Lauter Protest gegen Atomkraft in Kiel
Tausende Menschen haben in Kiel für einen schnellen Atomausstieg protestiert. Der Demonstrationszug mit bunten Transparenten und lauter Musik führte vom Hauptbahnhof zum Rathausplatz.
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So wie hier in Hannover demonstrierten rund 10.000 Menschen in ganz Niedersachsen für einen schnellen Atomausstieg.
Mehr als 10.000 Menschen sind dem Aufruf von Gewerkschaften, Umweltinitiativen und Oppositionsparteien gefolgt und haben am Sonnabend in Norddeutschland gegen die Atomkraft demonstriert. Ziel der Protestierenden: Ein sofortiger Ausstieg aus der von ihnen als unsicher und nicht beherrschbar bezeichneten Atomenergie und die Stilllegung aller deutschen Meiler. Unter anderem fanden in Hamburg, Hannover, Bremen, Göttingen, Kiel und Güstrow Protestmärsche unter dem Motto "Atomkraft Schluss!" statt.
Während die Atomkraftgegner auf den Straßen im Norden protestierten, traf sich in Berlin die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingesetzte Ethikkommission zu ihrer Abschlusssitzung. Am Sonnabendnachmittag wurde bekannt, dass die Experten der Bundesregierung einen Atomausstieg innerhalb von zehn Jahren empfehlen. Der Bericht der Kommission ist eine wichtige Grundlage für die Entscheidung der Regierung, die womöglich noch am Sonntag fällt.
Vor dem Beschluss über einen möglichen Atomausstieg im kommenden Jahrzehnt versuchten die Demonstranten, den Druck auf die Regierung durch bundesweite Aktionen noch einmal zu erhöhen. In Hannover kamen nach Veranstalterangaben mehr als 12.000 Menschen zur Protestkundgebung auf den Opernplatz. Die Polizei sprach von 5.000 Personen. "Spätestens bis 2017 müssen die Atomkraftwerke abgeschaltet sein", forderte IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine. Die Reaktorkatastrophe in Fukushima habe gezeigt, dass die Technologie nicht mehr beherrschbar sei. "Sie hat bei uns keinen Platz mehr", sagte Meine.
In Göttingen nahmen mehr als 2.000 Menschen an der Demonstration teil. An der Spitze des Zugs rollten rund dreißig Traktoren mit Anti-Atomkraftplakaten. Weitere Aktionen fanden in Wilhelmshaven, Uelzen, im Wendland sowie in Bremen statt.
Neben dem Wasser und auf dem Wasser demonstrierten in Hamburg rund 9.000 Menschen für einen schnellen Atomausstieg.
In Hamburg beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 9.000 Menschen an einem Protestmarsch vom Jungfernstieg über den Gänsemarkt und die Reeperbahn bis zum Fischmarkt. Die Veranstalter nannten die Zahl von rund 20.000 Teilnehmern. "Ich bin bis jetzt sehr zufrieden und freue mich, dass so viele dabei sind. Das Engagement ist groß", sagte Karin Holzapfel von der Umweltorganisation Robin Wood.
Auf der Elbe schlossen sich Segler den Protesten an Land an. Zuletzt waren zu einer großen Anti-Atomkraft-Demonstration in Hamburg Ende März rund 50.000 Menschen gekommen.
In Güstrow demonstrierten rund 700 Menschen für eine konsequente Energiewende. Ingo Schlüter vom DGB Nord sagte, der Verzicht auf Kernkraft bringe nicht nur höhere Sicherheit: Er bringt uns einen gigantischen Technologieschub, neue Arbeitsplätze und erhebliche Wettbewerbsvorteile."
Das Atomkraftwerk Krümmel in Geesthacht ist bereits seit 2009 nicht mehr am Netz.
Damit es in Deutschland nicht zu einem Super-GAU wie im japanischen Fukushima komme, müssten nicht nur die sieben ältesten, sondern alle 17 Atomkraftwerke dauerhaft stillgelegt werden, so die Initiatoren der Proteste. Eine Laufzeit einiger Kernkraftwerke bis 2022 akzeptiere das Bündnis nicht. Große Teile der Bevölkerung seinen nicht damit einverstanden, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "zwar so tut, als mache sie eine 180-Grad-Kehrtwende in der Energiepolitik, am Ende dann aber doch wieder die Interessen der großen Stromkonzerne bedient", sagte der Sprecher der Organisation "ausgestrahlt", Jochen Stay, zu den Beweggründen für die erneuten Demonstrationen. "Alle Reaktoren müssen stillgelegt werden, weil bei keinem einzigen die Kernschmelze auszuschließen ist."
Am Montag soll es erneut in mehr als 400 Orten Mahnwachen und Kundgebungen geben, teilte die Organisation „ausgestrahlt“ mit. Die Initiative „X-tausendmal quer“ kündigte an, dass am Pfingstwochenende Tausende Umweltschützer den Verkehr zum Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein blockieren wollten. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg teilte mit, dass Protestaktionen gegen den nächsten Castortransport nach Gorleben geplant seien. Der Transport mit hoch radioaktivem Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague wird für November erwartet.