"Dein Tod hätte nicht sein müssen" - mit selbst gebastelten Schildern und Briefen sowie mit Blumen, Lichtern und Stofftieren gedenken die Wilhelmsburger der an einer Methadonvergiftung gestorbenen Chantal.
Vor dem Haus, in dem Chantal mit ihren Pflegeeltern gewohnt hat, ...
... haben Nachbarn, Bekannte und Mitschüler des Mädchens einen kleinen Altar errichtet.
Am Schaufenster eines derzeit geschlossenen Geschäfts in dem Haus kleben Briefe an das tote Mädchen: "Warum bist du so früh gestorben?", fragt eine Nachbarin in ihrer Botschaft. Daneben finden sich auch Texte von Kindern und Zeichnungen.
Das Haus mit der Wohnung von Chantals Pflegefamilie befindet sich in der Fährstraße, einer Wohn- und Geschäftsstraße im Zentrum von Wilhelmsburg. Viele Kioske, türkische Bäckereien, Restaurants und Kneipen befinden sich hier.
Größtenteils Rotklinkerbauten wie Chantals Wohnhaus und Jugendstilhäuser bestimmen das überwiegend gepflegt wirkende Straßenbild.
Überall im Viertel rund um die Fährstraße rufen Schilder wie dieses zu einem Schweigemarsch am Freitag auf. Dabei soll der gestorbenen Kinder Lara Mia und Chantal gedacht werden.
Das für Chantal zuständige Jugendamt Wilhelmsburg ist in einem schmucklosen Betonklotz untergebracht. Am Dienstag wurden die Räume dort durchsucht. Dabei wurden Akten zu dem Fall Chantal und ihren Pflegeeltern beschlagnahmt.
Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers sagte nach der Durchsuchung: "Wir ermitteln gegen bislang unbekannte Mitarbeiter des Jugendamtes und des Trägers wegen Verdachts der Verletzung der Fürsorgepflicht."
Mit dem Träger ist der Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) gemeint. Auch in dessen Büro am Vogelhüttendeich wurden Räume durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt.
Das Wohnhaus von Chantal erhält derzeit einen neuen Anstrich im Sockelbereich. Die Stelle, wo die Blumen und Stofftiere zum Gedenken an das tote Mädchen liegen, hat der Maler unangetastet gelassen.