Was macht eigentlich ein Punzer? Wer Unikate aus Leder in Auftrag geben möchte, kommt fast zwangsweise in die Hinterhof-Werkstatt von Mario Marquardt. Er ist einer der Letzten, die sich auf das Prägen von Lederkunst verstehen. Als guter Punzer hat man exquisite Kunden: Schon der Scheich von Bahrein und der thailändische König bestellten in Hamburg-Hamm.
Sie lebt vom Regen und liebt das Schietwetter: Carola Vertein ist eine der letzten Schirmmacherinnen im Norden. Die Hamburgerin kämpft mit Handwerkskunst und Maßarbeit gegen den Trend zur Billigware, die in Drogerien angeboten wird.
Oldenburg, 11 Grad, die Frisur sitzt. Hier geht es allerdings nicht um ein menschliches Model, sondern um eine Schwarz-Bunte, die von einem Profi für die Rinderschau auf Höchstpreise gestylt werden soll. Die sogenannten Kuhfitter arbeiten mit Haarspray, Fön und Bürste. Könner werden für Kuhmessen sogar international gebucht.
Arbeitsplatz in bis zu 35 Metern Höhe: Rüdiger Koberstein ist Zapfenpflücker und schwärmt von seinem Beruf. "Wenn man sich an die Höhe gewöhnt hat, gibt es kaum etwas Schöneres." Im niedersächsischen Rosengarten erntet er Zapfen in den Wipfeln von Douglasien. Daraus werden die kostbaren Samen gesammelt und schließlich neu ausgesät.
Kohle machen mit der Kohle ist heutzutage schwer. Deshalb droht der Beruf des Köhlers in Norddeutschland auszusterben. Nur drei- bis viermal im Jahr wird zum Beispiel im Köhlerhof Wiethagen bei Rostock der spezielle Ofen angezündet, in dem Holz zu Holzkohle gebrannt wird. Die Prozedur dauert wochenlang.
In den Seen norddeutscher Golfplätze liegen verlorene Schätze, die ein Mann aus Lentföhrden in Schleswig-Holstein hauptberuflich hebt: Sven Kruse ist Golfballtaucher. Mit Neoprenanzug und Sauerstoffflasche sammelt er in Handarbeit Tausende Golfbälle pro Saison. Anschließend säubert er sie und verkauft die "Teichperlen" im Internetshop für bis zu 1,60 Euro pro Stück.
Björn Marten Phillips hat den einsamsten Job Norddeutschlands: Sieben Monate verbringt er allein auf der Nordseeinsel Trischen als Vogelwart. Ornithologen aus ganz Deutschland bewerben sich auf den Posten. Zu seinen Aufgaben gehören das Zählen der Zugvögel, das Kartieren des Watts - und das Beantworten von Flaschenpost
Wer in Norddeutschland Tierpräparator wird, bekommt es unter Umständen mit wahren Riesen zu tun: Um das Skelett eines angespülten Pottwals für eine Ausstellung zu konservieren, sind viele Wochen Arbeit und eine Halle nötig. Voraussetzung für den Knochenjob sind anatomisches Wissen, ein enormes handwerkliches Geschick - und eine unempfindliche Nase.
Rollkoffer sind seine natürlichen Feinde: Rufus Handschuh ist freier Gepäckträger auf Juist. Früher gab es zwei Dutzend Männer, die dem Beruf auf der Nordseeinsel nachgingen. Jetzt ist er der letzte Offizielle, der sich um das Gepäck der mit der Fähre anreisenden Urlauber kümmert - und ein echtes Original.
Fast jeden Tag ein blaues Wunder erlebt Georg Starck aus dem friesischen Jever. Er betreibt den fast ausgestorbenen Beruf des Blaudruckers. Dabei werden im Handdruck Muster auf Stoffe gebracht, die dann mit einer speziellen Methode mit Indigoblau ausgefärbt werden. Es entstehen besonders edle und langlebige Tischwäsche und Tücher.
Schätzungsweise ein Dutzend Handwerker verdient in Deutschland am gemütlichen Laster: Einer von ihnen ist der Pfeifenmacher Thomas Wilbert aus Oldenburg in Schleswig-Holstein. Drei bis fünf Pfeifen fertigt er pro Woche aus edlem Bruyère-Holz - Stückpreis 140 bis 250 Euro. Kann man davon leben? "Nicht ohne weiteres Standbein", sagt der 55-Jährige.
Robert De Niro, Angelina Jolie, Julia Roberts: Jan-Lüppen Brunzema hat schon fast alle Hollywood-Stars geflogen - zumindest auf Filmrollen. Der Inselpilot beliefert die Kinos der nordfriesischen Inseln mit aktuellen Blockbustern. Darüber hinaus fliegt er eilige Touristen, Kranke und auch Naturforscher für Sichtflüge über die Nordsee.
Weil in einem
laufenden Prozess nicht fotografiert oder gefilmt werden darf, ist sie oft das Auge der Öffentlichkeit: Nancy Tilitz aus Hamburg ist Gerichtszeichnerin. Ist der Angeklagte verzweifelt oder desinteressiert? Mit schnellen Kreidestrichen hält sie im Auftrag von Medien das Geschehen auf Papier fest - und darf durchaus subjektive Eindrücke einfließen lassen.
Michael Frick bezeichnet seinen Beruf Zupfinstrumentenmacher als den eines Physikers: Den Braunschweiger beschäftigen Holzdichte, Feuchtigkeit und Klangeigenschaften. Am liebsten baut er Kontrabässe: Bis zu sechs Monate sitzt er an einem. Wer sich den Beruf beschaulich vorstellt, irrt: Oft wird er abends zu Konzert-Notfällen gerufen. Meistens heißt die Diagnose Hals- oder Stegbruch.
Bis in die 90er-Jahre gab es im Kampf gegen Blattläuse praktisch nur chemische Gifte. Dank Männern wie Insektenzüchter Helmut Haardt geht es auch anders: Er zieht für seine Firma in Ruhwinkel (Schleswig-Holstein) Zehntausende Schlupfwespen pro Woche heran, die er an Gärtnereien verkauft. "Sorgfalt reicht nicht, man muss Faszination mitbringen."
In den Alpen ein normaler Beruf, in Norddeutschland ein Exot: Stefan Moldenhauer arbeitet das ganze Jahr über als Skilehrer am "Heidegletscher". Bei minus vier Grad bringt der gelernte Bankkaufmann den Gästen des "Snow Domes" im niedersächsischen Bispingen auch im Sommer das sichere Fahren auf der Piste bei.