Verkehrsmeldungen aus Hamburg
Staus, Baustellen, Gefahrenhinweise - die aktuelle Verkehrslage mehr
Ab 1. September gilt das Alkoholverbot beim HVV, ab 1. Oktober wird bei Verstößen kassiert. 40 Euro werden dann fällig.
Ab sofort dürfen Fahrgäste in allen U- und S-Bahnen sowie Bussen des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) und an den Haltestellen weder Alkohol trinken noch geöffnete Flaschen bei sich tragen. Plakate an den Haltestellen, auf Bahnsteigen und in den Bussen weisen darauf hin: "Alkoholfreie Zone. Danke, dass Sie mitmachen!"
Obwohl das Verbot schon am Donnerstag in Kraft trat, muss die Strafe von 40 Euro bei Verstößen erst ab dem 1. Oktober gezahlt werden. Der HVV setzt auf eine einmonatige sogenannte Verwarnphase, in der die Fahrgäste zunächst in Gesprächen, mit Infokarten und Durchsagen aufgefordert werden, das Alkoholtrinken zu unterlassen. Eine Strafe muss dann noch nicht gezahlt werden. "Wir wollen den Fahrgästen die Möglichkeit geben, sich an das Alkoholverbot zu gewöhnen", sagte HVV-Sprecherin Gisela Becker.
Bei der Umsetzung des Verbots setzt der HVV auf Einsicht und Rücksichtnahme der Fahrgäste. Das Sicherheitspersonal soll zusätzlich geschult und verstärkt am Wochenende sowie an belebten Bahnhöfen wie der Reeperbahn oder dem Hauptbahnhof eingesetzt werden. Bei Kontrollen gehen die Sicherheitskräfte laut HVV "nach Augenschein und Gehör". Körperkontrollen oder Taschenkontrollen werde es nicht geben.
Von dem Alkoholverbot ausgenommen sind die Nord-Ostsee-Bahn, Nordbahn und DB Regio. Diese Linien überschreiten das HVV-Gebiet in Richtung Schleswig-Holstein, wo das Alkoholverbot nicht mehr gilt. Fest verschlossene Flaschen mit Wein, Bier und Schnaps dürfen Fahrgäste aber weiterhin dabei haben. Betrunkene dürfen die Busse und Bahnen nutzen - nur während der Fahrt dürfen sie nicht trinken.
Ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr wird schon seit langer Zeit diskutiert. Kritiker hatten stets moniert, dass das Verbot kaum durchzusetzen sei. Die niedersächsische Eisenbahngesellschaft metronom hatte bereits im Herbst 2009 den Alkoholkonsum in ihren Zügen untersagt. "Wir haben sehr positive Resonanzen. Die Strecken sind sauberer und es gibt weniger Ärger mit angetrunkenen Reisenden", sagte eine metronom-Sprecherin. Bei einer HVV-Umfrage im vergangenen Jahr hatten sich 86 Prozent der Fahrgäste für ein Alkoholkonsumverbot im Hamburger Nahverkehr ausgesprochen.
Längst nicht alle Hamburger freuen sich auf die trockenen Zeiten. Im sozialen Netzwerk Facebook ruft eine Gruppe im Internet zum "HVV-Abschiedstrinken" am 30. September auf - denn erst vom 1. Oktober an wird es ernst mit einer Geldbuße für Alkoholsünder. Mehr als 5.000 Menschen haben ihre Teilnahme bereits angekündigt. Laut HVV wird derzeit in Abstimmung mit der Polizei und der Innenbehörde an einem Konzept gearbeitet, wie mit der Party umgegangen werden soll.
Andere deutsche Städte schauen mit großem Interesse auf das Entzugsprogramm der Hansestadt. "Im Moment sträuben wir uns noch, was ein solches Alkoholverbot angeht. Die Frage ist immer, wie man das umsetzen kann", sagte Petra Reetz von der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG. "Sollte sich herausstellen, dass Hamburg mit diesem Konzept einen Königsweg gefunden hat, würden wir uns dem auch nicht versperren." Auch bei den hannoverschen Verkehrsbetrieben Üstra wird das Projekt genau beobachtet. Die Deutsche Bahn will sich das Alkoholverbot in Hamburg ebenfalls genau ansehen. Auf absehbare Zeit sei aber nicht daran gedacht, den Alkoholkonsum in allen Zügen und auf Bahnhöfen zu verbieten.
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte derweil bundesweit Alkoholverbote in Bussen und Bahnen. Das Verbot in Hamburg sei ein gutes Beispiel, das auch in anderen Städten Schule machen werde, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Gerd Landsberg, der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstagsausgabe). Drei von zehn Gewaltdelikten würden unter Alkoholeinfluss begangen - ein Alkoholverbot könne ein wichtiger Baustein sein, die Gewalt im öffentlichen Nahverkehr zu bekämpfen.
Ja
Nein
Alkoholverbot beim HVV
Das Ganze ist völlig sinnlos und nur ein weiterer Schritt in Richtung Bevormundungsstaat. mehr