Schlüsselübergabe am Lübecker Flughafen
Seit Mittwoch gehört der Flughafen Lübeck-Blankensee offiziell Mohamad Radyamar. (02.01.2013) mehr
Mecklenburg-Vorpommern hat in neun, Schleswig-Holstein in sechs Flugplätze investiert - über 177 Millionen Euro.
37 Millionen Euro hat das Land Schleswig-Holstein in den Traum vom Fliegen investiert. Mecklenburg-Vorpommern mehr als 140 Millionen - für die "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur". 63 Millionen Euro flossen nach Rostock, 40 Millionen in den privatisierten Flughafen Parchim, 12 Millionen nach Neubrandenburg und 2 Millionen in den Flugplatz Anklam. Der Landesrechnungshof beurteilt die Investitionen als "meist weit über den Bedarf hinaus". In Heringsdorf kann mittlerweile ein Airbus A 321 mit über 200 Sitzplätzen landen. In Rostock könnten 375.000 Passagiere im Jahr abgefertigt werden. 2011 waren es gerade mal 220.000. Und Stralsund-Barth eröffnete im vergangenen Jahr ein neues Terminal und eine längere Landebahn. 2,7 Millionen gab das Land dafür aus.
Experte Behnen kritisiert diese Ausgaben. Er rät - wie der Landesrechnungshof - sich auf Rostock zu konzentrieren. "An den anderen Flughäfen sollte man von weiteren Investitionen absehen und versuchen, sie auf einem möglichst geringen Level am Leben zu erhalten." Beispiel Stralsund: Hier kämen so wenig Touristen an, dass man sich keinerlei Hoffnungen machen dürfe, jemals die Investition wieder herein zu bekommen, sagt Behnen. 2008 verdiente der Flughafen Stralsund mehr Geld damit, eine Weide für Schafe zu vermieten als durch den Flugbetrieb. Trotzdem halten die Gesellschafter - die Stadt Barth, Stadt Stralsund und der Landkreis Vorpommern-Rügen - an ihm fest. Bislang landet hier kein einziger Linien- oder Charterflieger, doch das soll sich ändern. Es würden zurzeit Gespräche mit der Hotellerie und Fluglinien geführt, teilt der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, Paul Wojtasik, auf Anfrage des NDR mit. Auf 60.000 Passagiere hofft er mittelfristig. Im vergangenen Jahr waren es 20.000.
Dank der Millioneninvestitionen könnte in Heringsdorf ein Airbus A 321 mit über 200 Sitzplätzen landen.
Aber auch die unmittelbare Konkurrenz scheut keine Kosten - etwa in Heringsdorf auf Usedom. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald unterstützt den dortigen Flughafen mit einer halben Million Euro pro Jahr. Der Erfolg: einige Direktverbindungen unter anderem nach Stuttgart. Im Sommer landet ein Flieger pro Woche aus Baden-Württemberg auf Usedom. 369 Euro kostet der Flug - unterstützt vom Steuerzahler. Dabei macht der Landkreis Vorpommern-Greifswald in diesem Jahr laut eigenem Wirtschaftsplan 38 Millionen Euro Verlust. "Dem Landkreis steht das Wasser bis zum Hals und er bezuschusst, dass reiche Süddeutsche es sich gut gehen lassen können", meint Kreisratsmitglied Michael Harcks (Die Linke). Die regionale Wirtschaft profitiere nicht.
"Für die kommunalen Träger der Betreibergesellschaften stehen Aufwand und Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander, dennoch halten sie ungeachtet der durchweg angespannten Haushaltslage an ihren Flughäfen fest", urteilt der Landesrechnungshof. Sämtliche Flughäfen im Nordosten würden defizitär arbeiten. Das gilt auch für andere Regionen Norddeutschlands. In ein Dutzend norddeutsche Flughäfen wurden Millionen investiert. Doch die großen Linienflieger kamen nicht, und die Städte machten und machen sich gegenseitig Konkurrenz.
Dass es auch anders und kleiner geht, zeigt der Flugplatz in Güttin auf Rügen. Auch er hat einen Zuschuss in Höhe von 4,7 Millionen Euro vom Land bekommen, verzeichnet nun aber regelmäßig Gewinne - im vergangenen Jahr waren es 81.000 Euro. Geschäftsführer Gerhard Kleinert sitzt selbst im Tower, leitet die Flugzeuge auf Sicht, ohne viel Technik. Das spart Geld. Außerdem vermietet er Autos und verkauft Benzin.
2008 protestierten Anwohner gegen den Ausbau des Flughafens in Kassel-Calden.
Ein Blick nach Hessen zeigt jedoch, dass meist immer noch regionale Interessen vor dem Allgemeinwohl stehen. Hessen und Niedersachsen stritten vor Jahren erbittert darum, wie sinnvoll ein Flughafenneubau in Kassel-Calden sei. Am 4. April wird der 271 Millionen Euro teure Flughafen eröffnen. "Dort können sie nur Verkehr generieren, wenn sie ihn aus Hannover, Paderborn oder Erfurt abziehen. Aber das ist ihnen egal", urteilt Behnen. Ein bundesweiter Luftverkehrsplan könnte solche Kannibalisierungen ausschließen. Doch den gibt es bis heute nicht.
"Man muss versuchen angemessen zu beurteilen, wo die Schmerzgrenze ist, was dauerhafte Zuschüsse in die Infrastruktur betrifft", fasst Experte Behnen zusammen. Mit den Finanzspritzen könnte es jedoch bald vorbei sein. Die Europäische Union überarbeitet zur Zeit die Beihilfe-Richtlinien für Regionalflughäfen. Dann könnte es passieren, dass kein dauerhaft defizitärer Flughafen mehr öffentliche Gelder bekommen darf.
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