Kirsten Fehrs im Porträt
Daniel Kaiser stellt die neue Bischöfin der Evangelischen Kirche in Hamburg und Lübeck vor.
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Bischof Gerhard Ulrich segnete Kirsten Fehrs im Lübecker Dom.
So feierlich kann Protestantismus sein. Dutzende Pastoren und Bischöfe in schwarzen Talaren, weißen Gewändern, mit traditionellen Halskrausen oder weißen Stolen ziehen in den Lübecker Dom ein. Die schweren Glocken der alten Kathedrale läuten. Sogar der Zimbelstern klingelt. Es ist ein Festtag für die evangelische Kirche. Man spürt in diesem Gottesdienst: Die Menschen freuen sich auf die neue Bischöfin. Kirsten Fehrs ist Seelsorgerin durch und durch.
Sie habe die Gabe, offen, freundlich und mitfühlend, mit natürlicher Neugier und Witz auf die Menschen zuzugehen, sagte der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich in seiner Ansprache. Er führte Fehrs offiziell ins Amt ein und legte ihr die Halskette mit dem Bischofskreuz um.
Fehrs will die Rolle der Kirche in der Gesellschaft festigen. Sie nehme immer mehr ein "Sehnen nach Segen" wahr, sagte sie. Die Kirche müsse nur oft noch lernen, die Sprache derer zu sprechen, "die etwas von uns brauchen". Sie kündigte an, sich besonders im Kampf gegen Rechtsextremismus engagieren und auch bei Demonstrationen mitgehen zu wollen. Vor allem werde sie der Frage nachgehen, wie man Aussteiger aus der rechtsextremen Szene wirksamer als bislang unterstützen könne.
Kirsten Fehrs ist eine Expertin des Dialogs. Das hat sie bei ihrer Arbeit am ‚Runden Tisch’ als Hamburger Hauptpastorin und Pröpstin gezeigt. Vor allem die Begegnung mit anderen Konfessionen und Religionen will sie als eine "Ökumene gegen die Gottvergessenheit intensivieren, um fundamentalistischen Hetzreden in allen Religionen Einhalt zu gebieten".
So ein feierlicher Gottesdienst mit Musik und in einer vollen Kirche dient der evangelischen Kirche immer auch als Selbstvergewisserung. Die Kirche werde gesucht und gebraucht – trotz aller Kritik, sagte Bischof Ulrich, "trotz all der Fehler und auch der Schuld, die natürlich auch unsere Kirche trägt". Er spielt mit diesen Worten auf die Vorfälle in Ahrensburg an, die wie ein Schatten auf diesem Bischofsfest liegen. In einer Kirchengemeinde dort hatte ein Pastor jahrelang Kinder sexuell misshandelt. Fehrs’ Vorgängerin Maria Jepsen war im Zusammenhang mit dieser Affäre zurückgetreten.
Vor dem Lübecker Dom forderte eine Opfer-Initiative, die kirchlichen Missbrauchsfälle besser aufzuarbeiten.
Kirsten Fehrs versprach am Sonnabend noch einmal, den Fall aufzuklären und das Gespräch mit den Betroffenen zu suchen, "um zu verstehen, wie man Täterstrategien durchbrechen kann". Vor dem Lübecker Dom demonstrierten Selbsthilfegruppen. Ihnen geht die Aufklärung nicht schnell genug. Und Anselm Kohn, der Sprecher der Ahrensburger Opferinitiative, erhofft sich von der neuen Bischöfin einen "Ruck, der durch die Kirche geht". Er habe schon so oft Versprechungen gehört. "Nur passiert ist nicht viel", sagte Kohn.
Bei aller festlichen Stimmung im Dom mit Chören und einem Posaunenchor gab es auch wehmütige Zwischentöne. Dass die offizielle Feier ausgerechnet hier stattfand, war nämlich kein Zufall. Schon am Anfang, im zweiten Satz des Gottesdienstes, fiel die erste Spitze. Dom-Pastorin Margrit Wegner begrüßte die Gemeinde in der "Bischofs-Kirche". Die ist der Dom aber gar nicht mehr. Eigentlich sollte Lübeck die "Hauptstadt" der künftigen Nordkirche werden, nach der Fusion der nordelbischen Kirche mit den ostdeutschen Kirchen in Mecklenburg und Vorpommern. Doch nun steht Lübeck mit leeren Händen da. Denn der Landesbischof der Nordkirche sitzt künftig in Schwerin.
Der Streit um Lübeck hatte das "Ja" zur Nordkirche gefährdet. Der Gottesdienst war ein Trostpflaster für die Lübecker. Und Fehrs versprach auch, künftig so oft wie möglich in Lübeck zu predigen. Ob das reicht? Am Rande der Feier sah man immer noch in viele enttäuschte Gesichter. "Man ist nicht gut mit Lübeck umgegangen", beklagte sich der Lübecker Alt-Bischof Karl-Ludwig Kohlwage. Er rechnet damit, dass der Bischof der Nordkirche über kurz oder lang nicht in Schwerin, sondern eher in Hamburg sitzen werde.