Rechtsextremismus: Diese Websites klären auf
Etliche Websites decken Propaganda auf und geben Tipps, was man im Alltag gegen Neonazis tun kann. mehr
Etwa 170 Demonstranten haben nach Polizeiangaben am Sonnabend in Hamburg-Bergedorf gegen Rechtsradikalismus demonstriert. Vom Bergedorfer Bahnhof aus zogen die Teilnehmer zum Jugendzentrum "Unser Haus e.V." Dieses war den Veranstaltern zufolge in den vergangenen Wochen mehrfach Ziel rechtsradikaler Attacken gewesen.
"Wir wollen die Aufmerksamkeit stärker auf die Problematik lenken und ein klares Zeichen setzen, dass wir uns in Bergedorf solche Übergriffe nicht gefallen lassen", hatte eine Sprecherin im Vorfeld gesagt. Die Polizei sprach von einem friedlichen Verlauf der Demonstration. "Nur einen bekannten Bergedorfer Nazi" hätten sie gesehen, hieß es seitens der Veranstalter. Dieser habe sich den Protestzug kurz angeschaut und sei dann in einer Kneipe verschwunden.
Noch vor einigen Jahren galt Bergedorf als Hochburg von Rechtsradikalen. Im aktuellen Hamburger Verfassungsschutzbericht kommt der Bezirk nur einmal im Zusammenhang mit Rechtsextremismus vor: Die NPD veranstaltete dort vor knapp einem Jahr eine Kundgebung mit Plakaten wie "Heimat bewahren - Einwanderung stoppen". In dem Bericht heißt es, es hätten sich "nur wenige Parteianhänger beteiligt; der Zuspruch aus der Bevölkerung war sehr gering". Nun machte eine Gruppe junger Leute wohl erneut handfeste Bekanntschaft mit Neonazis: Das "Antifaschistische Jugendbündnis Bergedorf" wurde nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Wochen dreimal Ziel von Angriffen Rechtsextremer.
In der Nacht auf den 30. Mai attackierten Neonazis demzufolge das linke Jugendzentrum "Unser Haus e.V." in Bergedorf. Dabei zerstörten sie eine Scheibe, demolierten ein parkendes Auto "und hinterließen ihre braune Hetze in der gesamten Umgebung", wie das Bündnis mitteilte. Auch in der folgenden Nacht seien Sticker mit rechtsextremer Propaganda geklebt worden.
Am Morgen des 2. Juni hätten dann erneut Scheiben in dem Jugendzentrum geklirrt. "Die Nazis versuchten, in unser Haus einzudringen", sagte eine Sprecherin des Jugendbündnisses NDR.de. Doch offenbar wurden sie von zwei Besucherinnen des Jugendzentrums gestört. Die seien nur knapp den Angreifern entkommen: "Sie wurden von den Nazis attackiert und durch die Bergedorfer Innenstadt gejagt." Dann hätten sich die etwa 18-jährigen Mädchen in einen Bus retten können.
Polizeisprecherin Ulrike Sweden bestätigte, dass es mehrere Vorfälle gab. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen aufgenommen. "Mehr kann ich dazu noch nicht sagen." Wenige Tage vor den mutmaßlichen Neonazi-Angriffen hatte es in dem Jugendzentrum eine Polizei-Durchsuchung gegeben. Sweden sagte, es habe Hinweise gegeben, dass dort mit Drogen wie Marihuana gehandelt werde. Ob und wie viel Rauschgift sichergestellt wurde, wusste sie nicht.
Das Antifaschistische Jugendbündnis Bergedorf hatte sich erst einige Monate vor den Angriffen neu gegründet, wie dessen Sprecherin sagte. Anlass sei die Bergedorfer NPD-Kundgebung im vergangenen Jahr gewesen. "Da haben wir gesagt, wir müssen wieder mal was machen." Nun befürchtet das Jugendbündnis, dass Bergedorf langsam wieder zu einem Aktionsschwerpunkt von Rechtsextremisten werden könnte. Früher sollen dort bekannte Neonazis wie Christian Worch, Thomas Wulff und Jürgen Rieger gewirkt haben.
Bei den jüngsten Angriffen auf das Jugendzentrum hinterließen die Angreifer Aufkleber mit der Aufschrift "Weisse Wölfe Terrorcrew". Diese Gruppe wiederum ist dem Hamburger Verfassungsschutz gut bekannt. "Ihr gehören etwa zehn Personen an, von denen die meisten als gewaltbereit einzuschätzen sind. Durch selbstbewusstes Auftreten bei Veranstaltungen und auch durch offensive Propaganda-Aktionen versucht die Gruppe jüngere Aktivisten für sich zu gewinnen", heißt es im Verfassungsschutzbericht 2012. Im März 2011 hatten Polizisten nach einer Neonazi-Aktion mehrere Wohnungen von Anhängern der Gruppe in Hamburg und Niedersachsen durchsucht und Wurfgeschosse, Baseballschläger, Schreckschusswaffen und NS-Devotionalien sichergestellt.
Das Antifaschistische Jugendbündnis vermutet, dass sich in Bergedorf und dem Umland eine Gruppe Neonazis zusammengefunden hat. Bei einer Veranstaltung von Rechtsextremisten in Wolfsburg Anfang Juni sei auch eine "Bergedorfer Kameradschaft" mitmarschiert.