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Bettina Wulff distanziert sich - auch vom Mann

Bettina Wulff an einem Tisch. © dpa-Bildfunk Fotograf: Julian Stratenschulte Detailansicht des Bildes Bettina Wulff wehrt sich auch in ihrem Buch gegen Rotlicht-Gerüchte. (Archivbild) In der Werbekampagne für ihr Buch hat Bettina Wulff nicht nur Gerüchte über eine Vergangenheit im Rotlicht-Milieu dementiert. Auch ihren Mann, Ex-Bundespräsident Christian Wulff, kritisierte sie in mehreren Interviews deutlich. Er habe sie in eine Rolle gedrängt und es im vergangenen Winter nicht geschafft, sich auch um ihre Gefühle zu kümmern. Das bereue Christian Wulff heute. Die öffentliche Diskussion und die Gerüchte im Internet hätten auch die Ehe des Paares belastet, so Bettina Wulff. "Wir haben uns professionelle therapeutische Hilfe geholt, weil man das allein gar nicht verarbeiten kann", sagte die ehemalige First-Lady.

Am Anfang standen die Gerüchte

Zunächst ging Bettina Wulff juristisch gegen Behauptungen vor, sie habe früher im Rotlicht-Milieu gearbeitet. Nun setzt sich die ehemalige First Lady auch mit ihrer Autobiografie dagegen zur Wehr. "Ich habe nie als Escort-Lady gearbeitet, das ist einfach absoluter Quatsch", schreibt sie in "Jenseits des Protokolls". Das 200-seitige Buch war eigentlich für November angekündigt, liegt nun aber schon seit Montag in vielen Buchhandlungen aus.

"Warum machen die das mit mir?"

Bettina Wulff widmet sich in ihrem Buch ausführlich den vor allem im Internet verbreiteten Gerüchten. Unter anderem beschreibt die 38-Jährige darin, wie viel Kraft sie der Trubel um ihre Vergangenheit gekostet habe: "Obwohl ich mich sonst bestimmt für eine starke Frau halte, die so schnell nichts aus der Bahn wirft, habe ich darüber in den Jahren so viel geheult - ich fragte mich: Warum? Warum machen die das mit mir?"

Angst, dass der Sohn ihren Namen googelt

Im Jahr 2006 habe Wulff sich erstmals mit den Verleumdungen auseinandersetzen müssen. Ihr Mann war da noch niedersächsischer Ministerpräsident. Einige der Internetseiten habe sie sich angeschaut, schreibt Bettina Wulff, aber es nicht ausgehalten, alles zu lesen. "Mein Sohn Leander ist nicht mehr SO klein und selbstverständlich geht er auch ins Internet, googelt, und wenn er dann meinen Namen eingibt und als Erstes solche Begriffe liest und auf solche Seiten kommt, dann finde ich das einfach so etwas von entsetzlich und beschämend. Für dieses Gefühl fehlen mir die Worte."

Einflussreiche Politiker fragten Wulff nach seiner Frau

Christian Wulff mit Ehefrau Bettina und Tochter Annalena kurz nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten © dpa Detailansicht des Bildes Wulff mit Frau Bettina und Tochter Annalena kurz nach der Wahl. (Archivbild) Bettina Wulff findet scharfe Worte über die Denunziationen im Netz: "Man kann gar nicht so viel essen wie man kotzen möchte", schreibt sie in einem Kapitel. Noch in der Nacht, als ihr Mann zum Bundespräsidenten gewählt worden sei, hätten ihn einflussreiche Politiker gefragt, ob nicht doch etwas dran sei an den Gerüchten über das Vorleben seiner Frau. "Absoluter Quatsch", entgegnet sie in ihrer Autobiografie.

"Bild"-Affäre ihres Mannes ist Thema

Es geht auch um die Zeit ihres Ehemanns als Bundespräsident - und das Verhältnis zur "Bild"-Zeitung. Ihre Haltung gegenüber dem Boulevardblatt beschreibt Bettina Wulff als pragmatisch. "Es ist alles ein großes Spiel, bei dem es nur ein Ziel gibt: Auflage zu machen." Als ihr Mann noch Ministerpräsident war, sei ihnen die Zeitung zweifellos sehr wohlgesonnen gewesen. Bei einem gemeinsamen Frühstück auf Schloss Bellevue habe Chefredakteur Kai Diekmann sie dann plötzlich auf die Rotlicht-Gerüchte angesprochen. "Ich war völlig entgeistert, mir blieb fast das Brötchen im Halse stecken", schildert sie.

Negative Berichte "zehrten an den Nerven"

Ein Jahr später war die Stimmung komplett gekippt. Christian Wulff rief bei Diekmann an, um einen Bericht über seinen Hauskredit zu verhindern. Das sei ein "riesengroßer Fehler" gewesen. "Nach dem Anruf war es vorbei mit dem vermeintlich guten Verhältnis." Sie hätten keinen Tag die Zeitung aufschlagen, das Radio oder den Fernseher anschalten können ohne etwas Negatives über sich zu hören. "Das zehrte mächtig an den Nerven", gibt die ehemalige First Lady zu.

"Bewusst ein Stück weit von Christian entfernt"

Bundespräsident Christian Wulff spricht neben seiner Frau Bettina im Schloss Bellevue in Berlin. © dpa-Bildfunk Fotograf: Michael Kappeler Detailansicht des Bildes Bettina Wulff mit ihrem Mann Christian Wulff, als dieser seinen Rücktritt bekannt gibt. (Archivbild) Am 17. Februar sei dann alles vorbei gewesen. Wulff trat zurück, und seine Frau war irgendwie auch erleichtert. "Ganz bewusst aber stellte ich mich ein Stück weit entfernt von Christian, um so zu zeigen: Ich bin eine eigenständige, selbstständige Frau." Danach sei die Politikerfrau allerdings in ein großes Loch gefallen. "Ich habe mich zurückgezogen, weil ich einfach lange Zeit über meine physischen und psychischen Kräfte gelebt habe."

Autobiografie soll Gerede beenden

Am Ende des Buchs heißt es: "Auf gar keinen Fall sollen meine Kinder mit diesen bösen Anschuldigungen über eine vermeintliche Vergangenheit im Rotlichtmilieu aufwachsen." Familie und Freunde sollen nicht länger leiden. "Darum gehe ich in die Offensive."

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Hintergrund
Bundespräsident Christian Wulff sitzt mit seiner Frau Bettina im Norderney-Urlaub in einem Strandkorb. © dpa Fotograf: Holger Hollemann
 

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