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Ein hoher Beamter der Hansestadt brachte es vor Jahren so auf den Punkt: "Verglichen mit Städten wie Bremen und Kiel leben wir in puncto Rocker auf einer Art Insel der Glückseligen." Was der Beamte meinte, zeigt ein Blick auf die Straßen. In anderen Städten gehören Rocker mit ihren Club-Westen vor allem in wärmeren Monaten zum Erscheinungsbild. In Hamburg ist das anders, denn dort würde es kein großer Rockerclub wagen, "in Kutte" durch die Straßen der Hansestadt zu donnern: aus "Respekt" vor den "Hells Angels". Deren Hamburger Ableger verschwand 1983 nach einem Vereinsverbot in der Elbmetropole von der Bildfläche.
Ein 49-jähriges Mitglied steht vor Gericht, weil er die verbotene "Kutte" öffentlich in Hamburg getragen hat. Das Tragen ist seit dem Verbot der Rockergruppe in Hamburg 1983 verboten.
Doch das könnte sich schon bald ändern: Vor dem Landgericht Hamburg wird derzeit geklärt, ob "Hells Angels"-Kutten in der Stadt wieder gezeigt werden dürfen. Mehr als fünf Stunden wurde zum Prozessauftakt am Freitag verhandelt. Eine Verkündung des Urteils soll am kommenden Mittwoch erfolgen. Wie in der ersten Instanz stehen sich die Positionen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung unversöhnlich gegenüber. Während die Verteidigung auf Freispruch für ihren Mandanten plädierte und dabei unter anderem auf die Grundrechte des Angeklagten verwies, beharrte die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer auf Verurteilung wegen eines Verstoßes gegen das 1983 verhängte Vereinsverbot für die Hamburger Hells Angels.
Der Angeklagte Thomas K. (49), wegen seines besonders starken Akzents auch "Stuttgart-Tommi" genannt, hatte mit einer Art Eulenspiegelei dafür gesorgt, dass die Mühlen der Justiz zu mahlen beginnen. 2011 ließ er sich in der "Hells Angels"-Kutte vor dem Hamburger Michel fotografieren. Das Foto schickte er der Polizei. Die handelte prompt - durchsuchte sein Haus und eröffnete ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Vereinsverbot. Hinter der Provokation aber steckt offenkundig Kalkül: Den "Hells Angels" geht es anscheinend gegen den Strich, dass Hamburg für sie und ihre Kutten eine Tabuzone ist. In erster Instanz ist ihre Rechnung bereits aufgegangen. Ein Amtsrichter entschied im vergangenen März, dass die Rocker ihre Symbole, wie den geflügelten Totenkopf, auch in Hamburg tragen dürfen.
Deutlich wurde im Verlauf des ersten Verhandlungstages am Freitag, dass es im Hintergrund vor allem um die grundsätzliche Frage geht, ob der 2005 von den Hells Angels gegründete Ortsverband namens "Harbor City" seine sogenannte Kutte mit den Insignien der Rockermacht in Hamburg und anderenorts offen tragen kann oder nicht. Eine Frage, die nach Ansicht von Sicherheitsexperten auch Auswirkungen haben kann auf die Sicherheitssituation in der Hansestadt. Es ist deshalb nicht unwahrscheinlich, dass sich nach der Entscheidung auch noch die Revisionsinstanz mit der strittigen Frage wird befassen müssen.
Bei der Polizei dürfte man das Verfahren mit einiger Aufmerksamkeit verfolgen. Denn Kutten von "Hells Angels" und Co. gelten bei Sicherheitsbehörden nicht nur als Ausdruck von Moped-Folklore. Sie sind bewusst zur Schau gestellte Machtsymbole von Vereinigungen, deren wesentliche Aktivitäten im Rotlicht- und Türstehermilieu liegen.
Das 1983 verhängte Verbot gegen den Rockerclub war das erste seiner Art bundesweit. In seiner Verbotsverfügung hatte das Bundesinnenministerium damals festgestellt, dass die Aktivitäten des Hamburger Ortsvereins der "Hells Angels" den "Strafgesetzen zuwider laufen". So waren einzelne Mitglieder zuvor unter anderem wegen Schutzgelderpressung und gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Diese Gewalttätigkeiten, so heißt es in der Verbotsverfügung, "wurden in Vereinskluft als "Hells Angels" begangen und begründeten deren Ruf als besonders gewalttätige und brutale Rockergruppe."
Nur ein Nachweis gelang damals nicht: Die "Hells Angels" waren keine kriminelle Vereinigung im Sinne des § 129 des Strafgesetzbuches. Daher weist deren Sprecher auch den Vorwurf zurück, irgendwas mit sogenannter organisierter Kriminalität zu tun zu haben. Die Landeskriminalämter überzeugt das jedoch nicht. Sie lassen Rockergruppen wie "Bandidos" und "Hells Angels" durch die Spezialabteilungen für "Organisierte Kriminalität" beobachten. Schließlich stünden Mitglieder von Rockergruppen immer wieder wegen schwerer Straftaten vor Gericht.
Auch andere Rockerclubs zeigen sich in Hamburg nicht mit ihrer Kutte.
Eigentlich müssten die Rocker sich darüber wenig den Kopf zerbrechen. Das 1983 verhängte Verbot betraf lediglich den "Hells Angels Motor-Club e.V. Hamburg", also einen Ortsverein der "Hells Angels" Rocker, der die Bezeichnung "Hamburg" im Namen führt. Die Erkennungsmerkmale anderer Gruppierungen wie der "Bandidos" oder der "Red Devils" sind von diesem Verbot nicht betroffen. Sogar "Hells Angels"-Kutten aus anderen Städten sind nach den Regeln des Gesetzes in der Hansestadt nicht verboten. Sie dürfen nur nicht mit dem verbotenen Hamburger Ortsverein der "Angels" verwechselt werden können.
Dass in der Elbmetropole dennoch seit Jahren gar keine Rockerkutten zu sehen sind, hat weniger rechtliche, als szenetypische Gründe: Es gilt als "Respektlosigkeit" eine Kutte zu tragen, solange dem "Hausherrn" dieses Recht versagt bleibt. Sollte das Gericht nun abermals den Rockern Recht geben, wäre das Kutten-Tabu möglicherweise schon bald vom Tisch. Dann könnten die Rocker auch in Hamburg wieder offen ihre Macht demonstrieren - nicht nur die "Hells Angels", sondern auch ihre Konkurrenten.
Zur Erinnerung
Ein Hells Angels braucht keine Kutte,er wird auch so immer ein Hells Angels bleiben. Ob das den Behörden gefällt oder nicht,keiner wird nur weil die es wollen von heute auf morgen seine Einstellung... [mehr]
Hells Angels
die Kutte ist für Rocker nichts anderes als die Uniform für die Polizei...verbietet die Uniform denn jemanden? wo leben wir hier eigentlich, wo ist das Recht auf Meinungsfreiheit?.diese Hetzjagd auf... [mehr]
lasst sie doch ma in ruhe
moin also ich finde das man die einfach ma in ruhe lassen und ihre "machenschafften" auch. Da die grundsaetzlich niemanden was antun! Es sei denn man legt sich mit denen an. Ich selber fahre zwar... [mehr]
Wer's nötig hat muss wohl so eine Kutte tragen.
Die mögen ja als Horde gefährlich sein. Aber in ihren albernen Kutten wirkt das eher peinlich. Das wollen erwachsene Männer sein, eher vorpubatäre Machomentalität! Auf mich machen diese lächerlichen... [mehr]
Demokratieverständnis......
....wenn man auf die Forderungen hier eingehen würde gäbe es , wie schoneinmal in diesem Land , bald keine freie Meinungsfreiheit mehr ! Meine Kutte hat eine anderes Colour aber das gemeinsame... [mehr]