Atomkraft bleibt ein Problem
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Etwa 126.000 Fässer mit radioaktivem Müll lagern in der Asse. (Archivfoto)
Das einsturzgefährdete Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel in Niedersachsen war aus Sicht des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) nie für die Endlagerung von radioaktivem Abfall geeignet. "Seit 1906 war bekannt, dass es dort Laugenzuflüsse gibt", sagte der frühere BfS-Präsident Alexander Kaul am Donnerstag vor dem Asse-Untersuchungsausschuss des Niedersächsischen Landtags in Hannover. Das Salzbergwerk sei schon damals löchrig wie ein Schweizer Käse gewesen. Es sei "bestenfalls als Forschungslabor" geeignet gewesen. Diesen Zweck hätte die Asse auch erfüllt. So sind laut Kaul dort wichtige Erkenntnisse zur Lagerung von Atommüll erforscht worden, etwa der Einfluss der Strahlung auf das Salz.
Der heute 76-jährige Kaul war der erste Präsident des 1989 gegründeten BfS. Er wurde 1999 vom heutigen Präsidenten Wolfram König abgelöst.
Dass die Asse nicht mit dem Salzstock in Gorleben verglichen werden könne, hielten der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Karl-Heinrich Langspecht und FDP-Obmann Björn Försterling für eine zentrale Aussage Kauls. So könne die Salzlinie in Gorleben möglicherweise doch eine sichere Einlagerung von Atommüll gewährleisten.
Für die SPD kritisierte Obmann Detlef Tanke, dass das Bundesumweltministerium in den 1990er-Jahren die Bitte Kauls ignoriert habe, dem BfS die Verantwortung für die Asse zu übergeben. Dies geschah erst 2008. Es sei auch bedenklich, dass das Ministerium nicht auf die Warnungen und Bedenken Kauls reagiert habe. Aus Sicht der Grünen hat der ehemalige BfS-Präsident in seiner Befragung nur Bekanntes bestätigt: Kaul fühle sich offenbar "weniger der Aufklärung verpflichtet, als vielmehr einem Corpsgeist unter atomfreundlichen Wissenschaftlern". Die Linke bezeichnete den Auftritt des "treuen Atomkraftanhängers" Kaul als "unglaubwürdig".
Seit Sommer 2009 will der Untersuchungsausschuss die Missstände in der Schachtanlage Asse bei Wolfenbüttel aufklären. Bis zum Sommer sind noch zahlreiche Zeugenanhörungen eingeplant, darunter am 11. März auch der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident und Ex-Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD).