Rechtsextremismus: Diese Websites klären auf
Etliche Websites decken Propaganda auf und geben Tipps, was man im Alltag gegen Neonazis tun kann. mehr
Die Angeklagten, unter ihnen Holger G. in der hinteren Reihe mit einer Aktenmappe vor dem Gesicht, beim Prozessauftakt in München.
Dunkelblauer eleganter Anzug, etwas unpassend dazu ein graues Cappy auf dem Kopf. Am Handgelenk trägt Holger G. eine silberne Uhr. Der Angeklagte aus Niedersachsen steht mit dem Rücken zur Kamera, rechts und links neben ihm seine Verteidiger. Zuvor hat er versucht, sein Gesicht mit einer Akte zu verdecken. Der Auftritt als Angeklagter vor Gericht in diesem Prozess ist ihm sichtlich unangenehm. "Unterstützung einer terroristischen Vereinigung" - das wirft ihm die Anklage vor. Als er vor eineinhalb Jahren in Lauenau im Landkreis Schaumburg festgenommen wurde, war das Entsetzen groß. Wer ist der Mann, der plötzlich die Schlagzeilen bestimmte, aber seit Jahren in keiner Polizei- und Verfassungsschutzakte mehr aufgetaucht war?
Holger G. ist Beschuldigter und Belastungszeuge zugleich. Er hat dem NSU zu Papieren und Pistole verholfen, will aber von den Anschlägen seiner Freunde nichts geahnt haben.
Holger G. lebte seit 2010 in Lauenau, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin. Das Haus liegt in einer gepflegten Wohnsiedlung. Nicht weit entfernt: eine Raiffeisen-Tankstelle. Hier hat Holger G. seit 2008 gearbeitet, ein Zweitjob. Ein Kollege, der mit ihm Sonntag für Sonntag an der Waschstraße arbeitete, beschreibt ihn gegenüber Hallo Niedersachsen als "freundlichen Mann": "So wie ich ihn kennengelernt habe, ist er ehrlich, hilfsbereit und zuverlässig. Ein ganz normaler Mensch halt." Dass Holger G. etwas mit Rechtsextremisten zu tun haben könnte, das hätte hier wohl niemand vermutet.
Wie sehr ist Holger G. Teil dieser Szene, welche Rolle spielte er wann? Das soll das Gerichtsverfahren klären: Hier steht Holger G. seinen Mitangeklagten seit heute als Belastungszeuge gegenüber. Das letzte Mal soll er Beate Zschäpe und die NSU-Männer im Sommer 2011 in Lauenau getroffen haben, um ihnen (erneut) Dokumente für ein Leben im Untergrund zu übergeben. Aus Freundschaft, wie er sagt? Wurde er, der ab und an auch mal die Droge Speed nahm und wegen Glücksspielsucht in therapeutischer Behandlung war, von ihnen ausgenutzt? Oder wusste er, wofür seine Freunde die Dokumente brauchten?
Zschäpe und die anderen Mitangeklagten kennt Holger G. aus Jena. Dort ist er aufgewachsen, als jüngstes von drei Geschwistern. Mit ihnen kommt er gut klar, gibt Holger G. zu Protokoll - in der Untersuchungshaft bekommt er regelmäßig Besuch von seiner Familie. Im Jahr 1994 begeht sein Vater Suizid. Da ist Holger G. drei Jahre alt. Er geht zur Realschule. Nach der achten Klasse ist Schluss - ohne Abschluss. Sein Werdegang zeichnet das Bild eines bemühten jungen Mannes. Er macht eine Ausbildung in Jena zum Zerspanungstechniker - ist zwei Jahre in einer ABM-Maßnahme. 1997 zieht er nach Hannover. Wie viele andere seiner Generation verlässt er seine Heimat auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive. Auch seine Mutter wohnt nun in Niedersachsens Hauptstadt. Sein Plan geht auf: Holger G. findet stete Arbeit als Lagerist, nach und nach in verschiedenen Unternehmen.
Auch in Hannover nimmt Holger G. Kontakt zur Neonaziszene auf. Immerhin: Bis dahin sieben prägende Jahre - vom Jugendlichen zum Erwachsenen - hat er gemeinsam mit Zschäpe, Wohlleben und den anderen einen "politischen Kampf" geführt. Erst als Jugendclique, dann in der "Kameradschaft Jena", dann im "Nationalen Widerstand Jena". Der harte Kern besteht aus zehn Personen. Sie gehen auf Demos, verteilen Flugblätter. Die Ermittler stellen fest: Mehrfach soll damals die Frage nach einem bewaffneten Kampf gegen den Staat aufgekommen sein. Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos befürworten ihn, Wohlleben und G. lehnen das offenkundig ab.
Der Kontakt zu den "Kameraden" aus Jena bleibt intensiv. Er hält Verbindung in den Untergrund - erst über Wohlleben. Später gehört er zu denjenigen, die das Trio direkt anrufen dürfen. Ein Jahr nach seinem Umzug leiht er ihnen 3.000 DM. Ein weiteres Jahr später soll er für das Trio Möglichkeiten zum Abtauchen im Ausland ausgelotet haben. Dabei fällt auch der Name Thorsten Heise, ein damals aktiver Neonazikader. Auch zu dessen Hochzeit war Holger G. eingeladen. Er ist bei diversen Neonazi-Aktionen dabei - doch offenkundig nicht als führende Persönlichkeit. Jedenfalls sehen Polizei und Verfassungsschutz in ihm allenfalls eine Randfigur. Sie finden seinen Namen nur vereinzelt wieder, als sie in Windeseile nach dem Auffliegen des NSU Aktenbestände der letzten Jahrzehnte sichten.
Im Moment seiner Festnahme zeigt seine Facebook-Seite Vernetzungen mit vielen Menschen aus der Region. Einige wenige von ihnen gehören zum Umfeld von "Besseres Hannover" - einer Neonazi-Gruppierung, die vom Innenministerium 2012 verboten wurde. Er selbst bestreitet, in den letzten Jahren noch rechtsextremistisch aktiv gewesen zu sein. Solche Kontakte in die Szene hätten nur einen Grund gehabt: Freundschaften zu einzelnen Personen. Und: Ihm tue leid, was durch seine Papiere ermöglicht wurde. Von den Taten selbst habe er nichts gewusst. Holger G. ist im Zeugenschutzprogramm des BKA. Im Gericht will er all seine Aussagen wiederholen. Es werden wichtige Puzzlestücke in einem schwierigen Indizienprozess sein.
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