Buxtehude beteiligt sich am Airbus-Warnstreik
Auch am kleinsten Konzernstandort in Buxtehude haben sich rund 200 Mitarbeiter am Airbus-Warnstreik beteiligt. Noch ist der Protest dort eher leise. mehr
Allein in Hamburg beteiligten sich etwa 8.000 Airbus-Mitarbeiter an den Warnstreiks.
Der Tarifstreit bei Airbus spitzt sich zu: Mehr als 11.000 Beschäftigte des Flugzeugbauers sind einem Aufruf der IG Metall Küste gefolgt und sind am Freitag in den Warnstreik getreten. Die Mitarbeiter versammelten sich vor den Toren der Werke in Hamburg, Bremen, Buxtehude und Stade, wo Arbeitnehmervertreter bei Kundgebungen über die Tarifsituation informieren wollten. Insgesamt waren im Norden rund 16.600 festangestellte Mitarbeiter aufgerufen, in den Ausstand zu treten. Betroffen sind laut IG Metall Früh-, Spät- und Nachtschicht.
"Dass die deutsche Geschäftsführung offen mit Produktionsverlagerung nach Frankreich droht, schlägt dem Fass den Boden aus", sagte IG-Metall-Tarifsekretär Daniel Friedrich in Hamburg. Er warf dem Management vor, die Arbeitsprozesse nicht im Griff zu haben. "Wir sollen das bezahlen. Das geht nicht."
Die Airbus-Verhandlungsführer sollten "nicht realisierbare Forderungen wie die nach einer jährlichen Produktivitätssteigerung von acht Prozent" fallen lassen, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken in Bremen. Solche Steigerungsraten seien den Beschäftigten nicht zuzumuten. "In vielen Bereichen arbeiten sie schon jetzt am Rande des Möglichen." Ein Mitarbeiter, der schon seit 37 Jahren für Airbus arbeitet, befürchtet, dass eine Beschleunigung der Durchlaufzeiten auf die Qualität gehen würde.
Von den Warnstreiks betroffen sind laut IG Metall Früh-, Spät- und Nachtschicht.
Airbus zeigte kein Verständnis für den Ausstand, bekräftigte aber die Bereitschaft zu einer langjährigen Job- und Einkommensgarantie bis 2020. "Wir haben ein in Deutschland einmaliges Angebot vorgelegt: neun Jahre Arbeitsplatzgarantie für alle Airbus-Beschäftigten", sagte Airbus-Sprecher Florian Seidel in Hamburg-Finkenwerder. In diesem Jahr werde der Konzern bis zu 1.000 neue Mitarbeiter fest einstellen.
Eine solche Arbeitsplatzgarantie könne es jedoch nicht umsonst geben. "Damit wir langfristig wettbewerbsfähig bleiben, müssen wir stetig produktiver werden. Überall auf der Welt drängen neue Konkurrenten auf den Markt", sagte Seidel.
Die Streikenden zeigen Airbus die rote Karte.
Der Flugzeugbauer und die Gewerkschaft verhandeln seit eineinhalb Jahren über einen Vertrag für die deutschen Airbus-Mitarbeiter, in dem Beschäftigung, Standorte und Einkommen bis 2020 gesichert werden sollen. Die IG Metall fordert unter anderem mehr Stammpersonal, mehr Mitbestimmung bei der Arbeitsorganisation sowie bei der Leiharbeit. Die Zahl der Leiharbeiter soll von derzeit 22 auf 15 Prozent reduziert werden. Airbus hingegen will die Wettbewerbsfähigkeit sichern und die Produktivität erhöhen.
Arbeitgeber- und Arbeitnehmer forderten sich gegenseitig auf, wieder zu verhandeln. Dafür plädiert auch der niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP). Er fürchtet, dass sich die Situation durch die Warnstreiks verhärtet. Deshalb müsse schnellstmöglich ein tragfähiger Kompromiss her.
"Wir wollen endlich auch in Argentinien landen", sagte Airbus-Kommunikationschef Ohler.
Unterdessen hat der Flugzeugbauer angekündigt, künftig auch in Argentinien Geschäfte machen zu wollen: "Weltweit haben wir einen Marktanteil von 50 Prozent und wir wollen endlich auch hier in Argentinien landen", sagte Airbus-Kommunikationschef Rainer Ohler nach einem Gespräch mit Argentiniens Außenminister Héctor Marcos Timermann am Donnerstag in Buenos Aires. Das Gespräch war Teil der neuntägigen Südamerika-Reise von Niedersachsens Landeschef David McAllister (CDU).