AKTUELLES AUS DER REGION
Hintergrund
Kirchentagspräsident Gerhard Robbers, die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs (M.) und Ellen Ueberschär, die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, präsentieren in Hamburg das Plakat für den 34. Evangelischen Kirchentag 2013. © dpa Fotograf: Daniel Reinhardt
 

"Soviel du brauchst" - Was heißt die Losung?

Mit ihr soll auf verantwortungsvolles Wirtschaften hingewiesen werden. mehr

 

130.000 Gläubige feiern Kirchentags-Ende

"Platz überfüllt", "Halle überfüllt" - immer wieder mussten viele Teilnehmer draußen bleiben. Der Andrang beim 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) in Hamburg war gigantisch: mehr als 115.000 Dauerteilnehmer sowie Zehntausende Tagesgäste. Doch trotz der vollen Hallen und Plätze zeigten sich fast alle sehr zufrieden.

"Überwältigt von der herrlichen Stimmung"

Auch die Kirche zog eine positive Bilanz. "Der Kirchentag ist unser Basislager, das uns an Leib und Seele gestärkt wieder in den Alltag sendet. Wenn es den Kirchentag nicht gäbe, müsste man ihn schleunigst erfinden", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Scheider.

Bischöfin Kirsten Fehrs von der gastgebenden Nordkirche meinte: "Der Kirchentag zeigt, dass es ein enormes Bedürfnis dafür gibt, sich einzumischen und Dinge ändern zu wollen." Sie sei "überwältigt von der herrlichen Stimmung in meiner, in unserer Stadt, da hat das Wetter auch eine große Rolle gespielt."

"So viele Menschen, die nicht genug haben"

Nach Ansicht von Kirchentags-Präsident Gerhard Robbers sind von dem Glaubensfest wichtige Signale für die Ökumene und die Annäherung der Religionen ausgegangen. Viele katholische, orthodoxe, jüdische und muslimische Vertreter hatten sich am Kirchentag beteiligt. Robbers forderte beim Schlussgottesdienst mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland: "Es gibt so viele Menschen, die nicht genug haben." Er verlangte ein Ende von Lohndumping und dass Frauen endlich gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen.

Merkel, Steinbrück, Gauck - Politprominenz zu Gast

Bundespräsident Joachim Gauck unterhält beim Kirchentag in Hamburg mit Samuel Koch. © dpa - Bildfunk Fotograf: Sven Hoppe Detailansicht des Bildes Bundespräsident Gauck diskutierte mit Samuel Koch, der seit einem Unfall bei "Wetten, dass..?" querschnittsgelähmt ist. Die Teilnehmer diskutierten unter dem Motto "Soviel du brauchst" über Gerechtigkeit, Umweltschutz und verantwortungsvolles Wirtschaften, behandelten aber auch viele theologische Themen, beteten und feierten zusammen - auf ingesamt 2.500 Veranstaltungen an 400 Orten. Zu Besuch waren viele prominente Politiker wie Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr SPD-Herausforderer Peer Steinbrück. Ein Höhepunkt war auch der Auftritt von Margot Käßmann, die wie ein Popstar gefeiert wurde.

Englischer Bischof predigt beim Schlussgottesdienst

Am Sonntag feierten rund 130.000 Gläubige den Schlussgottesdienst. Etwa 3.000 Musiker wirkten daran mit. Mit der Unterstützung von Tausenden Helfern und 96 Pastoren nahmen die Besucher ein gemeinsames Abendmahl ein.

Gottesdienst zum Abschluss des Kirchentags

- 05.05.2013 10:00 Uhr

Die Predigt hielt der englische Bischof Nick Baines, der in Deutschland studiert hat. Er stieg mit einer Anekdote über seinen kleinen Enkel Ben ein. Der wolle immer mehr haben, als er essen kann. "Wie viel ist genug? Wie viel brauche ich?", griff Baines die Kirchentagslosung "Soviel du brauchst" auf. Er bezog sich auf den Propheten Micha, der sich die Fragen in Israel gestellt habe, "lange bevor es Sportwagen und iPhones gab".

"Die Welt muss nicht so sein, wie sie jetzt ist"

Die wahren Bedürfnisse der Menschen müssten im Vordergrund des Handelns stehen: "Glück und Zufriedenheit kann es nicht für einzelne geben, ohne Rücksicht auf das Glück derer, die die Bibel unsere Nächsten nennt." Baines kritisierte in diesem Zusammenhang die Mauern, die Israelis von Palästinensern trennen: "Ich kann niemals sicher sein, wenn ich die Sicherheit meines Nachbarn verneine."

Der Prophet Micha habe die Menschen aufgefordert, sich von einer Vision ergreifen zu lassen: "Die Bibel untergräbt unser Verständnis der Wirklichkeit. Sie fordert uns heraus, uns und die Welt anders anzusehen. Die Welt muss nicht so sein, wie sie jetzt ist."

"Wenn er hat, so viel er braucht, dann hat er genug"

Zum Abschluss der Predigt kam Baines noch einmal zum Propheten Micha zurück, der Bescheidenheit verkündet habe: "Euch reicht ein Baum, sodass ihr den Baum des anderen nicht braucht, schließlich kann man nur unter einem Baum sitzen." Baines schloss mit den Worten: "Vielleicht lernt auch mein Enkel irgendwann: Wenn er hat, so viel er braucht, dann hat er genug."

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 05.05.2013 | 19:30 Uhr

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Das war der Kirchentag

05.05.2013 | 19:30 Uhr
NDR Fernsehen: Hamburg Journal

120.000 Dauerteilnehmer und Zehntausende Gäste waren in der Stadt.

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