Haupt- und Realschüler werden Oberschüler
Zum neuen Schuljahr nehmen die ersten Oberschulen in Niedersachsen ihren Betrieb auf. 132 haben sich für das umstrittene Modell der CDU-FDP-Regierung entschieden. mehr
Kinder in Norddeutschland haben schlechte Karten - die Bildungssysteme erhalten überwiegend schlechte Noten.
Die norddeutschen Länder haben bei einem bundesweiten Vergleich der Bildungssysteme erneut mäßig bis schlecht abgeschnitten. Niedersachsen landete auf Rang acht der 16 Länder, Mecklenburg-Vorpommern auf Rang 10. Hamburg sieht das Institut der deutschen Wirtschaft, das die Studie erstellte, auf dem 14. Platz. Schleswig-Holstein belegte den vorletzten Platz.
An der Spitze des Bildungsvergleichs stehen Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg. Auf dem letzten Platz landete das Bundesland Berlin. Den Auftrag für die Studie hatte die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gegeben, eine arbeitgebernahe Stiftung.
Der Nordosten hatte sich beim vergangenen Bildungsmonitor noch mit dem 15. Platz begnügen müssen. Die Steigerung auf Rang 10 war die größte Verbesserung unter den 16 Bundesländern. Als besonders stark habe sich Mecklenburg-Vorpommern bei der Integration von Schülern aus bildungsfernen Schichten erwiesen - die Experten vergaben dafür Platz 1. Die Betreuungsrelationen an Schulen, die Förderinfrastruktur und das Gewicht der Forschung an den Hochschulen bewerteten die Tester als überdurchschnittlich. Es habe sich ausgezahlt, dass in den vergangenen fünf Jahren die Schulstrukturen nicht verändert worden seien, sagte Bildungsminister Henry Tesch (CDU).
Schwächen sah die Studie in einem "geringen Beitrag zur Akademisierung und einer wenig effizienten Nutzung von Bildungszeit". Der Arbeitgeberverband Nordmetall sorgt sich weiterhin um Fachkräfte. Trotz der Verbesserungen seien die Ergebnisse nicht zufriedenstellend, sagte ein Sprecher. Laut Studie brechen 40 Prozent der Lehrlinge ihre Ausbildung ab. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte den ökonomischen Blick der Studie. Kinder seien keine Renditeobjekte, sagte die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner.
Nirgendwo erwerben so wenige Schüler eine Studienberechtigung wie in Schleswig-Holstein - Protest gegen das Uni-Sparprogramm der Landesregierung im Jahr 2010.
Für Schleswig-Holstein sehen die Experten vor allem Verbesserungsbedarf bei der Zahl der Wochenunterrichtsstunden an den Schulen und beim Ganztagesangebot. In beiden Kategorien landete das nördlichste Bundesland weit hinten. Bei der Zahl der Schüler, die eine Studienberechtigung erlangen, liegt Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich sogar auf dem letzten Platz. Auch bei der Zahl ausländischer Studierender und Gastwissenschaftler bildet der Norden das Schlusslicht. Einziger Glanzpunkt: Beim Thema Integration erreichte Schleswig-Holstein den 4. Rang.
Schleswig-Holstein hatte im vergangenen Jahr beim Bildungsmonitor insgesamt noch auf dem 12. Platz gelegen.
Unter den norddeutschen Ländern belegten die Niedersachsen mit ihrem bundesweiten achten Rang das beste Ergebnis. Eine besondere Stärke bescheinigten die Macher der Studie dem niedersächsischen Bildungssystem bei der Zeiteffizienz (2. Platz bundesweit) - das heißt: zwischen Cuxhaven und Göttingen wird in wenig Zeit viel gelernt. Beim Thema Internationalisierung landeten die Niedersachsen auf Platz 4. Im Vergleich zu den anderen Bundesländern besteht der Studie zufolge Verbesserungsbedarf vor allem bei den Betreuungsbedingungen und dem Ausbau der Förderinfrastruktur.
2010 lagen die Niedersachsen im Bildungsmonitor noch auf dem sechsten Platz bundesweit.
Das schlechte Hamburger Abschneiden beim Bildungsmonitor geht laut Schulsenator Rabe voll auf Kosten der schwarz-grünen Vorgängerregierung.
Hamburgs Bildungssystem hat sich der Studie zufolge verschlechtert - vom 11. auf den 14. Rang. "Hamburgs Schulen haben unter der CDU-GAL-Regierung erheblich an Boden verloren", sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Die Kämpfe um die Primarschule hätten viele sinnvolle Reformen blockiert. "Der Schulfrieden biete jetzt die Chance, Vertrauen zu schaffen und sich auf das Richtige zu konzentrieren: kleinere Klassen, besserer Unterricht, mehr Ganztagsschulen und zusätzliche Lernförderung", betonte Rabe.
Die größten Schwächen in der Hansestadt identifizierte das Institut der deutschen Wirtschaft in den Bereichen Schulqualität, Bildungsarmut und Forschungsorientierung. Fortschritte habe die Hansestadt bei der Integration und bei der Akademisierung gemacht.
Auch Bremen fiel im bundesweiten Vergleich zurück - von Platz fünf auf sechs. Bildungsarmut und Schulqualität gelten in Bremen als "bleibende Schwächen".
In die Studie waren nach Angaben des Auftraggebers 111 Indikatoren einbezogen worden. Dazu gehört die Infrastruktur des jeweiligen Bildungssystems - wie Angebot an Ganztagsschulen und Kitas sowie Betreuungsrelationen an den Schulen. Untersucht wurden zudem Merkmale, die den Zugang zu Bildung beschreiben - wie Schulabbrecherquoten und der Anteil der Schüler, die von Bildungsarmut betroffen sind. Desweiteren wurden Indikatoren abgefragt, die den Zugang zu höheren Bildungsabschlüssen messen - wie Abiturientenquoten an beruflichen und allgemeinen Schulen oder Ingenieurabsolventen.
Die zugrunde liegenden Daten bezogen sich den Angaben zufolge größtenteils auf das Jahr 2009, aktuellere statistische Daten hätten nicht vorgelegen.