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Kommentar

Kirchentag: "Thematisch voll auf Kurs"

von Claus Röck, NDR Kultur

Claus Röck © NDR Fotograf: Christian Spielmann Detailansicht des Bildes Claus Röck zieht eine positive Bilanz. Es war ein Kirchentag, an den sich viele gern erinnern werden. Nicht nur, weil er in Hamburg stattfand - aber auch deswegen. Die weltoffene Hafenstadt bot das ideale Umfeld für einen Kirchentag, der thematisch voll auf Kurs lag und dies auch bis zum Ende blieb. Maßhalten und gerechte Teilhabe: Bei allen großen Podien, in vielen Diskussionen und Andachten standen diese Begriffe im Raum.

Vieles richtig gemacht

Die Organisatoren haben vieles richtig gemacht - nicht nur mit der Wahl des Veranstaltungsortes. Das Motto "Soviel du brauchst" erwies sich als Volltreffer in Zeiten fragwürdiger Finanzspekulationen und nicht weniger fragwürdiger Steuervergehen. Lange schon standen ethische Fragen nicht mehr so hoch im Kurs wie in diesen Wochen. Welche Werte zählen noch, wohin steuert unsere Gesellschaft und was hält sie zusammen? Befriedigende Antworten darauf konnte der Hamburger Kirchentag zwar auch nicht geben, aber das wäre wohl zu viel verlangt. Immerhin bot er fünf Tage lang fast 120.000 Dauerteilnehmern und Zehntausenden Tagesgästen die Gelegenheit, ein wenig Hoffnung zu schöpfen, ein paar Ängste abzubauen und - durchzuatmen. Kirchentage bedienen nämlich die Sehnsucht nach Harmonie, nach Selbstvergewisserung, nach Zusammenhalt.

Manchmal vielleicht ein wenig zu sachlich

Hamburg 2013 war zudem ein Kirchentag, der Raum bot für eine lebensnahe Spiritualität - über die Grenzen der Religionen und Weltanschauungen hinweg. Das zeigte sich etwa beim gelungenen Dialog mit den Muslimen. In der Weltstadt Hamburg ist er ohnehin längst Realität. Sie hat kürzlich einen Staatsvertrag mit ihnen und den Aleviten geschlossen, hier gibt es ein Institut der Weltreligionen und einen bekenntnisübergreifenden Religionsunterricht. Hamburg 2013 war aber auch ein politischer Kirchentag, der dennoch nicht von der Politprominenz als Wahlkampfbühne missbraucht wurde - wie viele befürchtet hatten. Sicher gab es an der einen oder anderen Stelle Seitenhiebe auf die Großbanken, auf Rüstungsunternehmen oder Umweltsünder. Im Großen und Ganzen aber blieb der Ton bei den zahlreichen Diskussionsveranstaltungen und -foren sachlich. Manchmal vielleicht ein wenig zu sachlich.

Miteinander unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen

Vielleicht sind von diesem Kirchentag keine großen Impulse ausgegangen und mit Sicherheit gab es auch diesmal wieder keine politische Zeitansage an die Gesellschaft. Aber immerhin bot er am richtigen Ort zu richtigen Zeit den richtigen Platz für die richtigen Fragen. Protestantisches Wirtschaftsethos hat die Stadt geprägt, der Idealtyp des ehrbaren Kaufmanns wird hier immer noch als Maßstab gehandelt und das Miteinander unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Weltanschauungen ist den Hamburgern auch nicht fremd.

Das Gefühl, nicht alleine zu sein

Die Besucherinnen und Besucher des Kirchentags scheinen sich nicht nur wegen des guten Wetters hier wohlgefühlt zu haben - sie können auch etwas mit nach Hause nehmen: das Gefühl, dass sie mit ihrem Glauben an eine gerechte Gesellschaft, in der jeder gefragt ist, nicht alleine sind. Dass es viele Menschen gibt, die ihre Sorgen, aber eben auch ihre Hoffnungen teilen. Dies hat der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag geleistet in einer Metropole, die selbst viele Widersprüche in sich vereint. Die manchen gibt, so viel er braucht und viele braucht, die manches geben. Verlässlichkeit zum Beispiel. Und darum wird man sich gerne an ihn erinnern - an diesen Hamburger Kirchentag.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 05.05.2013 | 15:20 Uhr

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