AKTUELLES AUS DER REGION
 

Wissenswertes: Die Elbphilharmonie von A bis Z

Von Maren Ahring und Dagmar Penzlin

Die beiden Schweizer Architekten Jacques Herzog (l) und Pierre de Meuron in Hamburg vor dem Kaispeicher A, auf dem einmal die Elbphilharmonie stehen soll. © dpa Fotograf: Patrick Lux Detailansicht des Bildes Neues Großprojekt: Jacques Herzog und Pierre de Meuron vor der künftigen Elbphilharmonie. A wie Architekten: Die Schweizer Jacques Herzog und Pierre de Meuron zählen zu den renommiertesten Architekten weltweit. 2003 legten sie einen ersten Entwurf für die Elbphilharmonie vor, der stetig weiterentwickelt wurde. Herausragende Bauten von Herzog & de Meuron sind die Kunsthalle Tate Modern in London, die Allianz Arena in München und das Olympia-Stadion "Vogelnest" in Peking.

B wie Bauherr: Die Elbphilharmonie wird gemeinsam von städtischer und privater Seite finanziert. Wegen des Streits um die Mehrkosten und Verzögerungen beim Bau des Konzerthauses musste der bisherige Chef der Realisierungsgesellschaft Hartmut Wegener auf Drängen von Bürgermeister Ole von Beust (CDU) seinen Posten aufgeben.

C wie Chronik: Die wichtigsten Etappen auf dem Weg zur Elbphilharmonie.

D wie Dachterrasse: Im Osten der Elbphilharmonie wird es eine Dachterrasse geben. Sie ist vom Konzertfoyer aus zu erreichen und soll einen weiten Blick über Hafen und Stadt bieten.

Ein Ausflugsschiff fährt im Hamburger Hafen am Kaispeicher A vorbei. © Picture-Alliance Fotograf: Christian Ohde Detailansicht des Bildes Der Kaispeicher A ist an drei Seiten von Wasser umgeben. E wie Elbe: Sie umgibt die künftige Elbphilharmonie von drei Seiten. Das Konzerthaus entsteht an einem geschichtsträchtigen Ort, nämlich dort, wo einmal das Herz des ursprünglichen Hamburger Hafens schlug. Der historische Sockel des Baus, der Kaispeicher A, war der einzige Speicher, der von Seeschiffen direkt angefahren werden konnte.

F wie Festival: Generalintendant Christoph Lieben-Seutter plant für die Elbphilharmonie ein jährliches Internationales Musikfest. Über das Programm ist noch nichts bekannt.

G wie Glasfassade: Die Glasfassade verleiht der Elbphilharmonie ihr imposantes Aussehen: Ein blitzender Glaskörper, der über einem Steinsockel zu schweben scheint - dieser Anblick ist weltweit einmalig. Seit dem Jahreswechsel 2009/2010 bekommt das Haus seine gläserne Außenhaut. Schon wenige Monate später kann jeder Spaziergänger am Rande der Baustelle sehen, dass bereits mehrere Stockwerke der Elbphilharmonie von Glas bedeckt sind. Wenn alles fertig ist, prangen 2.200 Glasscheiben am Gebäude, davon 595 gebogen und 1.605 plan. Jede Scheibe ist einen halben Zentimeter dick und soll laut Tests Windböen von 150 Kilometern pro Stunde standhalten.

H wie Hengelbrock, Thomas: Thomas Hengelbrock wird wahrscheinlich das offizielle Eröffnungskonzert im Großen Konzertsaal der Elbphilharmonie dirigieren. Denn Hengelbrock wird ab September 2011 Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters, das Residenzorchester der Elbphilharmonie wird. Ursprünglich hatte sich Hengelbrocks Vorgänger Christoph von Dohnanyi darauf gefreut, den Großen Konzertsaal einweihen zu können. Rund 35 Konzerte pro Saison wird das NDR Sinfonieorchester in der Elbphilharmonie spielen. Der Norddeutsche Rundfunk ist seit Dezember 2005 Partner der Elbphilharmonie.

I wie Innenausstattung: Herzstück der Elbphilharmonie ist der große Konzertsaal. Der Entwurf der Architekten Herzog & de Meuron folgt der Idee des Weinberg-Modells: Orchester und Dirigent befinden sich mitten im Saal, alle Besucher haben eine gute Sicht. Der große Konzertsaal bietet Platz für rund 2.150 Menschen. Ein zweiter Saal in traditioneller Schuhbox-Form mit flexibler Bestuhlung fasst rund 550 Plätze. Hinzu kommt ein dritter multifunktionaler Saal mit 100 Plätzen innerhalb der Kaispeichermauern.

J wie Journalisten: Der Bau der Elbphilharmonie stößt weltweit auf das Interesse der Medien. Nachdem Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust und der damalige NDR Intendant Jobst Plog das Elbphilharmonie-Projekt im Rahmen einer Konzertreise des NDR Sinfonieorchesters in New York vorgestellt hatten, schrieb die "New York Times": "This project puts Hamburg on the map!" Sinngemäß übersetzt: "Dieses Projekt macht Hamburg bekannt!"

K wie Konzertsaal: Der "Große Konzertsaal" der Elbphilharmonie mit seinen rund 2.150 Plätzen soll ein ganz besonderer Konzertsaal werden: 362 Stahlfedern verbinden eine Innen- und eine Außenschale des Saales miteinander und federn Schwingungen von Tönen ab - ganz gleich, ob die Töne von außen kommen oder von innen. Vorbilder gibt es keine, der Große Konzertsaal der Elbphilharmonie ist weltweit einmalig und deshalb nicht einfach zu bauen. Das gibt auch Heribert Leutner zu, der Chef des Projekts Elbphilharmonie auf städtischer Seite:  "Am Großen Konzertsaal wird sich die Kostensituation klären und natürlich die Terminsituation. Der Saal und alles was da drumherum ist an Räumen und Foyers und so weiter, das ist für uns die große Herausforderung. Und letztendlich entscheidet das Gelingen auch über das Gelingen des Gesamtprojektes". 

 

Der Intendant der Elbphilharmonie Christoph Lieben-Seutter mit einem Modell des Bauwerks © dpa Fotograf: Jens Ressing Detailansicht des Bildes Will eines der bedeutendsten Konzerthäuser der Welt: Intendant Christoph Lieben-Seutter. L wie Lieben-Seutter, Christoph: Der Generalintendant von Elbphilharmonie und Laeiszhalle startete seine berufliche Laufbahn nach einem abgebrochenen Informatikstudium als Manager in der Computerindustrie. Dann wechselte der 1964 in Wien geborene Musikfan ins Kulturmanagement. Ab 1996 war er Betriebsdirektor des Wiener Konzerthauses und leitete die Institution elf Jahre. Sein neues Amt in Hamburg übernahm der Vater von drei Töchtern am 1. September 2007.

M wie Musik: Hamburg ist stolz darauf, einen der zehn besten Konzertsäle der Welt zu bauen. Das ist zumindest der Anspruch, der mit der Elbphilharmonie eingelöst werden soll. Wenn sie einmal fertiggestellt ist, sollen die größten Stars der klassischen Musik nach Hamburg pilgern und dem Publikum Konzerterlebnisse mit Gänsehautfaktor verschaffen. Es darf auch nicht NUR Klassik in der Elbphilharmonie gespielt werden. Das gebildete, klassik-affine Publikum sei ihm wichtig, so Generalintendant Christoph Lieben-Seutter, aber:  "Wir sprechen im Prinzip uns selber an: sprich, so Mitt-Vierziger, die zum Großteil mit Popmusik aufgewachsen sind, aber zunehmend interessiert sind an anderen Musikarten und erst jetzt eigentlich erkennen, wie schön es ist, mal eine Bruckner-Sinfonie zu hören." Seit 2009 laufen bereits sogenannte "Elbphilharmonie-Konzerte" in Hamburg, die einen Vorgeschmack geben auf das, was Lieben-Seutter vorschwebt: Ein Festival mit Akkordeonisten, die Jazz-Pianisten Brad Mehldau und Marc Copland. Ein Konzerthaus für alle eben - so stellt es sich Christoph Lieben-Seutter vor.

Karin von Welck steht vor der Baustelle der Elbphilharmonie © dpa Fotograf: Jens Ressing Detailansicht des Bildes Will die Neue Musik in Hamburg fördern: Kultursenatorin Karin von Welck. N wie Neue Musik: Im Auftrag von Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) hat das Hamburger Institut für Kulturelle Innovationsforschung (IKI) das Projekt "Klang!" konzipiert. Das Projekt entwickelt Strategien für Marketing und Musik-Vermittlung, um das Profil der Neue-Musik-Szene in Hamburg zu schärfen.

O wie Orgel: Der große Konzertsaal bekommt eine Orgel. Finanziert wird sie durch die Spende des Hamburger Unternehmers Peter Möhrle. Der Orgelbauer Philipp Klais aus Bonn bekam den Zuschlag und wird das rund zwölf Meter hohe Instrument für die Elbphilharmonie bauen.

Computersimutation der Plaza der Elbphilharmonie © Stiftung Elbphilharmonie/Herzog & de Meuron Detailansicht des Bildes Mondän modern: Computersimulation der Plaza. P wie Plaza: Dort, wo der Kaispeicher aus Backstein und der gläserne Neubau aufeinander treffen, entsteht die Plaza: ein öffentlicher Platz in 37 Metern Höhe, der allen Interessierten zugänglich ist – auch ohne Konzertbesuch. Bars und Restaurants wird es auf der Plaza geben. Vor allem aber einen einmaligen Ausblick auf den Hafen und die Stadt.

Q wie Qualität: Der große Konzertsaal der Elbphilharmonie soll zu den zehn besten Sälen der Welt gehören. Generalintendant Lieben-Seutter verspricht ein breites Angebot auf hohem Niveau.

R wie Richtfest: Traditionellerweise wird Richtfest gefeiert, wenn der Rohbau steht und das oberste Stockwerk eines Gebäudes erreicht worden ist. Die Elbphilharmonie ist seit kurzem 26 Stockwerke hoch — von der Grundsteinlegung bis zum Erreichen der obersten Etage sind drei Jahre vergangen. Dass der ursprüngliche Zeitplan etwas verrutscht ist, merkt man auch daran, dass bei der festlichen Grundsteinlegung im April 2007 alle davon ausgegangen waren, in drei Jahren die fertiggestellte Elbphilharmonie feiern zu können. Nun feiert Hamburg das Richtfest der Elbphilharmonie am 28. Mai 2010 mit Erstem Bürgermeister, einem Tag der offenen Tür und dem zweitägigen Elbjazz Festival.

Auf dem Kaispeicher soll die Elbphilharmonie entstehen  Fotograf: Petra Volquardsen Detailansicht des Bildes Auf dem historischen Kaispeicher A entsteht die Elbphilharmonie. S wie Stifter: Die Elbphilharmonie kann nur entstehen, weil viele Hamburger für ihren Bau gespendet haben. Die Spenden werden von der "Stiftung Elbphilharmonie" gesammelt. So spendete das Unternehmer-Ehepaar Hannelore und Helmut Greve 30 Millionen Euro, Michael Otto und die Reemtsma-Stiftung jeweils zehn Millionen Euro. Außerdem gab es sehr viele kleine Spenden.

T wie Toyota, Yasuhisa: Der Japaner ist Akustiker der Firma Nagata Acoustics und gilt als einer der weltbesten seines Fachs. Er hat unter anderem die Walt-Disney-Concert-Hall in Los Angeles und viele Konzertsäle in Japan konzipiert. Um den großen Konzertsaal zu einem der besten der Welt zu machen, haben Toyota und sein Team Messungen zur Akustik in einem 1:10-Modell angestellt. Damit testeten sie, wie sich der Schall in den Konzertsälen der Elbphilharmonie verhält.

U wie Untersuchungsausschuss: Die Hamburger Bürgerschaft hat einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Elbphilharmonie eingesetzt. Mitte Mai 2010 hat der Untersuchungsausschuss seine Arbeit aufgenommen und der SPD-Finanzexperte Peter Tschentscher wurde zum Vorsitzenden gewählt. Der Untersuchungsausschuss soll vor allem herausfinden, warum die Baukosten der Elbphilharmonie in den letzten Jahren quasi explodiert sind. Ursprünglich sollte der Anteil der Stadt Hamburg an dem Konzerthaus rund 77 Millionen Euro betragen. Mittlerweile sind die Kosten allerdings auf fast 323 Millionen gestiegen. Auch der ursprünglich für 2010 geplante Eröffnungstermin wurde mehrfach verschoben. Nun soll die Elbphilharmonie 2013 ihren Betrieb aufnehmen.

 

Christoph von Dohnányi, Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters © Stefan Malzkorn Detailansicht des Bildes Chefdirigent von Dohnányi und das NDR Sinfonieorchester: Auftritt zur Eröffnung V wie von Dohnányi, Christoph: Als Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters freut sich von Dohnányi ganz besonders auf die Eröffnung der Elbphilharmonie: Als Residenzorchester werden er und seine Musiker die ersten sein, die im neuen Konzerthaus öffentlich auftreten.

W wie Wahrzeichen: Die Elbphilharmonie soll zu einem neuen Wahrzeichen Hamburgs werden. Schon heute wird das neue Konzerthaus in der Hamburger Hafencity mit dem Eiffelturm in Paris oder mit dem Opernhaus in Sydney verglichen.

Z wie Zeitplan: Ursprünglich sollte der Bau der Elbphilharmonie im Frühjahr 2010 abgeschlossen sein. Doch der Termin musste mehrfach verschoben werden. Die Eröffnung ist nun nach offiziellen Angaben für das Frühjahr 2012 geplant.