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Hand greift nach PC-Maus © picture-alliance/ dpa Fotograf: Kitty Kleist-Heinrich
 

Rechtsextremismus: Diese Websites klären auf

Etliche Websites decken Propaganda auf und geben Tipps, was man im Alltag gegen Neonazis tun kann. mehr

 

Rechter Vordenker kehrt Szene den Rücken

von Angelika Henkel und Stefan Schölermann, NDR.de

Den Anstoß zur Abkehr gab Pastörs' Aschermittwochsrede

Den Anstoß zum Verlassen des rechtsextremen Lagers gab Molau ausgerechnet der NPD-Fraktionsvorsitzende im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, mit seiner berüchtigten Aschermittwochsrede 2009 im Saarland. Für Molau war das eine entscheidende Rede. Sie rief aus seiner Sicht zur Gewalt auf, sie habe deutlich gemacht, wie sehr maßgebende Repräsentanten der Partei dem historischen Nationalsozialismus verhaftet seien. Molau war Mitarbeiter der Schweriner NPD-Landtagsfraktion. Heute bezeichnet er diese NPD-Kreise als "völkische Taliban".

Molau: Teile der rechten Szene sind "schlicht skurril"

Andreas Molau © NDR.de Fotograf: Stefan Schölermann Detailansicht des Bildes Molaus Abkehr vom Rechtsextremismus gilt als Schlag für die Szene. Der Prozess des Umdenkens habe einige Jahre gedauert, sagt Molau gegenüber NDR Info. Erst nach und nach sei ihm klar geworden, in welch seltsame Kreise er geraten sei: "Da gibt es bei irgendwelchen Treffen in Hinterzimmern Jüngelchen, die kaum gerade stehen können und dann ein T-Shirt mit dem Aufdruck 'White Power' tragen. Im 'Deutsche Stimme Verlag' bestellen Menschen Wehrmachtspuppen oder irgendwelche Zimmerflaks für den weihnachtlichen Gabentisch. Es ist schlicht skurril."

Ein NPD-Verbot sieht der Insider kritisch

Den NPD-Parteivorstand in Berlin bezeichnet Molau als "eine Art Raumschiff im Paralleluniversum": "Man trifft sich in der Katakombe Parteizentrale hinter Stacheldraht und Metallzaun." Bezeichnend sei vor allem der Realitätsverlust der führenden Parteikader. Die Partei lebe von der Provokation, um in den Medien aufzutauchen. Kritisch sieht Molau die Dauerdebatte um ein NPD-Verbot. Sie verschaffe der Partei eine Märtyrerposition. Dies stärke die rechtsextreme Szene, sagt Molau NDR Info.

NSU-Morde der Szene nicht zugetraut

Von den Taten der sogenannten Zwickauer Terrorzelle sei er überrascht gewesen, so Molau. Weder habe er der Szene die dafür nötige Organisationsfähigkeit zugetraut, noch das Ausmaß der Konspiration.

"Der jetzige Molau möchte gerne versöhnen"

Für vieles, was er als Redner in den vergangenen Jahren gesagt habe, fühle er sich verantwortlich: "Es bedrückt mich, dass ich Menschen verletzt und Dingen Vorschub geleistet habe, die nicht zu akzeptieren sind", lautet seine Bilanz. Er mache es sich selber zum Vorwurf, dass er zum Beispiel bei einer Rede vor gewaltbereiten Neonazis aus dem Landkreis Schaumburg durch sein bürgerliches Image eine Art Feigenblatt gegeben und damit die wahren Absichten dieser Gruppierung verschleiert habe. Doch eine Entschuldigung sei nicht genug; er fühle sich zum Handeln verpflichtet: "Der Rassist Molau hat in den Reden zugespitzt, um Wirkung zu erzielen - der jetzige Molau möchte gerne versöhnen." Wo er zuvor verbrannte Erde hinterlassen habe, möchte er sich nicht nur entschuldigen, sagt Molau. Er möchte auch die Chance haben, dort das ein oder andere Pflänzchen wieder zu setzen - etwa durch Aufklärungsarbeit über Rechtsextremismus oder auch in sozialen Projekten -, um jene in Deutschland zu integrieren, die er früher am liebsten des Landes verwiesen hätte.

"Deutliche Schwächung des Milieus"

Niedersachsens Verfassungsschutz-Präsident Wargel sagte, Molaus Äußerungen gegenüber NDR Info seien nicht nur Beleg für den Ausstiegswillen, sondern ließen auch befürchten, dass Molau jetzt auch mit Reaktionen aus der rechtsextremen Szene zu rechnen habe. Den Ausstieg Molaus bezeichnete Wargel als einen außergewöhnlichen Fall. Schließlich sei der 44-Jährige nicht nur in Spitzengremien der rechtsextremen NPD tätig gewesen, sondern zugleich einer der maßgebenden Köpfe der rechtsextremen Szene gewesen. Molaus Ausstieg bedeute deshalb eine deutliche Schwächung dieses Milieus. Molau habe sich bereits vor Monaten an das Aussteigerprogramm des niedersächsischen Verfassungsschutzes gewandt.

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/regional/dossiers/der_norden_schaut_hin/molau101.html
Der Norden schaut hin
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Hans-Werner Wargel, Präsident des Niedersächsischen Verfassungsschutzes, im Interview. © NDR
 
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"Ein glaubwürdiger Ausstieg"

Der Niedersächsische Verfassungsschutz hält Andreas Molaus Willen zum Ausstieg für ehrlich.

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Rechtsextremist Molau steigt aus

30.07.2012 | 07:08 Uhr
NDR Info

Die rechte Szene in Deutschland verliert einen ihrer Vordenker.

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tagesschau.de
Andreas Molau © picture-alliance/dpa Fotograf: Patrock Pleul
 
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Im Interview mit tagesschau.de äußerte sich der ehemalige NPD-Vordenker Molau zu seinen Motiven für den Ausstieg. (31.07.2012)

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Infos des Niedersächsischen Innenministeriums zum Aussteigerprogramm für Rechte.

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Die Organisation hilft Aussteigern beim Weg aus der rechtsextremistischen Szene.

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