Jetzt beginnt das große Aufräumen
Die Bewohner der Lauenburger Altstadt durften am Sonnabend zurück in ihre Häuser.
Die Lage in den Hochwassergebieten entlang der Elbe hat sich am Sonnabend weiter entspannt. Die Pegelstände sinken, Einwohner kehren zurück in evakuierte Gebiete und machen sich daran, ihre Häuser und Grundstücke von Dreck und aufgeweichten Möbeln zu befreien. Offizielle Entwarnung gibt es jedoch noch nicht - in den Elbregionen herrscht bis mindestens Anfang kommender Woche weiter Katastrophenalarm.
Keine strukturellen Gebäudeschäden in Lauenburg festgestellt
Auch in Schleswig-Holstein geht das Hochwasser zurück. Die etwa 300 Bewohner der überfluteten Lauenburger Altstadt dürfen seit Samstagmorgen zurückkehren. In der Nacht war das Wasser abgepumpt worden, um 8 Uhr durften die ersten Bewohner die Gebäude wieder betreten - zusammen mit Statikern. Diese überprüften die Häuser. In viele Wohnungen ist dreckiges Elbwasser eingedrungen, die Feuerwehr pumpt es bis auf einen Zentimeter Höhe ab. Andere Bleiben sind trocken geblieben. Am Sonntag soll der Strom wieder angeschaltet werden.
Bereits am Freitag hatten Experten ungefähr die Hälfte der rund 170 betroffenen Gebäude auf Einsturzgefahr hin untersucht. Größere Gebäudeschäden, die die Statik beeinträchtigt hätten, seien nicht gefunden worden, sagte Tom Reher vom Krisenstab in Lauenburg. Die wegen der Flut gesperrte Elbbrücke bei Lauenburg wurde unterdessen am Sonnabend für den Verkehr wieder geöffnet. Am Sonntag soll es in der Lauenburger Maria-Magdalenen-Kirche einen Gottesdienst für die Bewohner der Altstadt geben.
Flutbilder: Der Kampf gegen das Hochwasser
Stand: 15.06.2013 15:49 Uhr
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Normalerweise stehen sie mit einigem Abstand an der Elbe, seit Anfang der Woche befinden sie sich mitten in den Wassermassen: Die Häuser an der Elbpromenade in Lauenburg werden auch am Sonnabend noch von dem Fluss umspült.
Doch der Pegelstand in der schleswig-holsteinischen Stadt sinkt weiter und liegt jetzt um die Neun-Meter-Marke. Der Hochwasser-Scheitel war am Mittwoch mit gut 9,60 Metern gemessen worden.
Jürgen Mahnecke blickt von seinem Balkon auf den ansonsten mehrere Meter tiefer gelegenen Fluss, der nun fast bis an die Brüstung heranreicht. Der Anwohner hatte vor fast einer Woche sein Zuhause verlassen müssen.
Am Sonnabendmorgen wird die Evakuierung aufgehoben und die Lauenburger machen sich auf den Weg zurück zu ihren Häusern.
Notfallseelsorger stehen bereit, falls die Anwohner seelischen Beistand benötigen. Durch die Flut können einige Häuser an ihren Fundamenten stark beschädigt sein. Bausachverständige nehmen die Gebäude unter die Lupe, um eine Gefahr für die Bewohner auszuschließen.
Seit Donnerstag sinkt der Pegelstand kontinuierlich. In immer mehr Gebieten der Stadt können die Gummihosen zum Trocknen aufgehangen werden. Den Helfern bleibt so auch einmal Zeit zum Durchatmen.
Doch es bleibt noch viel zu tun: Hochleistungspumpen befördern das Wasser seit Freitag zurück in die Elbe. Nachdem die Einsatzkräfte zuvor mehrere Tage lang nichts gegen die Rekord-Fluten ausrichten konnten, legen sie so nun die Altstadt trocken.
Die Altstadt von Hitzacker ist dank einer Flutschutzmauer gar nicht erst überflutet worden und in der vergangenen Woche eine trockene Insel inmitten des zum See ausgewachsenen Flusses geblieben. Am Sonnabend steht die Elbe aber immer noch bis zur mobilen Spundwand. Sinkt der Wasserstand noch einige Zentimeter weiter, wird die Altstadt wieder für alle freigegeben.
Bislang dürfen nur Bewohner auf die Altstadt-Insel, seit der Pegelstand am Freitagmorgen auf den entscheidenden Wert von 7,76 Metern zurückgegangen war. Der Krisenstab hatte die evakuierte Altstadt daraufhin wieder freigegeben. Die ersten Bewohner kehren seither zum großen Aufräumen in ihre Stadt zurück.
Die Schutzmaßnahmen werden nun zurückgebaut: Die Sandsäcke, die die Hitzackeraner vor der Evakuierung vor ihren Häusern gestapelt haben, müssen jetzt wieder weggeräumt werden. Barbara und Hartmut Bublitz entfernen sogar Betonreste von ihrem Haus. Sie hatten die Kellerfenster vor der Evakuierung zugemauert.
Auch Postbote Michael Heyn hat alle Hände voll zu tun. Wegen der Evakuierung war in den vergangenen Tagen viel Post aus Hitzacker in Dannenberg liegen geblieben. Die Geschäftsleute in der Altstadt hoffen auf eine baldige Rückkehr der Touristen, nachdem sie eine Woche lang ein kräftiges Umsatzminus verkraften mussten.
Auch in der mecklenburgischen Hochwasser-Region hat die Flut alle bisherigen Rekorde übertroffen. Erst als das Wasser am Freitag langsam zurückgeht, werden die Pegelstände aus den Jahren 2006 und 2011 wieder sichtbar.
Peter Dreßler schaut in seinem Restaurant "Alte Fischerkate" in Mödlich nahe Dömitz nach dem Rechten. Der Strom geht noch, aber der Kellerbereich steht unter Wasser.
Die Betroffenen in Dömitz bedanken sich bei allen Helfern mit diesem Transparent, das am immer noch überfluteten Hafen angebracht ist.
In der Nacht auf Freitag hatte den Helfern noch aufziehender Regen über dem Wendland Sorgen bereitet. Die aufgeweichten Deiche müssen der zusätzlichen Feuchtigkeit standhalten. Der Katastrophenalarm bleibt vielerorts trotz sinkender Pegelstände vermutlich bis Anfang kommender Woche bestehen ...
... auch wenn die ersten Helfer wie hier die Wasserwacht aus Hannover die Flutgebiete langsam wieder verlassen. Der Landkreis Lüneburg hat bereits rund 1.500 von 4.000 Katastrophenhelfern wieder in die Heimat geschickt.
In den Überschwemmungsgebieten bleibt die Hauptaufgabe, ein Auge auf die durchgeweichten Deiche zu haben. Darum bleiben auch die Deichläufer (oder -radler) weiter im Einsatz. Sie drehen ihre Runden entlang der Dämme, immer auf der Suche nach undichten Stellen.
Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) besucht am Donnerstag die Helfer der Bundeswehr in Niedersachsen. De Maizière spricht vom bislang größten Katastropheneinsatz. "Wenn es darauf ankommt, hält dieses Land zusammen", lobt er.
Auch die Kanzlerin würdigt das Engagement der Helfer. Sie besucht am Mittwoch Hitzacker und Lauenburg, um vor Ort einen Eindruck von der Lage im Hochwassergebiet zu gewinnen.
In Bleckede bauen die Helfer derweil erste Deichanlagen zurück, nachdem der Hochwasser-Scheitel vorübergezogen ist.
Der lange Einsatz zehrt an den Kräften. Die Feuerwehren des Landkreises Northeim unterstützten die Helfer in der Krisenregion - bis zur Erschöpfung.
Auch Wildtiere versuchen sich vor dem Hochwasser in Sicherheit zu bringen. Diesem Rehbock gelingt es mithilfe der Feuerwehr in Neu Bleckede.
So sah es zum Höhepunkt der Flut Mitte der Woche aus: Das ganze Ausmaß wurde wie hier in Lauenburg erst aus der Luft richtig sichtbar.
Halten die Deiche? Aus der Luft kontrollieren die Einsatzkräfte der Bundeswehr in den gefährdeten Regionen rund um die Uhr den Zustand der Dämme.
Einsamer Posten: Ein ehemaliger Wachturm der DDR-Grenztruppen ragt aus dem Hochwasser der Elbe bei Boizenburg.
Einsamer Posten: Ein ehemaliger Wachturm der DDR-Grenztruppen ragt aus dem Hochwasser der Elbe bei Boizenburg.
Hitzacker: Rückkehr auf Altstadtinsel
Die 220 Bewohner von Hitzackers Altstadtinsel durften zurück in ihre Häuser.
Auch für die Elbanlieger in Niedersachsen entspannt sich die Lage weiter. In Hitzacker (Landkreis Lüchow-Dannenberg) und Neu Darchau (Landkreis Lüneburg) halten die Deiche. Die Pegelstände sinken, wenn auch nur langsam. "Hauptaufgabe ist es jetzt, die Deiche weiter zu beobachten und ihre Standfestigkeit zu überprüfen", berichtete die Kreisverwaltung Lüchow-Dannenberg.
Die Bewohner der Altstadtinsel von Hitzacker waren bereits am Freitag in ihre Häuser und Wohnungen zurückgekehrt. Der Landkreis hatte die Evakuierung aufgehoben, nachdem der Pegelstand unter die Marke von 7,76 Meter gefallen war. Am Samstagabend wurde die Marke von 7,46 Meter unterschritten, ab der laut Ankündigung auch Nicht-Anwohner die Stadt wieder betreten dürfen.
Der Katastrophenalarm wird wohl bis Anfang nächster Woche bestehen bleiben. An vielen Pegeln seien die Wasserstände noch ähnlich hoch wie bei den Hochwassern 2002 und 2011, erklärte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Die Gefahr von Dammbrüchen sei deshalb immer noch sehr hoch.
Lauenburg in Not! - Jahrhundertflut an der Elbe
Die Reportage - 14.06.2013 21:15 Uhr
Die Flutwelle der Elbe bedroht auch im Norden Existenzen. Die Reportage begleitet Betroffene und Helfer im schleswig-holsteinischen Lauenburg.
Sinkende Pegelstände in Dömitz und Boizenburg
In Mecklenburg-Vorpommern sinkt das Wasser ebenfalls. Die Deiche in Dömitz und Boizenburg haben bisher gehalten. Die Situation sei allerdings nach wie vor angespannt, sagte der Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Andreas Bonin. Die durch den anhaltenden Wasserdruck aufgeweichten Deiche an der Elbe und den Eldezuflüssen seien sehr anfällig und würden intensiv rund um die Uhr kontrolliert. Durch den lange anhalten hohen Wasserstand und Regenfälle sind die Deiche stark durchnässt. Es gebe Sickerstellen, wo Wasser durch den Deich drücke. Diese würden mit Folie und Sandsäcken abgedichtet.
Der Katastrophenalarm soll deshalb auch dort erst nächste Woche aufgehoben werden. Voraussichtlich am Dienstag werden wohl die Schulen wieder öffnen und die Schulbusse normal verkehren. Ein vor der Flut geräumtes Altersheim in Dömitz konnte unterdessen wieder in Betrieb genommen werden.
Hamburger Hafenverwaltung befürchtet Giftfracht
Die Deiche in Hamburg sind nach Einschätzung der Umweltbehörde vollkommen ausreichend. Hamburgs Hafenbehörde HPA befürchtet jedoch eine Giftfracht durch die Elbeflut. Mitgeschwemmte Industrie-Abfälle und ausgelaufenes Heizöl könnten den Hafenschlick belasten.
Vorsicht vor Keimen im Hochwasser
Sorgen machen den Helfern zudem Gefahren durch Keime: Der Landkreis Lüneburg warnt vor Viren im Hochwasser, die aus überfluteten Klärgruben ins Wasser gespült worden sind. Es bestehe die Gefahr, sich mit Hepatitis A anzustecken.
Benefizkonzert auf der Reeperbahn
Unter dem Motto "Elballianz" soll es auf Initiative von Liedermacher Rolf Zuckowski und Theaterchef Corny Littmann am Sonntag, 23. Juni, ein Benefizkonzert für die Flutopfer auf der Hamburger Reeperbahn geben. Wie die Veranstalter am Freitag mitteilten, haben bereits zahlreiche Künstler zugesagt - beispielsweise Stefan Gwildis, Karl Dall, Mary Roos, Sasha, Gunter Gabriel, Annett Louisan, Johannes Oerding, Bill Ramsey und Andrea Sawatzki. Außerdem werde das Ensemble des Schmidt Theaters auf dem Spielbudenplatz auftreten.
Acht Milliarden Euro Hilfe
Um die Flutschäden zu bewältigen, hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der 16 Bundesländer am Donnerstag auf ein umfangreiches Hilfsprogramm für die Flutopfer verständigt. Der Fonds soll bis zu acht Milliarden Euro umfassen. Die genaue Höhe sei noch offen, weil das Ausmaß der Schäden noch nicht klar sei, sagte Merkel. Allein die Bahn rechnet mit Reparaturkosten in dreistelliger Millionenhöhe.
Weitere Informationen
Wie hat sich das Hochwasser die Elbe hinab bewegt? Wo und wann wurde welcher Höchststand erreicht? Unsere Animation zeigt die Pegel-Daten aller Messstationen der letzten 14 Tage an. mehr
Nun beginnd die Schwachstellenenanalyse in der Elbregion. Neben den ausreichend hohen Deichen, muß dem Wasser auf jedem Fall mehr Raum zum Ausweichen gegeben werden. Hierzu sollte geguckt werden, ob... [mehr]
Nach der Flut ist vor der Flut
Da man davon ausgehen kann, dass auch andere Landräte , ähnlich wie der Landrat des Herzogtums Lauenburg, Rückhalteflächen in ihren Landkreise auch zukünftig ablehnen (siehe Interview 'DAS'), war es... [mehr]
nicht verarmt
Wir sind durchaus nicht alle ohne Arbeit, ohne Essen und ohne Geld für Arztrechnungen, es ist wie mit den deutschen Rentnern: Die besitzen auch ein unfassbares Vermögen, aber natürlich wird - zu Recht... [mehr]
Fiese rechte Parolen
Echt schlimm, dass die Hochwasserkatastrophe von den Rechten instrumentalisiert wird. Gibt's keine Deiche, die uns vor ausländerfeindlichen Parolen schützen? Was soll dieses peinliche Aufrechnen?... [mehr]
An Krabbe und Andreas
Ich habe im Internet recherchiert und absolut nichts gefunden, was auf Auslands-spenden für deutsche Flutopfer hinweist! Obwohl wir Deutschen zu den Nationen zählen die am meisten spenden, ist es... [mehr]