Die EHEC-Epidemie und ihre Folgen
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Mehr als 4.000 Menschen in Deutschalnd infizierten sich mit dem EHEC-Keim.
Anfang Mai wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin die ersten schweren Darminfektionenen gemeldet. Zunächst schien dies nicht ungewöhnlich, denn im Durchschnitt infizieren sich pro Jahr 1.000 Menschen mit dem EHEC-Keim. Aber die Zahl der Fälle häufte sich besorgniserregend schnell - vor allem in Norddeutschland.
Anfang Mai 2011: Dem RKI in Berlin werden gehäuft blutige Durchfallerkrankungen gemeldet. Bald steht fest: Der Auslöser ist EHEC. Ungewöhnlich viele Patienten erleiden eine schwere Komplikation, das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS).
Mitte Mai: Die EHEC- und HUS-Fallzahlen steigen dramatisch an. Vor allem in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen werden immer mehr Infektionen gemeldet. Untypisch ist, dass viele junge Frauen erkranken. Bisher traf EHEC eher kleine Kinder.
25. Mai: Das RKI und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnen nach Patientenstudien in Hamburg vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Gurken und Blattsalaten - vor allem im Norden Deutschlands.
26. Mai: Spanische Salatgurken sind nach Untersuchungen des Hamburger Hygiene-Instituts mit EHEC-Erregern belastet. Später stellt sich heraus, dass es sich dabei nicht um den aktuell grassierenden Erregertyp handelt. Forscher aus Münster identifizieren schließlich den aggressiven Keim, der die Krankheitswelle ausgelöst hat.
2. Juni: Experten entziffern das Erbgut dieses Erregers. Es handelt sich um eine Gen-Kombination von zwei Bakterienstämmen.
5. Juni: Das niedersächsische Gesundheitsministerium teilt mit, dass der gefährliche Erreger womöglich über Sprossen aus einem Betrieb im Kreis Uelzen verbreitet wurde. Die Verzehrwarnung wird auf Sprossen ausgeweitet.
10. Juni: Der Nachweis ist erbracht: Erstmals werden an Sprossen aus dem Biohof in Bienenbüttel die aggressiven Bakterien entdeckt. Die Behörden heben die Warnung vor Gurken, Tomaten und Salat auf.
11. Juni: Der EHEC-Erreger an den Sprossen des Biohofs ist exakt vom selben Typ O104:H4 wie die Bakterien, an denen so viele Menschen starben. Das bestätigt die epidemologische Untersuchung. Unklar ist nach wie vor, wie der Erreger auf das Gemüse kam.
12. Juni: BfR und RKI raten auch vom Verzehr selbstgezogener Sprossen ab. Grund: Der Erreger könnte sich im Saatgut befinden.
5. Juli: Die EU verhängt ein Einfuhrverbot für Bockshornklee-Samen aus Ägypten. Dort seien "mit hoher Wahrscheinlichkeit" die gefährlichen Erreger auf das Saatgut gelangt.
18. Oktober: Ägyptische Bockshornklee-Samen dürfen weiter nicht in die Europäische Union importiert werden. Die EU-Kommission verlängert das ursprünglich bis Ende Oktober geltende Einfuhrverbot bis Ende März 2012.
29. November: Das Bundesinstitut für Risikobewertung teilt zum Abschluss seiner Untersuchungen mit: "Aus Ägypten importierte Bockshornklee-Samen sind als Ursache des EHEC-Ausbruchs bestätigt." Das Institut fordert Unternehmen auf, bei der Sprossenherstellung streng auf Hygiene zu achten.
22. Dezember: Der spanische Gemüsehändler Frunet verklagt die Stadt Hamburg wegen ihrer Warnung vor spanischen Gurken vom Frühjahr auf Schadenersatz. Frunet will angeblich 2,3 Millionen Euro.