Stand: 04.05.2013 20:04 Uhr
Aufräumen vorm Schlussgottesdienst
von Daniel Sprenger, NDR.de
In Planten und Blomen finden die Kirchentagsbesucher am Sonnabend Entspannung bei bestem Frühlingswetter.
"Ein bisschen viel los hier", sagt ein Mann zu seiner Familie, als sie durch Planten und Blomen schlendern. Überall sind Menschen mit blauen Schals oder in Pfadfinderuniform: auf den Wegen, auf den Bänken, auf dem Rasen. Der Park im Herzen Hamburgs wird am Sonnabend geradezu gestürmt von den Kirchentagsbesuchern, die es ins Grüne zieht.
"Man kann nicht von morgens bis abends in Veranstaltungen sitzen", sagt Gesine Grimmele aus Schwäbisch-Hall, die sich auf eine Wiese vor dem Café Seeterrassen gelegt hat und den Wasserspielen zuschaut. "Es ist schön, sich auch einmal treiben zu lassen und zu gucken, was so kommt." Den am Sonntag mit einem Schlussgottesdienst im Stadtpark zu Ende gehenden Kirchentag habe sie sehr genossen. "Nur schade, dass die Hallen so überfüllt waren", sagt Grimmele. Die Bibelarbeit mit Margot Käßmann habe sie deshalb versäumt.
Bilder vom Kirchentag - Bilanz der Besucher
1 von 9
Als der Kirchentag schon fast zu Ende ist, fängt für sie die Arbeit erst so richtig an: Christoph (l.) und Frederik sind christliche Pfadfinder aus Hannover und am Samstagabend zum Dienst eingeteilt. Ihr Halstuch signalisiert es: Sie helfen gern. "Schön sonnig" war der Kirchentag, freuen sie sich. Und die Helferverpflegung in ihrer Unterkunft, einer Schule in Wandsbek, sei sehr gut gewesen.
Dort wohnen sie zusammen mit ihren Freunden Niklas und Anna. Als einziges Manko nennen die vier, dass das Zentrum Jugend etwas abseits liege, nämlich in Harburg. Sie kommen aber sowieso viel rum, dank ihrer Helferaufgabe: Die besteht nämlich darin ...
... die Mülltonnen zu zentralen Sammelplätzen zur Entleerung zu bringen. Dabei haben sie kreative Transportmethoden entwickelt: Ein Helfer sitzt auf dem Gepäckträger eines Fahrrads und zieht so zwei Tonnen. Am Samstagabend sorgen sie dafür, dass beim Abbauen der Messestände der Müll entfernt wird. Bis wann? "Open end", sagen sie. Und lächeln.
"Ich habe die Tage in Hamburg sehr genossen", sagt Gesine Grimmele aus Schwäbisch-Hall. "Die Diskussion mit Joachim Gauck war ein Highlight." Allerdings sei es schade gewesen, dass die Hallen so überfüllt waren, beispielsweise bei der Bibelarbeit mit Margot Käßmann. Am Sonnabend genießt Grimmele die Sonne im Park: "Man kann nicht von morgens bis abends in Veranstaltungen sitzen."
Bei Temperaturen um 20 Grad sind die Rasenflächen und Bänke in Planten und Blomen heiß begehrt. Entspannung finden die Besucher zum Beispiel im Japanischen Teegarten.
So auch Jürgen Krüger und Gerlinde Emami. Das Paar aus Eltville am Rhein ist zum ersten Mal in Hamburg. Entsprechend oft muss der Stadtplan konsultiert werden. Sie sind rundum zufrieden mit dem Kirchentag: "Was wir ganz besonders toll fanden, waren die Bibelarbeiten, vor allem die mit Frau Käßmann."
Diese vier Herren sind Mitglieder eines Posaunenchors aus Unna. Die Hamburger seien sehr hilfsbereite Gastgeber gewesen, sagt Klaus-Jürgen Schlüter (2.v.r.). Für Martin Schmolke (2.v.l.) hat dieser Kirchentag sogar den von 1995 getoppt, der ebenfalls in Hamburg stattfand: "Einfach, weil das Wetter mitgespielt hat." Einzig zu wenig Fischbrötchen habe es gegeben am Abend der Begegnung.
Gisela Schmolke (r.) und Anneliese Schlüter erinnern sich gerne an den Eröffnungsgottesdienst auf dem Fischmarkt, der eine skandinavische Note hatte. "Die Gebete waren auf Dänisch", sagt Schlüter. Da sie ein bisschen Dänisch könne, habe sie einen Teil verstanden.
Auch auf dem Rathausmarkt wird schon Bilanz gezogen. Die Jugendlichen vor der Bühne werden befragt und dabei gefilmt. Als ihre persönlichen Höhepunkte bezeichnen sie einen Internet- und Techno-Gottesdienst. Ihre Forderung für das nächste Mal: "Noch mehr Musik-Events."
Auch auf dem Rathausmarkt wird schon Bilanz gezogen. Die Jugendlichen vor der Bühne werden befragt und dabei gefilmt. Als ihre persönlichen Höhepunkte bezeichnen sie einen Internet- und Techno-Gottesdienst. Ihre Forderung für das nächste Mal: "Noch mehr Musik-Events."
Diskussion über Arbeitsrecht am letzten Programmtag
Weitere Informationen
Auf dem Kirchentag in Hamburg haben Gewerkschaften und Kirchenvertreter über kirchliche Sonderrechte diskutiert. Ver.di-Chef Bsirske kritisierte, dass Streiks nur in Ausnahmefällen möglich sind. mehr
Nach vier Tagen vollem Kirchentags-Programm mit mehr als 2.500 Veranstaltungen wurde am Sonnabend die inhaltliche Arbeit abgeschlossen. Am Vormittag diskutierte ver.di-Chef Frank Bsirske mit Kirchentags-Präsident Gerhard Robbers über das Arbeitsrecht in kirchlichen Einrichtungen. Der Gewerkschafter rief die Kirchen zu mehr Lohngerechtigkeit auf.
Die Veranstalter zogen unterdessen eine erste Bilanz des Christentreffens. Ihrer Einschätzung nach sind wichtige gesellschaftliche Impulse vom Kirchentag ausgegangen. "Die Losung 'Soviel du brauchst' hat den Nerv der Zeit getroffen", sagte Kirchentagspräsident Robbers. Das Christentreffen habe vor allem "die Frage der Gerechtigkeit in den Mittelpunkt gerückt". Das mache sich fest an der Forderung nach gerechtem Lohn und gerechten Arbeitsbedingungen für alle, nach Nachhaltigkeit und einer Energiewende, bei der Deutschland Vorbild sein soll, sagte Robbers.
"Von diesem Kirchentag gehen kraftvolle Impulse in unsere Gemeinden und in die ganze Gesellschaft hinein", ergänzte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider. Bischöfin Kirsten Fehrs von der gastgebenden Nordkirche sagte: "Der Kirchentag zeigt, dass es ein enormes Bedürfnis dafür gibt, sich einzumischen und Dinge ändern zu wollen." Sie sei "überwältigt von der herrlichen Stimmung in meiner, in unserer Stadt, da hat das Wetter auch eine große Rolle gespielt."
Pfadfinder räumen den Müll weg - bis spät in die Nacht
Für diese vier Pfadfinder fängt die Arbeit erst an, wenn die inhaltliche Arbeit des Kirchentages abgeschlossen ist.
Dem können die Besucher nur beipflichten. Niklas, Anna, Frederik und Christoph genießen am Nachmittag noch einnmal die Sonne im Park, ehe sie mit ihren Fahrrädern zu den Messehallen fahren - zum Arbeiten. Sie sind als Pfadfinder aus Hannover zum Helfen nach Hamburg gekommen. Und am Samstagabend liegt ihre größte Aufgabe noch vor ihnen: "Jetzt kommt unsere Hoch-Zeit auf dem Kirchentag", erklären sie. Die Messestände werden unmittelbar nach dem Ende der Öffnungszeiten in den Messehallen abgebaut.
Da fällt viel Müll an - und den werden die vier entfernen. Bis wann das dauern kann? "Open end", sagen die Pfadfinder. Und lächeln. Nicht umsonst tragen sie die roten Halstücher mit der Aufschrift "Ich helfe".
Special
"Soviel du brauchst" - unter diesem Motto stand der Kirchentag in Hamburg. Auf NDR.de finden Sie dazu alle wichtigen Infos sowie Reportagen, Bilder, Videos und Audios. mehr