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Ein Korb für die Mächtigen der Welt

von Jochen Lambernd

Alle in einen und einer für alle! Die Rede ist von einem riesigen Strandkorb, in dem in Heiligendamm alle Staatschefs der G8-Länder - und noch ein Herr von der EU - sitzen können. Gleichzeitig wohlgemerkt. Das Modell mit Überbreite - vielleicht ja namens "Alle neune" hat die Korb GmbH in Heringsdorf auf der Insel Usedom gefertigt. Wie Vertriebsleiter Jan Müller im Gespräch mit NDR Online sagte, hat der G8-Strandkorb eine Höhe von etwa 2,20 Meter. Er besteht aus drei Segmenten, die jeweils zwei Meter breit sind. Über Eck gestellt können sich die Staatschefs dann auch anschauen - nicht ganz unwichtig für gelingende Kommunikation. Der Gipfel-Korb soll trägt die vorpommerschen Farben blau-weiß. Außerdem zieren ihn die Flaggen der Länder. Mehr als zwei Kilometer Flechtband, ein Kubikmeter Holz und 35 Quadratmeter Stoff wurden für die Exklusivanfertigung verarbeitet, wie Firmenchef Mathias Fromholz berichtet.

Die Korb GmbH hat seit April an dem Unikat gearbeitet. Es soll vor dem Tagungshotel stehen. Was mit dem Strandkorb nach dem G8-Gipfel passiert, ist noch unklar. Darüber entscheidet nach Angaben von Vetriebsleiter Müller die Projektgruppe Marketing des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die den Auftrag zum Bau des Spezialkorbs erteilt hat. Eine Versteigerung sei dabei eine Möglichkeit.

"Zwölf Freunde sollt ihr sein"

Mit XXL-Strandkörben hat das Heringsdorfer Unternehmen übrigens Erfahrung: Für den Fußballverein Insel Usedom wurden zwei Körbe für jeweils zwölf Mann - also Mannschaft und Trainer - gefertigt. Die beiden Strandkörbe stehen bei Wind und Wetter auf dem Sportplatz Bansin. Diese sind anders als der Gipfel-Korb jedoch wie eine Mannschaftsbank in Reihe aufgestellt und etwa sechs Meter breit.

Schutz und Halt

So ein Strandkorb - seit 125 Jahren eine ziemlich deutsche Erscheinung - ist eine praktische Sache: Er schützt vor Sonne, Wind, Regen und Sandflug. Natürlich hat diese Tatsache nichts damit zu tun, dass der Klimawandel auf der Tagesordnung der Staats- und Regierungschefs steht. Symbolischer Natur könnte es hingegen sein, dass Strandkörbe in der Regel aus geflochtenem Material bestehen. Das ist bei richtiger Pflege langlebig und gibt Halt. Ziel des G8-Gipfels soll es ja sein, die Verflechtungen der Länder untereinander zu stärken. Zusammenhalt kann auch nicht schaden, während der Globalisierungsgedanke in der Welt durchaus kritisch gesehen wird.

Viele Urlauber ziehen um ihren Strandkorb häufig noch einen Graben oder schütten Wälle aus Sand auf. So abgeschirmt erhoffen sie sich eine entspannte Zeit am Meer. Für die Politiker muss es eine Nummer größer sein: ein zwölf Kilometer langer Zaun um Heiligendamm.

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