Wahrzeichen in ferner Sicht: Auch wenn die Außenhaut der Elbphilharmonie Ende Januar 2013 schon fast fertig ist - erst 2017 soll der Konzertsaal eingeweiht werden. Eineinhalb Jahre ruhten die Arbeiten am Prestigeobjekt, im Mai nun soll weitergebaut werden. Unsere Bilder-Chronik erzählt von hochfliegenden Pläne, Bauverzögerungen und steigenden Kosten.
Im Juni 2003 präsentieren die Schweizer Architekten Jacques Herzog (links) und Pierre de Meuron einen ersten Entwurf für die Elbphilharmonie. Den Auftrag dazu hatten sie von Alexander Gérard bekommen. Der Investor und Architekt war 2001 mit der Idee an den Senat herangetreten, auf dem Kaispeicher A ein Konzerthaus von Weltrang zu errichten.
Nachdem Gérard 2004 aus den Planungen aussteigt, legen Herzog und de Meuron 2006 einen neuen Entwurf für die Fassade vor: eine kühne Konstruktion aus Glas und Stahl auf dem Kaispeicher A. Dieser war von 1963 bis 1966 nach den Plänen des Hamburger Architekten Werner Kallmorgen erbaut worden und diente als Lagerhalle für Kakao und Kaffee.
Auch ein Mammutprojekt wie die Elbphilharmonie fängt mit einem kleinen ersten Schritt an. Nachdem die Bauarbeiter zum ersten Mal am 2. April 2007 anrücken, werden in der Phase des "weichen Abbruchs" zunächst alte Kabelstränge und leichte Wände im Kaispeicher entfernt.
Nach und nach kommen schwerere Geräte zum Einsatz. Mit dem Kran werden im August 2007 die Deckenplatten des Kaispeichers abgenommen. Danach beginnt die intensive Phase der Entkernung mit fünf Baggern. Anschließend gibt es Stabilisierungsmaßnahmen wie die Versenkung von 650 zusätzlichen Stützpfählen im Elbschlick.
Danach werden die Sohle betoniert und die Fundamente gegossen. Im Oktober 2008 ist von dem alten Kaispeicher nur noch die Außenhaut zu sehen. In seinem Inneren soll später die Parkgarage des Konzerthauses untergebracht werden. Links stehen die blauen Container auf Stelzen im Wasser, in denen die Bauarbeiter und Planer ihr Quartier bezogen haben.
Im Dezember 2008 ist zu erkennen, wie neue Bauabschnitte auf dem historischen Fundament angebracht werden.
Die Baustelle der Elbphilharmonie aus der Luft: Rechts sind die Neubauten der Hafencity zu sehen, in der Mitte die rötlichen Gebäude der historischen Speicherstadt.
Wie schnell daraufhin der Bau in die Höhe wächst, zeigt ein Vergleich. Hier ein Bild aus dem Juni 2009, ...
... und so sieht das Gebäude fünf Monate später aus. Zunächst bestehen die Stockwerke nur aus stützenden Pfeilern und Betondecken, ...
... bis Mitte Dezember 2009 das erste Fenster einschwebt. Die einzelnen Fassaden-Elemente sind bis zu fünf Meter hoch. Die rund 1.100 Fenster müssen starkem Sturm und Regen standhalten. Sie werden in Süddeutschland hergestellt.
Bei Rundflügen über der Hansestadt, wie diesem im April 2010, zählt die unfertige Elbphilharmonie zu den Top-Attraktionen.
Ein Entwurf vom Großen Konzertsaal. Die ausgefeilte Akustik soll die Elbphilharmonie zu einer der ersten Adressen auf der Welt für klassische Musik machen.
Mai 2010: Nach den ursprünglichen Plänen sollten jetzt die ersten Proben im Großen Konzertsaal stattfinden. Doch der befindet sich gerade einmal im Rohbau.
Ende Mai 2010 sind aber immerhin alle Stockwerke errichtet und Hamburg feiert das Richtfest für die "Elphi". Dabei steht bereits fest, dass die geplante Eröffnung im Herbst 2010 um mehrere Jahre nach hinten verschoben werden muss.
Während der Richtkranz auf das Dach gehoben wird, stehen unten Feiernde - aber auch Bürger, die gegen die Kostenexplosion bei dem Projekt protestieren.
Im Juni 2010 scheint die Elbphilharmonie bereits den Michel zu überragen - allerdings wird das Bauwerk ihn nie tatsächlich übertrumpfen. Der Turm des Michels ist nämlich stolze 132 Meter hoch, das Konzerthaus an seiner höchsten Stelle "nur" 110 Meter.
Auch wenn sich die Arbeiten hinziehen und es zwischen der Stadt und dem Baukonzern Hochtief zum Streit um Schadensersatzansprüche wegen der Verzögerungen und Kostensteigerungen kommt: Der Blick auf die Elbe und die Stadt sind schon jetzt unvergleichlich.
Anfang Dezember 2010 ist dann auch die charakteristische Dachform des Konzerthauses in der Konstruktion zu sehen.
Im April 2011 ist der höchste Punkt des Gebäudes endlich fertiggestellt und die Elbphilharmonie auch aus der Entfernung deutlich zu erkennen.
Während das Konzerthaus im November 2011 von außen schon ziemlich fertig aussieht, gibt es Probleme mit dem Dach des Großen Konzertsaals. Stadt und Hochtief streiten sich darum, ob die Absenkung der Dachkonstruktion gefahrlos möglich ist. Der Bau kommt für mehrere Monate weitgehend zum Erliegen.
Ein Blick von den "Tanzenden Türmen" auf die Elbphilharmonie im Mai 2012. Sie dominiert den Hamburger Hafen schon jetzt - und das, obwohl noch Jahre vergehen werden, bis die Elbphilharmonie fertiggestellt ist.
Nach monatelangem Stillstand auf der Baustelle baut Hochtief im Sommer 2012 dann weiter. Im November wird die Dachkonstruktion erfolgreich abgesenkt. Die Eröffnung des Konzerthauses soll jetzt im Frühjahr 2016 sein.
Im Dezember 2012 geben Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) Hochtief eine letzte Chance: Hochtief soll das Konzerthaus zu Ende bauen, müsse aber die volle Verantwortung übernehmen. Ein neuer Vertrag werde bis zum 28.02.2013 ausgehandelt.
Auswege aus dem jahrelangen Streit: Pünktlich nach Ablauf der Frist erläutern Kisseler und Scholz am 1. März 2013 im Rathaussaal den neuen Vertrag. Hochtief soll die Elbphilharmonie unter Übernahme sämtlicher Risiken fertigstellen, dafür erhält der Essener Baukonzern noch mal 195 Millionen Euro. Und die Eröffnung? Ist auf das Frühjahr 2017 verschoben.
Elbphilharmonie, Etage 26: Ein Arbeiter inspiziert den Rohbau der künftig größten Privatwohnung des Gebäudes. Wenn die Bürgerschaft dem neuen Vertrag zustimmt, kann es im Mai 2013 auch hier weitergehen.