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Gelbe Fässer mit aufgedrucktem Atom-Warnzeichen © dpa Fotograf: Tobias Hase
 

Atomkraft bleibt ein Problem

NDR Fernsehen: 45 Min

45 Min informiert über die Gefahren des strahlenden Abfalls und darüber, was im Fall einer Katastrophe passiert. mehr

 
Chronologie

Pannen in den AKW Krümmel und Brunsbüttel

Rauchwolken am Atomkraftwerk Krümmel © dpa Detailansicht des Bildes Rauchwolken am Atomkraftwerk Krümmel Nach einer Kette von Zwischenfällen wurde das Atomkraftwerk Krümmel am 28. Juni 2007 vom Netz genommen. Auch das AKW Brunsbüttel wurde abgeschaltet. Die Informationspolitik nach den Störfällen kostete beim Betreiber Vattenfall Europe ranghohe Manager den Posten. Eine Chronologie:

  • 28. Juni 2007: Das Atomkraftwerk Brunsbüttel fährt nach einem Kurzschluss automatisch herunter. Etwa eineinhalb Stunden später geht auch der Meiler Krümmel bei Geesthacht vom Netz. Betreiber Vattenfall berichtet am Nachmittag: "Die Abschaltung im Kernkraftwerk Krümmel wurde durch einen Brand in einem Transformator ausgelöst. Die Ursache des Feuers ist bislang unklar. Der Transformator befindet sich außerhalb des Reaktorgebäudes auf dem Hof des Kraftwerks. Die Feuerwehr hat den Brand inzwischen unter Kontrolle."

  • 29. Juni 2007: "Die Sicherheitssysteme haben wie vorgesehen funktioniert", heißt es in einer offiziellen Vattenfall-Mitteilung. Der Konzern hat zu dem Zeitpunkt laut späteren eigenen Angaben bereits in einer internen Mitteilung die Atomaufsicht im Kieler Sozialministerium informiert, dass die Schnellabschaltung nach dem Transformator-Brand auch auf den Reaktorbereich Krümmels Auswirkungen hatte.

  • 30. Juni 2007: Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) versichert in einer Pressemitteilung: "Die Schnellabschaltungen der Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel haben ordnungsgemäß funktioniert." Vattenfall betont in einer Presseinformation: "Die Störungen in Krümmel und Brunsbüttel waren konventioneller Art und standen nicht mit dem Nuklearbereich der Anlagen in Verbindung."

  • 1. Juli 2007: Das AKW Brunsbüttel wird wieder angefahren, geht aber schon zwei Wochen später wegen eines Ölwechsels im Transformator in einen "Stand-by-Betrieb".

  • 2. Juli 2007: Das zuständige Sozialministerium untersagt Vattenfall, das AKW Krümmel mit dem nicht betroffenen Transformator anzufahren.

  • 3. Juli 2007: Das Sozialministerium in Kiel spricht erstmals von "Auffälligkeiten" und führt unter anderem den "unplanmäßigen Ausfall" einer von mehreren Wasserpumpen auf sowie das "unplanmäßige Öffnen" von zwei Sicherheits- und Entlastungsventilen. Dadurch seien binnen Augenblicken Wasserpegel und -druck im Reaktordruckbehälter gesunken. Die Notsysteme hätten allerdings sofort reagiert. Vattenfall räumt ein, dass die Schnellabschaltung Krümmels auch im Herzstück der Anlage eine Panne an einer Pumpe auslöste.

  • 6. Juli 2007: Bei dem Brand im Transformatorgebäude war das AKW Krümmel nach Angaben von Vattenfall aufgrund eines "Missverständnisses" schneller als geplant heruntergefahren worden. Der Reaktorfahrer habe eine Anweisung seines Chefs falsch verstanden. Die schnelle Reduzierung des Drucks im Reaktor sei für gravierendere Störfälle vorgesehen und objektiv nicht notwendig gewesen.

  • 8. Juli 2007: Vattenfall räumt ein, dass es beim Wiederanfahren des Meilers in Brunsbüttel nach dem Kurzschluss am 1. Juli zu einem Zwischenfall gekommen sei. Es habe zweimal kurzzeitig eine ungewollte Absperrung des Reaktorwasser-Reinigungssystems gegeben. Das meldepflichtige Ereignis sei der Reaktoraufsichtsbehörde erst "auf den letzten Drücker" am 6. Juli gemeldet worden, teilte das Sozialministerium in Kiel mit.

  • 9. Juli 2007: Vattenfall und das Sozialministerium berichten über eine erneute Störung am AKW Brunsbüttel. An der Messleitung zur Überwachung des Reaktorfüllstandes sind Probleme aufgetreten. Das System soll zur Behebung des Fehlers ausgespült werden. Vattenfall kündigt an, meldepflichtige Ereignisse in Krümmel und Brunsbüttel nunmehr unverzüglich auch im Internet zu veröffentlichen.

  • 13. Juli 2007: Die Polizei erzwingt mit einem Durchsuchungsbeschluss ein Gespräch mit dem Reaktorfahrer im AKW Krümmel.

  • 14. Juli 2007: Der Konzern räumt in einem Zwischenbericht Pannen und Kommunikationsprobleme ein.

  • 16. Juli 2007: Vattenfall entbindet Atomsparten-Chef Bruno Thomauske von seinen Aufgaben. Konzernsprecher Johannes Altmeppen tritt zurück.

  • 18. Juli 2007: Vattenfall-Europe-Chef Klaus Rauscher tritt zurück.

  • 21. Juli 2007: Auch der Meiler Brunsbüttel wird vollständig abgeschaltet. Grund sind Probleme mit fehlerhaften Dübeln und Verankerungen.

  • 6. September 2007: Trauernicht geht von einem längeren Stillstand der AKW aus: "Das wird auf absehbare Zeit so bleiben."

  • 6. November 2007: Eine von Vattenfall eingesetzte Expertenkommission kommt zum Ergebnis, dass Krümmel und Brunsbüttel sicher weiterbetrieben werden können. Trauernicht hingegen hält die Sicherheit der beiden AKW keinesfalls für erwiesen und wirft der Kommission einen "verengten Blick" vor.

Weitere Informationen
Atomkraftwerk Grohnde © dpa
 

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