Zukunft ohne Zollzaun: Freihafen verschwindet
Nach 124 Jahren steht das Ende des Hamburger Freihafens bevor. Ab Neujahr entfallen die Kontrollen an den Grenzstationen. So mancher Zollmitarbeiter freut sich darauf. mehr
1,6 Milliarden Euro soll es kosten, einen Teil des Containerverkehrs im Hamburger Hafen unter die Erde zu verlegen.
Hunderte Lkw rollen jeden Tag durch Hamburgs Hafen. Sie transportieren Frachtcontainer zwischen den Terminals, dem Güterbahnhof Maschen und einem Umschlagplatz für Lastwagen südlich von Hamburg. Der enorme Lkw-Verkehr verursacht jeden Tag Lärm, Dreck und Staus. Um das Verkehrschaos im Hafen in den Griff zu bekommen, wurden in Hamburg ambitionierte Pläne geschmiedet: "Container and underground" - in Zukunft sollten demnach Container über ein 75 Kilometer langes Tunnelsystem unter dem Hafen befördert werden. Eine Art Container-Rohrpost sollte entstehen. Auf 1,6 Milliarden Euro wurden die Investitionskosten für das Projekt geschätzt. Doch nun drohen die Pläne zu scheitern, wie NDR 90,3 am Freitag berichtete.
Drei Millionen Euro wären nötig, um die wirtschaftliche Machbarkeit und die Streckenführung für "Container and underground" zu untersuchen. Doch der TÜV Rheinland und das Bundesverkehrsministerium würden es ablehnen, sich daran zu beteiligen, sagte Schleswig-Holsteins früherer Wirtschaftsminister Werner Marnette. Er hatte das Projekt Container-Rohrpost vor rund einem Jahr angeschoben. Nun gebe es kaum noch Aussichten, das System für den Hamburger Hafen weiter zu entwickeln, sagte Marnette. "Auch maßgebliche Teile der Hamburger Hafenwirtschaft waren nur zurückhaltend bereit, das Projekt zu begleiten". Im Kreis Harburg war das Projekt auch auf Widerstand von Bürgerinitiativen gestoßen. Die Anwohner befürchteten, dass die Region zu einem gewaltigen Gewerbegebiet ausgebaut werden könnte.
Bis zu zwei Millionen Lkw-Fahrten pro Jahr sollten in Hamburg durch den Container-Transport in den Tunneln eingespart werden. Er wolle jetzt nach Kunden in anderen Häfen suchen, auch außerhalb Europas, sagte Marnette.