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Jürgen Webermann war von 2004 bis 2009 vor allem in der Wirtschaftsredaktion von NDR Info tätig und nebenbei als Lehrbeauftragter an der Uni Hamburg mit dem Schwerpunkt Osteuropa beschäftigt. Diese thematische Leidenschaft bringt er heute auch als Reporter bei NDR Info ein. Schwerpunkte sind jedoch Finanz- und Verbraucherthemen sowie Datenschutz, Energie und die Frage, wie lange unsere Erdölreserven noch reichen.

 

Interview

Die HSH Nordbank: Ein normales Kreditinstitut?

Im Februar 2010 hat 45 Min in der Dokumentation "Die Zockerbank" nachgewiesen, dass letztlich eine gefährliche Mischung aus "verfehlter Geschäftspolitik, Dilettantismus und Größenwahn" die HSH Nordbank nahe an einen Zusammenbruch geführt hat. Das Kreditinstitut konnte nur durch Kapitalspritzen in Milliardenhöhe und weitere staatliche Garantien der beiden Eignerländer Hamburg und Schleswig-Holstein, also letztendlich mithilfe des Steuerzahlers, gerettet werden. Von Jürgen Webermann wollten wir nun, ein gutes Jahr später, wissen, was es Neues im Zusammenhang mit der HSH Nordbank gibt.

NDR.de: Ist die HSH Nordbank tatsächlich wieder ein "normales Kreditinstitut", wie der ehemalige Vorstandsvorsitzende Dirk Jens Nonnenmacher in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im April 2011 behauptet hat?

Jürgen Webermann © NDR Fotograf: Klaus Westermann Detailansicht des Bildes Jürgen Webermann meint, es gäbe "Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität" bei der HSH Nordbank. Jürgen Webermann: Ich würde sagen: nein. Die HSH Nordbank muss immer noch große Teile ihres Geschäfts abbauen. Zuletzt war zum Beispiel im Gespräch, das Luftfahrtgeschäft zu verkaufen, also die Finanzierung von Flugzeugen. Und man darf nicht vergessen: Ein großer Teil der HSH ist jetzt eine sogenannte Abbaubank, in der Nordbank-Mitarbeiter versuchen, die schlimmsten Finanzpapiere halbwegs erträglich zu verkaufen. Diese Menschen werden sich am Ende selbst wegrationalisieren, wenn die "Abbaubank" irgendwann ihre Aufgabe erledigt hat und geschlossen wird.

Nachrichten
Dirk Jens Nonnenmacher © dpa Fotograf: Carsten Rehder
 

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Aber es gibt ja Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität. Bis zum April 2011, als Nonnenmacher abtrat, rieben sich sämtliche Kritiker an ihm. Er war eine Reizfigur. Jetzt ist Nonnenmacher weg, sein Nachfolger Paul Lerbinger ist unbescholten, ruhig, sachlich - und zur Erleichterung vieler Bankmitarbeiter ist die Bank seit Nonnenmachers Abgang mehr oder weniger aus den Skandal-Schlagzeilen verschwunden.

NDR.de: Die Bank musste gerettet werden, um einen Staatsbankrott der beiden Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg zu verhindern. Der Verlust im Jahr 2009 hat immerhin 743 Millionen (2008 2,8 Milliarden) Euro betragen. Nun hat die Bank für 2010 schon wieder einen, wenn auch kleinen, Konzerngewinn von 48 Millionen vermeldet, trotz der Kosten für die staatlichen Kapitalgarantien. Wie war das möglich?

Webermann: Die Antwort ist meiner Meinung nach einfach: weil sich die Finanzmärkte deutlich erholt haben. Der Dax war auch in der Finanzkrise arg abgestürzt und steht jetzt wieder auf einem hohen Niveau. Und die Geschäfte der HSH haben sich ebenfalls erholt. Das ist wie bei jedem Anleger, der in der Krise zusehen musste, wie der Wert seiner Aktien oder Zertifikate immer weiter abnahm - und der jetzt erleichtert feststellt, dass das alte Niveau wieder erreicht ist. Da hat bei der HSH niemand gezaubert oder irgendein Wunder bewirkt. Aber fairerweise muss man auch sagen, dass die HSH strukturell umgebaut hat, spart und so ihren Beitrag leistet.

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Logo der Sendung 45 Min © NDR
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Dänische Fregatte © NDR/Marcel Wollgast

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Dokumentation
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Links

Die Chronologie der Finanzmarktkrise, Dossier von tagesschau.de

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