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Auf Biber-Safari in Hamburg

von Marc Oliver Rehrmann, NDR.de

Jetzt legt der Biber wieder los: Er nagt an Bäumen und Ästen, um seinen Hunger zu stillen. Während im Sommer viele Kräuter und Gräser auf seiner Speisekarte stehen, steigt er in den Wintermonaten notgedrungen auf Rinde um. In den Biber-Revieren im Hamburger Stadtgebiet sind die Spuren seiner Nahrungssuche nicht zu übersehen - wenn man weiß, worauf zu achten ist. Es ist also die beste Zeit für eine Biber-Tour am Rande der Millionenstadt. Vor ein paar Jahren galt es noch als eine abenteuerliche Vorstellung, dass eines Tages in den Gewässern der Hansestadt wieder Biber leben. 200 Jahre lang waren die Nagetiere in Hamburg ausgestorben. Jetzt sind sie aber wieder da.

Nur selten zu sehen

Einer der sich bestens mit den Hamburger Bibern auskennt, ist Frederik Landwehr von der Hamburger Stiftung Loki Schmidt. Der gebürtige Osnabrücker ist seit drei Jahren so eine Art Biber-Reviermanager. Mit seinem Team ist er den Bibern auf der Spur: Wo richten sie ihre Reviere ein? Wie viele Tiere haben sich bereits angesiedelt? Gibt es schon Jungtiere? "Ich selbst habe noch keinen Hamburger Biber zu Gesicht bekommen", verrät Landwehr. Es sei auch gar nicht so leicht, einen leibhaftigen Biber in der freien Natur abzupassen. Meist sind die pelzigen Tiere nur in der Abend- oder Morgendämmerung und in der Nacht aktiv.

Ein beliebter Pelz

Jahrhundertelang waren Biber in Hamburg ausgestorben. Nicht zuletzt, weil sie - wie in anderen Regionen auch - stark bejagt wurden. Ihr dichter und extrem weicher Pelz war beliebt. Auch in den Kochtöpfen landete der Biber oft. Die katholische Kirche stufte ihn als Fisch ein. Somit war er in der Fastenzeit für die Gläubigen eine willkommene Abwechslung zu Hering, Karpfen und Hecht. In alten Kochbüchern lassen sich viele Biber-Rezepte finden.

Tödliche Revierkämpfe

Erschwerend kommt hinzu, dass die Hamburger Biber vermutlich noch keine festen Reviere haben, die sie auf Jahre hinaus behaupten. "Die Biber wandern noch herum, um für sich den besten Platz zu finden", sagt Landwehr. Bislang konnte die Loki Schmidt Stiftung sieben Reviere ausmachen, in denen 10 bis 15 Biber leben. Mehr als einen Kilometer Uferböschung kann so ein Revier umfassen. "Wenn zwei Biber sich in einem Revier in die Quere kommen, bekämpfen sie sich. Das kann auch schon mal für einen Biber tödlich enden."

Sorgenfalten bei Obstbauern

Angler können dem Treiben der Biber in den Flüssen gelassen zusehen. Die pelzigen Tiere fressen ihnen die Fische nicht weg. Denn sie sind Pflanzenfresser. "Es zeigt sich auch, dass dort, wo sich Biber ansiedeln, die Zahl der Fischarten steigt", weiß Landwehr. Wo der Biber am Ufer Bäume fällt, hängen viele Äste im Wasser. Dort können viele Fischarten gut laichen, ohne dass der Laich von Raubfischen aufgefressen werden kann.

Für Landwirte ist es hingegen wenig amüsant, wenn ein Biber durch Wassergräben oder Staudämme ihre Felder unter Wasser setzt. Auch dem einen oder anderen Obstbauern sind die Nagetiere nicht ganz geheuer - sie haben Angst um ihre Bäume. "Biber fressen tatsächlich gerne Fallobst und fällen auch schon mal Obstbäume", weiß Landwehr. "Aber die Landwirte müssen nicht tatenlos zusehen: Es gibt einen Schutzanstrich für die Stämme und notfalls hilft auch ein Elektrozaum gegen ungewünschte Biber-Besuche." Wichtig sei es, dass ein Baum, den ein Biber gefällt hat, nicht weggeräumt wird. "Sonst fällt der Biber gleich den nächsten", sagt Landwehr.

Von sich aus Hamburg auserkoren

Das Besondere an der Biber-Rückkehr: Sie wurden nicht angesiedelt wie beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Tiere in den 80er- und frühen 90er-Jahren ausgesetzt wurden. Die Hamburger Biber sind aus freien Stücken von der Elbe her eingewandert. Die unüberwindbare Schleuse in Geesthacht haben sie irgendwie umgangen - auf der Suche nach neuen Revieren. In Hamburg fühlen sich die Biber offensichtlich ganz wohl. In diesem Sommer wurden die ersten Jungtiere gesichtet. Ein Zeichen dafür, dass die Nagetiere sich nicht so schnell wieder verabschieden wollen.

Wie ein Hamburger Biber im Wasser schwimmt

Diese Aufnahmen von einem schwimmenden Biber in Hamburg sind Mitarbeitern der Loki Schmidt Stiftung im Herbst 2011 gelungen.

Weitere Informationen
Ein Biber © NDR Fotograf: Cornelia Wermke, Demmin
 

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Der Bestand der Nagetiere ist auf 1.500 Tiere angewachsen. (Meldung vom 21.04.2012) mehr

Ausflug
Radfahrer im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe © NDR
 

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