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Entwurf des A-7-Deckels: Die Umweltbehörde will ein Negativ-Image vermeiden.
Die Hamburger Umweltbehörde fürchtet offenbar den Stuttgart-21-Effekt: Für knapp 15.000 Euro ließ sie die PR-Agentur fischerAppelt ein Kommunikationskonzept erstellen, um Kritikern des geplanten Deckels über die Autobahn 7 den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das berichtete NDR 90,3 am Montag. Das 39-seitige Papier sieht vor, Multiplikatoren wie Journalisten und Taxifahrer zu beeinflussen. So soll vermieden werden, dass das Projekt ein Negativ-Image wie die Elbphilharmonie bekommt.
Acht Jahre lang Bauarbeiten am Autobahndeckel zwischen Othmarschen und Schnelsen, Dauerstau und jede Menge Baulärm: Die PR-Strategen von fischerAppelt mahnen in dem Gutachten, die Verwaltung müsse die Sprengkraft des Projekts verinnerlichen. "Durch die negativen Erfahrungen mit der Elbphilharmonie ist der Vertrauensvorschuss der Hamburger Bürger in die öffentliche Hand aufgebraucht. Auch beim Autobahndeckel sind Kostensteigerungen bereits jetzt wahrscheinlich." Die Empfehlung: Verteuerungen möglichst zusammen mit positiven Nachrichten veröffentlichen.
Ein sogenanntes Kommunikationskonzept einer PR-Agentur zum geplanten A7-Deckel kursiert derzeit im Hamburger Senat. Der Inhalt jedoch löst Kopfschütteln aus - auf allen Seiten.
Die Anwohner beschreibt das Papier als "eine kritische Zielgruppe, die sich medial auch ideal als Opfer von staatlicher Willkür darstellen lässt". Wenige Kleingärtner reichten aus, um eine pauschale "Die da oben"-Ablehnung gegen die Umweltbehörde loszutreten. Die Agentur empfiehlt, Journalisten gezielt mit Informationen zu füttern, um "ihren Rechercheaufwand zu minimieren", aber auch Taxifahrer als "wertvolle Multiplikatoren" einzubinden. "Ziel sollte sein, die Kritik des ADAC an dem Projekt und dessen Begleitumständen (wie Dauerstau) zu verhindern oder so gut wie möglich abzumildern." Vom jahrelangen Lärm des Deckelbaus geplagten Anwohnern könne man per Postkartenaktion Ohrenstöpsel zuschicken.
Ein Sprecher der Umweltbehörde erklärte NDR 90,3, das Kommunikationskonzept sei eine normale Sache für Großvorhaben. Am Dienstag ergänzte er, die meisten Ideen der PR-Agentur würden nicht umgesetzt. Man habe den vor einem Monat ausgelaufenen Vertrag mit der Agentur nicht verlängert. Die Umweltbehörde wolle niemanden diskreditieren, sondern die Bürger frühzeitig und umfassend informieren. Kleingärtner Ralf Hendel von der Initiative "Apfelbaum braucht Wurzelraum" sagte, das geheime Konzept habe manipulativen Charakter und solle dafür sorgen, die Gegner des Autobahndeckels auszugrenzen.
Agenturchef Bernhard Fischer-Appelt zeigte sich am Dienstag im Gespräch mit NDR 90,3 nicht glücklich über das Konzept seiner Beratungsfirma. Er betonte aber: "Im Grundsatz empfehlen wir der Behörde, offen und nachhaltig zu kommunizieren und auch Kritik auszuhalten." Man habe keine Manipulation der Bürger vorgeschlagen. Offenheit sei für jedes Großprojekt der einzige Weg. Der Agenturchef kündigte an, das Papier von Externen überprüfen zu lassen. "Es kann sein, dass im Konzept die eine oder andere Formulierung unglücklich ist."
Im Zuge des vom Bund geplanten Ausbaus der A 7 auf zum Teil acht Spuren sollen insgesamt 3,5 Kilometer der Autobahn im Hamburger Westen aus Lärmschutzgründen unter Deckeln verschwinden. Voraussichtlicher Baubeginn ist Mitte 2012.