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Zehn Jahre lang hat Mirko Biener (links) an der Zollstation Waltershof im Hamburger Hafen Lastwagen kontrolliert.
"Ich bin einer, der sich auf das neue Jahr freut", sagt Zollamtsinspektor Mirko Biener. Denn dann ist er seinen Job an der Grenzstation Waltershof in Sichtweite der Köhlbrandbrücke los. Der 44-Jährige verbringt dort seit zehn Jahren seine Schichten. Bis zu sechs Stunden am Tag kontrolliert er die unbeladenen Lastwagen, die aus dem Freihafen herausfahren. Es ist immer das Gleiche: Der Fahrer steigt aus, öffnet die Klappe des Containers - Biener in seiner neongelben Jacke wirft schnell einen Blick hinein und nickt. Das heißt: Alles klar, Sie können weiterfahren. "Sonderlich aufregend ist das nicht", findet Biener. Er und seine Kollegen haben jedes Jahr rund eine Million Mal in leere Container geschaut.
Biener muss bei den Kontrollen die ganze Zeit stehen. Auch die Umgebung ist alles andere als angenehm. Die Luft ist voll mit Auspuff-Abgasen, zudem ist es laut. Ein Gespräch ist zwischen den an- und abfahrenden Lastwagen nur in einer Lautstärke möglich, die dem Brüllen recht nahe kommt. "Wir müssen während der Schicht hier draußen stets Ohrstöpsel tragen", erzählt Biener. Das sei so vorgeschrieben. An den Gestank und den Lärm habe er sich in all den Jahren nicht gewöhnt. Nur an den Wochenenden sei es ein wenig ruhiger zugegangen.
Die Schlagbäume an den Kontrollstationen fallen am 1. Januar weg. Wirtschaftssenator Horch (an der Schranke rechts) sieht die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Neubeginn als erfüllt an.
Aber nun ist Besserung in Sicht. Ab dem 1. Januar fällt die Freizone im Hafen weg, die Zollgebühren werden künftig direkt am Terminal elektronisch erhoben. "Mit den vielfältigen Beratungsangeboten und dem Engagement der Unternehmen sind gute Voraussetzungen geschaffen, dass das Ende des Freihafens zu einem erfolgreichen Neubeginn in diesem Teil des Hafens führt", sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos).
Mit der Umstellung der Zollabfertigung sind auch die Kontrollen an den Übergängen überflüssig. Biener zum Beispiel wechselt dann zur neuen Kontrolleinheit 26. Sie unterstützt den Wasserzoll bei der Kontrolle der eingelaufenen Schiffe. "Die neue Aufgabe wird auf jeden Fall besser als das hier in Waltershof", sagt Biener.
Günther Losse leitete lange Zeit die Grenzkontrollen, ab Januar hat auch er einen neuen Job.
Auch viele andere Kollegen arbeiten künftig bei der neuen Kontrolleinheit. Von den derzeit 120 Mitarbeitern an den sieben Grenzstationen im Hamburger Hafen wechseln rund 90. "Die Schiffskontrolleure können die Verstärkung gut gebrauchen", sagt Günther Losse. Der 58-Jährige ist ab Januar Leiter der neuen Zolltruppe. "Für die Durchsuchung eines einzigen Bananenfrachters auf der Suche nach Drogen, illegalen Zigaretten und Waffen sind immerhin 40 Leute einen Tag lang beschäftigt", erzählt Losse. Verstärkte Kontrollen sollen vor allem Drogenschmugglern das Leben schwer machen. Schätzungsweise 50 Tonnen Kokain werden pro Jahr über den Hamburger Hafen eingeschmuggelt. Zu den neuen Aufgaben der Zollbeamten gehört auch der Einsatz in "Streifenwagen". Sie sollen Lastwagen im Hafengebiet stichprobenartig anhalten, um die Ware zu kontrollieren.
Wochentags kommt es immer wieder zu Staus auf der Köhlbrandbrücke, die den Zeitplan der Fahrer durcheinanderbringen.
Enden mit dem Wegfall der Zollgrenzen die ständigen Staus rund um die Köhlbrandbrücke? Die Stadt ist zuversichtlich. Wirtschaftssenator Horch zeigt sich überzeugt, dass sich das Ende des Freihafens positiv auf die Verkehrslage im Hafen auswirkt. Andere sind da pessimistischer. Der Logistik-Unternehmer Ralf Nörtemann rechnet damit, dass künftig viel mehr Autofahrer durch den jetzigen Freihafen fahren. "Die Hafenroute erscheint sicher vielen als Ausweichstrecke attraktiv, wenn der Elbtunnel mal wieder dicht ist", sagt Nörtemann. Und dann könne es wieder eng werden auf den Straßen - und seine Lastwagen stehen weiter im Stau.
Die Grenzstationen des Zolls gehen im neuen Jahr an die Hafenbehörde HPA über. "Wir werden im Januar zunächst einmal alles, was den Verkehrsfluss an den Übergängen behindert, abbauen - etwa die Verkehrsinseln", sagte HPA-Sprecher Alexander Schwertner NDR.de. Zudem sollen die Dächer der Zollstationen entfernt werden, sofern sie die Durchfahrtshöhe für Lastwagen beschränken. "Die Gebäude an den Übergängen werden wir dann nach und nach abbrechen." Auch um den Großteil des Freihafen-Zauns, der insgesamt 20 Kilometer lang ist, kümmert sich die Hafenbehörde. Ein Teil bleibt stehen - etwa an Bahngleisen, damit Fußgänger die Gleise nicht betreten können. Der Rest des historischen Zauns wird wohl verschwinden.