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Glück und Lebensfreude kann man lernen, sagt Eckart von Hirschhausen.
Seit mehr als 15 Jahren ist Dr. Eckart von Hirschhausen als Komiker, Autor und Moderator in den Medien und auf deutschen Bühnen präsent. "Glück kommt selten allein" heißt eines seiner Bücher - und er wünscht sich, dass "Glück" auch einen festen Platz auf den Stundenplänen an den Schulen bekommt.
NDR.de: Warum ist es Ihrer Ansicht nach wichtig, das Schulfach Glück zu etablieren?
Eckart von Hirschhausen: Wenn man fürs Leben und nicht für die Schule lernt, ist es wichtig, dass auch "Glück" in der Schule unterrichtet wird. Denn alle Menschen wollen glücklich sein. Ein guter Teil dessen, was jeder zu seinem Glück braucht, kann man in der Schule lernen. Ein gutes Verhältnis zu seinem Körper, Freude an Musik, Bewegung und Tanz, Freude am Miteinander- anstatt, dass jeder für sich allein kämpft. Wenn ich überlege, was von meinem Schulwissen ich tatsächlich im Leben jemals wieder gebraucht habe, und was nicht, wirkt die Forderung, Glück als Schulfach einzuführen, nicht utopisch, sondern sehr vernünftig. Zudem verursachen Übergewicht, Rückenschmerzen und Depressionen volkswirtschaftlich und seelisch enorme Kosten. Deshalb ist es höchste Zeit, mehr Gesundheit und Psychologie an dem Ort zu lehren, wo wir am schnellsten lernen: in der Schule.
NDR.de: Was sollten Kinder in diesem Fach lernen? Und kann man überhaupt lernen, glücklich zu sein?
Eckart von Hirschhausen: Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass man Sprachen erlernen kann, sowie Mathe, Geschichte und Biologie. Wenn man unter Glück beispielsweise Genießen-Können, Achtsamkeit, Stärkenorientierung, Beziehungspflege, Widerstandfähigkeit in Krisen und Sinnsuche versteht, dann ist die Antwort ein klares "Ja". Das können Sie lernen - und es lohnt sich. Wie viele Wege kennen Sie beispielsweise, sich aus schlechter Laune zu befreien? Wenn ich mich und meinen Körper besser kenne, muss ich weder auf Glotze oder Schokoriegel zurückgreifen, dann bewege ich mich, kümmere mich um andere oder habe gelernt, negative Gedankenschleifen zu unterbrechen.
NDR.de: Welche Rolle spielt die körperliche Verfassung der Kinder? Wie wichtig sind beispielsweise Bewegung und gesunde Ernährung, um glücklich zu sein?
Eckart von Hirschhausen: Essentiell. Dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper wohnt, kann ich auch auf Latein sagen. Aber was das nachts vor dem Kühlschrank heißt, darüber hätte ich gerne mehr erfahren.
NDR.de: Was sagen Sie Kritikern, die meinen, die Schüler sollen lieber mehr Mathe lernen? Angesichts vieler Arbeitgeber, die beklagen, dass es bei vielen Schulabgängern schon an einfachsten Kompetenzen mangelt wie Rechnen und Rechtschreibung?
Eckart von Hirschhausen: Gegenfrage – können wir uns es leisten, Kindern und Jugendlichen nicht zu zeigen, wie sie ein glückliches Leben führen können? Wirtschaftskrise und Bildungskrise zeigen ja gerade, dass wir uns neue Konzepte einfallen lassen müssen. Wir brauchen starke und glückliche Menschen, um die Krisen zu meistern.
NDR.de: Eine Hamburger Lehrerin, die das Fach unterrichtet, ist nicht glücklich damit, dass sie ihren Schüler dafür auch eine Zeugnisnote geben muss. Wie sehen Sie das?
Eckart von Hirschhausen: In Japan gibt es Smiling-Schools. Wenn man dort nicht lernt, anständig zu Lächeln ist der Job gefährdet. So soll das natürlich nicht sein. Glück an sich kann nicht geprüft werden - aber das Bemühen darum. Für die Benotung gibt es viele Möglichkeiten - beispielsweise eine Art Tagebuch zum Schulfach Glück. Wird das ordentlich geführt, gibt es eine ordentliche Note.
NDR.de: An einer Hamburger Schule heißt das Fach "LebensArt" - dort wird besonders der lebenspraktische Bezug betont. Natürlich zählt der Inhalt und nicht der Name - aber wofür wären Sie? Sollte buchstäblich das Wort Glück im Stundenplan stehen?
Eckart von Hirschhausen: Wenn es durch eine andere Bezeichnung leichter wird, es einzuführen, mag das sogar ein kluger Schachzug sein. Glück klingt einfach für viele, die sich damit nicht näher beschäftigt haben schnell nach Esoterik, was es überhaupt nicht ist
NDR.de: Jetzt mal nicht nur für Kinder und Jugendliche - was sind die wichtigsten Voraussetzungen für ein glückliches Leben?
Eckart von Hirschhausen: Indem man auf drei Dinge in seinem Leben achtet. Das Erste ist Bindung. Das zweite ist, sich zu engagieren. Und das Dritte ist, einen Sinn zu sehen. Gerade die Finanzkrise hat einen großen Wert: sie erinnert uns an die Illusion materialistischer Befriedigung. Wir kaufen uns Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld was wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen. Wer aus diesem Spiel aussteigt, hat den ersten Schritt zum Glück getan.
In meinem Buch "Glück kommt selten allein" klingt die zentrale Botschaft schon im Titel an: die wichtigsten Glücksbringer sind andere Menschen. Am besten gleich in Gedanken einmal einen roten Kringel im Adressbuch machen, um die ausgewählten Freunde, mit denen Sie lachen, weinen und schweigen können. Es gibt Naturtalente der guten Laune, die verbreiten Freude, egal, wo sie ankommen. Andere verbreiten gute Laune, egal wo sie weggehen...
Die Fragen stellte Maya Ueckert