Bildes 1953 fand der Kirchentag zum ersten Mal in Hamburg statt. Auch 1981 und 1995 gastierte das Christentreffen in der Hansestadt. Die schon 1949 in Hannover angesprochenen Ziele der Laienbewegung stehen auch heute noch im Fokus des gemeinnützigen Vereins, der das Kirchentagstreffen organisiert: Einmischung der Christen in die Gesellschaft, Erneuerung der Kirche und Annäherung der Gläubigen weltweit. Hinzu kommt die bewusste Abgrenzung von der Amtskirche. Von Thadden-Trieglaff umschrieb das kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs so: "Alle großen Fragen und Nöte, die unserer Generation heute zu tragen auferlegt sind, gehen uns als evangelische Christen etwas an, und es ist Schuld vor Gott, wenn wir nicht mit Hand anlegen, dieser Probleme im Geiste des Evangeliums Herr zu werden."

Er war es auch, der für das Christentreffen eine fest institutionalisierte Form ins Leben rief: den Deutschen Evangelischen Kirchentag, zu dessen erstem Präsidenten von Thadden-Trieglaff gewählt wurde. Der erste offizielle Kirchentag fand 1950 in Essen statt, in der Folge gab es zunächst jährlich ein Kirchentagstreffen. Ab 1957 wechselte man in den Zwei-Jahres-Rhythmus, der bis heute beibehalten wurde. Bis 1963 war Gründungsvater von Thadden-Trieglaff Präsident des Kirchentages, danach blieb er bis zu seinem Tod 1976 Ehrenpräsident.

Mauerbau beendet gemeinsame Kirchentage in Ost und West

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Kirchentagsbewegung durch die Trennung Deutschlands in die Bundesrepublik und die DDR längst zwangsweise eine organisatorische Spaltung erfahren. Bis 1961 konnten Protestanten in beiden Ländern noch eine gemeinsame Kirchentagsarbeit betreiben. Zum 2. Kirchentag trafen sich 1951 in Berlin 69.000 Dauerteilnehmer, davon 55.000 aus der DDR. An der Hauptversammlung im Olympiastadion nahmen DDR-Staatspräsident Wilhelm Pieck und Bundestagspräsident Hermann Ehlers (CDU) zusammen teil.

Ein 1957 in Erfurt geplanter Kirchentag konnte wegen des Widerstandes der SED nicht mehr stattfinden. Durch den Mauerbau vier Jahre später wurde eine gemeinsame Organisation unmöglich. Die Wege trennten sich: Neben Deutschen Evangelischen Kirchentagen in der Bundesrepublik entstand der regionale Evangelische Kirchentag in der DDR.

Wiedervereinigung der Kirchentage nach der Wende

Die Kirchentagsgeschichte, die nahezu zeitgleich mit der Geschichte der Bundesrepublik und der DDR begonnen hatte, hat nach der Wende in Ostdeutschland auch den Wiedervereinigungsprozess nachvollzogen - allerdings ein wenig später als die beiden Staaten.

In Norddeutschland gastierte der Kirchentag bislang insgesamt acht Mal: 1953, 1981 und 1995 in Hamburg, 2009 in Bremen sowie nach 1949 noch drei Mal in Hannover, nämlich 1967, 1983 und 2005. Der neunte Evangelische Kirchentag im Norden findet nun wieder in Hamburg statt - vom 1. bis 5. Mai.

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Dossier
Kirchentagsteilnehmer halten ihre Schals beim Abschlussgottesdienst hoch © dpa Fotograf: Axel Heimken
 

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Zahlreiche Fans jubeln der deutschen A-Cappela-Gruppe "Wise Guys" zu. © dpa Fotograf: Bodo Marks
 

Die Bilder des Kirchentages

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Reinold von Thadden-Trieglaff blickt auf die Evangelische Woche 1949 zurück.

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Weitere Infos zum Kirchentag 2013 in Hamburg unter dem Motto "Soviel du brauchst".

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