Alle Infos zum Hochwasser an der Elbe
Die Flutwelle der Elbe hat ihren Höhepunkt überschritten. Aber die Lage bleibt angespannt. mehr
Das Hochwasser belastet die Menschen im Norden. Nun folgt schon die nächste Bedrohung auf dem Fuße: Das stehende Wasser und steigende Temperaturen sind die idealen Brutbedingungen für Stechmücken.
Wo es viel Wasser gibt, gedeihen auch Stechmücken. Je höher die Temperatur, desto schneller schlüpfen sie.
"Wenn die sommerlichen Temperaturen bleiben, dann kann es in relativ kurzer Zeit zu einer Explosion der Stechmückenpopulation kommen", sagt Insektenexperte Andreas Krüger vom Fachbereich Tropenmedizin des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Hamburg. Und diese Mücken seien erfahrungsgemäß sehr aggressiv: "Das kann eine extreme Belastung sein".
Insbesondere die Auen entlang der Elbe wären dann besonders betroffen. Hier ist das natürliche Brutgebiet der Mückenart. Die Weibchen legen ihre Eier in den feuchten Senken der Auen ab. Werden sie bei einem Hochwasser überspült, schlüpfen die Larven, aus denen sich in einigen Tagen die Mücken entwickeln.
"Was jetzt noch helfen könnte, wären kühlere Temperaturen oder dass die hohe Fließgeschwindigkeit des Elb-Wassers viele Larveneier mitgerissen hat", sagt Krüger. Das müssten die nächsten Wochen zeigen.
Großangelegte Bekämpfungsmaßnahmen, wie in den Rheinauen, hält er für unwahrscheinlich. Dort wird die Mückenplage alljährlich vom Hubschrauber oder Boden aus mit einem Gift bekämpft. Das biologische Mittel tötet die Larven bereits im Wasser. "Dafür fehlen hier im Norden die Mitarbeiter und auch die Erfahrung für solche Einsätze", so Andreas Krüger.
Der Experte empfiehlt den Betroffenen deshalb, persönliche Schutzmaßnahmen zu treffen. Da die Stechmücke besonders tagaktiv ist, seien lange Ärmel und lange Hosen unerlässlich. Nur ein paar Stunden wirksam, aber dennoch sinnvoll sind Krüger zufolge auch Insektenabwehrmittel zum Auftragen auf die Haut.
Insbesondere Wildtiere und Vögel, die auf dem Boden brüten, sind von dem Hochwasser bedroht.
Auch sonst hat das Hochwasser massive Folgen für die Tierwelt: Tiere, die unterirdisch leben, wie Mäuse und Kaninchen, haben kaum eine Chance, den Wassermassen zu entfliehen. In einigen Gebieten sind Maulwürfe die natürliche Hochwasserwarnung für die Deichläufer. Wenn sie aus ihren Bauten kriechen, rückt das Wasser näher. Viele Jungtiere schaffen es nicht rechtzeitig.
Aber auch Nutztiere sind von dem Hochwasser bedroht. Zahlreiche Landwirte mussten ihre Weiden in den betroffenen Gebieten evakuieren und die Rinder, Schafe oder Pferde von den Weiden schaffen.
Viele Landwirte mussten ihre Weiden evakuieren. Für dieses durchnässte und entkräftete Schaf kam die Hilfe gerade rechtzeitig.
Selbst der Luftweg hilft nicht immer. Auch Vögel leiden derzeit beträchtlich. Für viele endet erst jetzt die Brutzeit. Und je tiefer die Nester liegen, desto eher werden ihre Jungen von den Fluten erfasst. "Betroffen sind vor allem Boden- und Wiesenbrüter wie Bekassine und Kiebitz oder Schilfbrüter wie Eisvogel und Wasseramsel", sagt Peer Cyriacks, Biologe bei der Deutschen Wildtierstiftung.
Aber trotzdem bedeuten die Verluste durch das Hochwasser keine Bedrohung der Arten: "Panik zu schüren, ist falsch - die Populationen halten das aus", sagt Artenforscher Cyriacks. Schließlich finden die überlebenden Tiere mehr Nahrung, weil ihre Konkurrenz dezimiert ist. Und im Kreislauf der Natur kommen die Stechmücken gerade recht: Die überfluteten Auen füllen den Speiseplan der Vögel.