Sendedatum: 05.12.2011 20:15 Uhr  | Archiv

Weihnachtssüßigkeiten mit Schuss

Viele Menschen wollen ihren Kindern und Enkelkindern die Weihnachtszeit mit Schokolade und Naschereien versüßen. Doch was viele nicht ahnen: In Süßigkeiten, die so aussehen, als seien sie für Kinder, ist oftmals Alkohol enthalten. Zum Beispiel in Produkten von namhaften Herstellern wie Lindt, Hachez, Kraft, Schwermer und Niederegger. Auf der Vorderseite der Verpackung ist dies aber nicht gesondert gekennzeichnet, sodass viele Kunden dies gar nicht bemerken.

Kritik von Verbraucherschützerin Silke Schwartau

Besonders häufig steckt Alkohol in Marzipan. Wie zum Beispiel in Produkten von Niederegger. Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert vor allem die Verpackung: "Man sieht bei vielen Produkten, dass Kinder abgebildet sind. Man denkt also, sie sind auch für Kinder geeignet, aber das sind sie eben nicht, weil Alkohol in der Zutatenliste steht. Da müssen die Hersteller nachbessern."

Bei vielen Produkten findet man den Alkohol nur versteckt auf der Zutatenliste. Die Schrift ist dabei oft sehr klein und sehr schwer zu lesen. Silke Schwartau vermutet: "Ich denke mal, dass hier auch Informationen verschleiert werden sollen". Auch Schnaps in verschiedensten Variationen wie Calvados und Cointreau finden wir in Weihnachtsnaschereien und sogar in Adventskalendern.

Reaktionen der Hersteller

Die Hersteller weisen unsere Vorwürfe zurück. Milka verweist sogar auf die Internetseite, wo die Zutatenliste in "größerer Schriftgröße" zu finden sei. Immerhin Lindt will aufgrund der Markt-Recherche seine Weihnachtspralinen in Weihnachtsmannform "(...) ab dem nächsten Jahr auf alkoholfreie Pralinen umstellen." Ansonsten halten fast alle Hersteller ihre Kennzeichnung für ausreichend. Zudem sei Alkohol eine "handelsübliche Methode" zur "Konservierung".

Ernährungswissenschaftler sehen das anders. Für sie ist Alkohol in Weihnachtsschokolade nicht notwendig. Für Geschmack und Konservierung gibt es Alternativen. Suchtexperten, wie Prof. Dr. Rainer Thomasius vom Deutschen Zentrum für Suchtforschung, betonen: "Vor dem 14. Lebensjahr sollten Kinder keinen Alkohol zu sich nehmen."

Dieses Thema im Programm:

Markt | 05.12.2011 | 20:15 Uhr

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