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Botulismus: Wie gefährlich ist Hühnertrockenkot?

Ein Haufen mit Hühnermist. © privat Fotograf: Karlheinz Glander Detailansicht des Bildes Aus der Ferne sieht der Misthaufen ganz harmlos aus ... Es sah aus wie ein harmloser Haufen Mist, aufgeschüttet am Rand eines Feldes bei Langwedel in Niedersachsen. Doch als der örtliche Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Karlheinz Glander, an dem Haufen vorbei spazierte, witterte er sofort Gefahr: "Mir ist aufgefallen, dass da beim Abkippen in der Staubwolke so weiße Fuddel drin waren." Als Glander genauer hinschaute, konnte er erkennen, dass in dem Misthaufen auch Hühnerkadaver waren.

Kadaver haben im Mist nichts zu suchen

Ein Hühnerkadaver in einem Misthaufen. © privat Fotograf: Karlheinz Glander Detailansicht des Bildes ... doch bei näherem Hinsehen entdeckt man darin die Kadaver von Geflügel. Das Problem sind Keime, die sich über den Hühnermist ausbreiten können - vor allem dann, wenn in der Gülle Reste von toten Tieren sind. Daher haben laut Gesetz Kadaver nichts im Mist zu suchen. Doch Papier ist geduldig: Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium gesteht Hühnermästern zu, dass ihre Gülle vereinzelt verendete Tiere enthalten darf. Was vereinzelt bedeutet, teilte das Ministerium auf Nachfrage von NDR Info mit.

"Einen allgemeinen, festen Wert, ab dem davon ausgegangen werden kann, dass verendete Tiere absichtlich dem Hühnerkot beigegeben beziehungsweise nicht entfernt wurden gibt es nicht." (Zitat)

Umgang mit Misthaufen sollte sorgfältiger sein

Verstöße müssten die örtlichen Behörden feststellen. Aber immer wieder finden Bürger nicht abgedeckt Hühnermisthaufen, mit Federn oder Kadaverresten. BUND-Mitglied Glander hat daher wenig Vertrauen: als die Veterinärbehörde den von ihm entdeckten Misthaufen inspizierte, waren die Kadaver verschwunden, die Behörden beließen es bei einer Ermahnung des Landwirts, ärgert sich Glander: "Ich hatte das Gefühl, dass die das Problem unter dem Teppich halten wollten. Was nicht sein kann, darf auch nicht sein."

Stichwort: Botulismus

Botulismus ist eine Lebensmittelvergiftung, hervorgerufen durch das Bakterium Clostridium botulinum, welches das stärkste bakterielle Nervengift (Neurotoxin) produziert. Diese Erkrankung ist in Deutschland mit ca. 50 - 100 Fällen pro Jahr selten. Eine Vergiftung kann durch Nahrungsmittel und Inhalation von Toxinen verursacht werden. Die Ansteckung erfolgt meist durch den Verzehr von Speisen, vor allem Fleisch- und Wurstwaren, die in sauerstoffabgeschlossenen Konserven angeboten werden. (Quelle: AOK)

Wie kommen Rinder mit dem Bakterium in Kontakt?

Biogas-Anlage © picture alliance/dpa Fotograf: Matthias Schrader Detailansicht des Bildes Spielen Biogas-Anlagen überhaupt eine Rolle bei der Verbreitung des Bakteriums, dass bei Rindern Botulismus auslöst? Hühnermist kommt aber nicht nur als Dünger aufs Feld, sondern wird auch in Biogasanlagen vergoren. Manche Experten sehen darin eine Gefahr. Die Anlagen könnten etwa das Bakterium verbreiten, das bei Rindern Botulismus auslöst. Gerhard Breves von der Tierärztlichen Hochschule Hannover befasst sich mit solchen Bakterien: "Das Botulinum-Toxin ist für Mensch und manche Tierarten sicher eines der gefährlichsten Toxine, mit denen der Organismus konfrontiert werden kann und wo bereits kleine Mengen ausreichen, um den Tod von Mensch oder Tier hervorzurufen."

Physiologe sieht kein großes Risikopotenzial bei Biogasanlagen

Der Physiologe hat eine norddeutschlandweit einmalige Studie erstellt und 15 Biogasanlagen und alle gängigen Gärstoffe auf Bakterien untersucht. Auch wenn Hühnermist zum Einsatz kam, war vom Botulismus-Erreger keine Spur. Das Ergebnis will Breves nicht verallgemeinern, aber er gibt ein Stück weit Entwarnung. Dass ein großes mikrobielles Risikopotenzial bestehe, wie es von anderen Seiten in der jüngsten Vergangenheit kommuniziert wurde, könne er anhand der eigenen Stichprobe nicht bestätigen.

Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium beschwichtigt

So sieht es auch das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium. Es hält die Furcht vor einem hohen Risikopotenzial von Biogasanlagen sogar für unbegründet. Und das, obwohl der letzte Beweis eben fehlt. In Schleswig-Holstein sollen daher seit einigen Wochen Landwirte bei Botulismusverdacht genau erfassen, ob in der Nähe ihrer Weiden eine Biogasanlage steht.

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/regional/botulismus115.html
Autor
Kersten Mügge © NDR Fotograf: Klaus Westermann
 

Kersten Mügge

NDR Info

Eine Kurz-Vita des NDR Info Reporters. mehr

Weitere Informationen
Rinder im Morgendunst warten auf Futter. © NDR Fotograf: Erich Schwinge, Holtum.
 

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Internet

Informationen zu einer Tagung im Rahmen des Biogasforums am 30.11.2011 auf der Seite des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums.

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