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Gelbe Fässer mit aufgedrucktem Atom-Warnzeichen © dpa Fotograf: Tobias Hase
 

Atomkraft bleibt ein Problem

NDR Fernsehen: 45 Min

45 Min informiert über die Gefahren des strahlenden Abfalls und darüber, was im Fall einer Katastrophe passiert. mehr

 

Hintergrund

Endlager gesucht: Ist Gorleben die erste Wahl?

Bergarbeiter untersuchen einen Riss im Salzstock Gorleben. © dpa Bildfunk Fotograf: Sören Stache Detailansicht des Bildes Arbeiten unter Tage: Der Salzstock in Gorleben. "Jeder Transport, der nach Gorleben rollt, zementiert den Standort Gorleben als Endlager", sagte eine Vertreterin der Umweltorganisation Robin Wood im Vorfeld eines Castor-Transports. Mit dieser Sorge ist sie nicht allein: Seit mehr als 30 Jahren protestieren Atomkraftgegner im Wendland gegen ein mögliches Endlager im Salzstock von Gorleben. Der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) hatte 1977 den Standort festgelegt. Im Auftrag der Bundesregierung wird seit 1979 untersucht, ob sich das Bergwerk als Endlager für hochradioaktiven Abfall eignet. Der Atommüll würde dort in knapp 1.000 Metern Tiefe eingelagert werden.

In der öffentlichen Debatte kommt es aber oft auch zu Verwechslungen: Die umstrittenen Castor-Transporte, die in der Vergangenheit bereits Atommüll nach Gorleben brachten, hatten bislang das Zwischenlager in Gorleben zum Ziel. Während der gut 300 Meter entfernte Salzstock noch erkundet wird, lagern in der ebenerdige Halle des Zwischenlagers bereits mehr als 100 Container mit hoch radioaktiven Abfällen.

Seit 2010 laufen die Erkundungsarbeiten wieder

Im Jahr 2000 unterbricht der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) die Erkundung des Salzstocks. Das Bundesumweltministerium wolle mit dem Moratorium "die Suche nach einem Endlagerstandort völlig neu eröffnen", so ein Sprecher damals. Atomkraftgegner kritisieren bis heute die Entscheidung für den Salzstock in Gorleben als willkürlich und politisch motiviert. Im März 2010 entscheidet Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), die Erkundungsarbeiten am Salzstock wieder aufzunehmen. Das Verfahren bleibe ergebnisoffen, Gorleben habe aber "oberste Priorität", sagt der Minister. Insgesamt werde bis zur Entscheidung ein Zeitraum von 20 bis 25 Jahren erforderlich sein. Probleme könnten Pachtverträge mit Grundbesitzern verursachen, die Ende 2015 auslaufen. In Gorleben wurden bereits mehr als eine Milliarde Euro investiert. Im September 2010 kündigte die niedersächsische Landesregierung an, grünes Licht für eine Wiederaufnahme der Erkundung zu geben. Kurz darauf sind erste Arbeiten wieder möglich.

Diskussion um Endlager Gorleben wird 2011 neu entfacht

Auch 2011 wird weiter heftig um das Endlager Gorleben gestritten. Umweltschützer und Bürgerinitiativen fordern einen Neustart bei der Suche nach einem Endlager. Mit Gas im Salzstock und einer veränderten Geburtenrate rund um das Endlager tauchen neue Fragestellungen auf, mit denen die Gorleben-Gegner ihre bisherigen Sicherheitsbedenken untermauern. Politisch kommt Bewegung in die Diskussion, als Mitte 2011 öffentlich über Alternativen zum Endlager Gorleben nachgedacht wird. Auch denken jetzt verschiedene politische Lager über Standorte im Süden Deutschlands nach. Den von Bundesumweltminister Röttgen angestoßenen Gorleben-Dialog lehnen die Gegner allerdings ab, sie fordern "Transparenz" bei der Bürgerbeteiligung nach Schweizer Modell. Der Salzstock werde nicht geeigneter, nur weil der Bund keine bessere Umgebung für ein Endlager finde, so ihre Kritik.

Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg sieht sich durch den schlechten Zustand des Bergwerkes Asse im Kreis Wolfenbüttel in ihrer Annahme bestätigt, dass Salzstöcke generell als Endlager nicht geeignet sind. Eine bessere Möglichkeit, die alten Brennstäbe dauerhaft zu lagern, fehlt bislang - ein geeigneterer Standort ebenso.

Lagerung für eine Million Jahre nötig

Allein in Deutschland produzieren Atomkraftwerke jährlich 450 Tonnen hochradioaktiven Müll. Die ausgebrannten Brennstäbe werden allerdings nicht endgültig entsorgt, sondern nur zwischengelagert. Weltweit wurde noch kein Endlager für die hochradioaktiven Abfälle errichtet. Die Anforderungen an ein derartiges Lager sind immens - die alten Brennstäbe müssten für den unvorstellbaren Zeitraum von einer Million Jahre sicher verwahrt werden. Atomkraftgegner halten eine wirklich sichere Endlagerung für unmöglich und fordern deshalb die sofortige Abschaltung der Atomkraftwerke.

Untersuchungsausschuss überprüft immer noch Endlager-Entscheidung

Die damalige Umweltministerin Angela Merkel 1995 nach einer Fahrt in den Erkundungsschacht in Gorleben © dpa Detailansicht des Bildes Angela Merkel besuchte 1995 das Erkundungsbergwerk in Gorleben. Damals war sie noch Umweltministerin unter Kanzler Helmut Kohl. Im März 2010 hat der Bundestag einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu Gorleben eingesetzt. Er soll die Frage klären, ob beziehungsweise warum sich die damalige Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU) in den 1980er-Jahren einseitig auf den Salzstock im Kreis Lüchow-Dannenberg als Endlager festgelegt habe. Der Regierung Kohl wird vorgeworfen, Alternativstandorte gar nicht erst in Betracht gezogen, Warnungen von Wissenschaftlern missachtet und sogar Einfluss auf ein Gutachten zur Eignung des Salzstocks genommen zu haben, um das Lager im Wendland durchzudrücken. Auch die Frage, welche Rolle die niedersächsische Landesregierung unter Ernst Albrecht (CDU) bei dieser Entscheidung gespielt hat, wirft immer wieder Fragen auf. Die CDU weist die Vorwürfe stets zurück und betont, für Gorleben hätten rein fachliche Gründe gesprochen. Auch nach einem Jahr, in dem zahlreiche Fachleute, Politiker und Gutachter vor dem Ausschuss ausgesagt haben, ist die Arbeit nicht abgeschlossen und hat noch keine entscheidende Ergebnisse zutage gefördert.

Umweltschützer protestieren auch 2011 weiter

Ein bemalter Regenschirm mit der Aufschrift "Gorleben 365 - den Schwarzbau stilllegen"  Fotograf: Harald Ganswindt Detailansicht des Bildes Dauerhafter Protest: Ein Jahr wollen die Gegner Gorleben blockieren. Die Umweltschützer haben das im Jahr 2000 verhängte Moratorium und die Suche nach alternativen Standorten begrüßt. Eine Wiederaufnahme der Erkundung in Gorleben lehnen sie strikt ab. Auch der von der Bundesregierung 2011 beschlossene Atomausstieg und die Abschaltung einzelner Atomkraftwerke beruhigt die Gemüter nur wenig. Im Wendland protestieren die Bewohner weiter. Um die Erkundung von Gorleben als atomares Endlager endgültig zu stoppen, initiieren Atomgegner die Kampagne "Gorleben 365". Sie wollen die Zufahrt zum Bergwerk Gorleben blockieren - ein ganzes Jahr lang.

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Behälter mit radioaktivem Müll im Zwischenlager Gorleben © dpa Fotograf: Kay Nietfeld
 

Hintergrund: Atommüll-Zwischenlager Gorleben

Das atomare Zwischenlager in Gorleben besteht im Kern aus einer ebenerdigen Halle. Hier wird der Atommüll zum Auskühlen gelagert, bis ein geeignetes Endlager gefunden ist. mehr

Schild warnt vor radioaktiver Strahlung © picture-alliance/dpa
 

Dossier: Der Streit um die Atomkraft

Störfälle, Pannen, Demonstrationen - im Norden sorgt die Nutzung der Kernenergie seit mehr als 30 Jahren für Schlagzeilen. NDR.de informiert über eine umstrittene Technologie. mehr

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Castor-Transport 2011 © ddp Fotograf: Jochen Lübke
 

Strahlende Fracht fürs Wendland

Der vorerst letzte Castor-Transport hat das Zwischenlager in Gorleben erreicht. mehr

Multimedia-Chronik
Ein Demonstrant hält ein Schild mit der Aufschrift "Gorleben" hoch © dpa
 

Die Gorleben-Proteste von 1977 bis heute

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Altkanzler Helmut Kohl © Picture-Alliance © Picture-Alliance
 

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