Programmtipp
Klare Gemüsebrühe © picture-alliance / dpa / Stockfood Fotograf: Eising, Susie

Was steckt wirklich in Gemüsebrühe?

Markt
28.04.2014 | 20:15 Uhr

Gemüsebrühe ist die Grundlage für viele Gerichte. Das Angebot in Supermärkten und Bioläden ist riesig. Aber enthalten die Produkte wirklich viel Gemüse? Markt will’s wissen.mehr

 

Verlässlich? Hotel-Bewertungen im Internet

von Rainer Mueller-Delin

Mehr als 30 Millionen Deutsche informieren sich vor ihrem Urlaub im Internet. Rund sieben Millionen von ihnen nutzen zur Urlaubsplanung Reiseportale. Für sie dürfte ein Urteil interessant sein, das das Landgericht Hamburg gefällt hat: "Wer im Internet ein Reisebuchungsportal betreibt, in dem auch fremde Hotelbewertungen publiziert werden, haftet für die Richtigkeit der in den Bewertungen behaupteten Tatsachen" (AZ 327 O 607/10). Dem Urteil war eine Klage der Hotelkette "A&O Hotels and Hostels" vorausgegangen. Das Unternehmen hatte das größte deutschsprachige Bewertungsportal "Holidaycheck" verklagt. Der harte Vorwurf: Ein Drittel der Bewertungen über die "A&O Hotels" seien unwahr.

Finanzierung über die Vermittlung von Reisen

Auf "Holidaycheck" kann jeder Internetnutzer anonym Hotels bewerten. Ob man tatsächlich dort gewesen ist, wird aber kaum kontrolliert. Deshalb will die Hotelkette "A&O" aus dem Bewertungsportal herausgenommen werden. Das Urteil, gegen das "Holidaycheck" Berufung eingelegt hat, könnte weitrechende Folgen für alle Hotelbewertungsportale haben. Denn viele finanzieren sich durch die Vermittlung von Reisen, die auf ihren Seiten angeboten werden. Das bedeutet: Je mehr Besucher die jeweilige Homepage anklicken, desto besser. "Holidaycheck" ködert mit "über sieben Millionen unabhängigen Urlaubermeinungen". "Tripadvisor" wirbt mit "mehr als 50 Millionen Bewertungen und Erfahrungsberichten von Reisenden". Und "Trivago" stellt sich als "Europas größter Hotelpreisvergleich mit über 500.000 Hotels" dar.

Das Gericht hat in seinem Urteil über "Holidaycheck" festgestellt: "Im Vordergrund steht bei dem Meinungsportal nicht das uneigennützige Motiv die Öffentlichkeit zu informieren, sondern die Attraktivität ihres gewerblichen Online-Angebots zu steigern."

Wie kontrollieren die Portale?

Dabei betonen die Hotelbewertungsportale, dass alle Bewertungen eine interne Prüfung durchlaufen würden. Markt hat nachgefragt.

  • "Trivago" schreibt, es werde bei Auffälligkeiten "als Nachweis eine Rechnung oder eine Buchungsbestätigung von dem Verfasser angefordert." Wenn auf diese Anforderung kein Nachweis folgt, "wird die Bewertung innerhalb von sieben Tagen gelöscht."

  • Ähnlich antwortet "Tripadvisor": "Die Bewertungen werden systematisch durch unsere unternehmenseigenen Site-Tools überprüft, die regelmäßig ausgebaut und erweitert werden."

  • "Holidaycheck" schreibt: "Jede abgegebene Bewertung durchläuft zunächst ein elektronisches Sieb. Hierbei überprüfen wir sie nach - momentan - 16 Kriterien." Zudem würde sich ein 60-köpfiges Team die Bewertungen genauer anschauen.

Der Markt-Reporter wollte das genauer wissen und hat selbst Bewertungen geschrieben, obwohl er noch nie in den beschriebenen Hotels gewesen ist. Das erstaunliche Ergebnis: Bei "Trivago" ist der Text innerhalb von Sekunden online. "Tripadvisor" benötigt einen Tag. Doch auch dort geht der Text mit den falschen Angaben online. Nur bei "Holidaychek" wurde die fingierte Bewertung erst mal nicht online gestellt. Doch beim zweiten Versuch haben die Kontrollen von "Holidaycheck" offenbar versagt, und der Text war für alle Besucher der Seite zu lesen.

Tipps für Verbraucher: Gefälschte Bewertungen erkennen

Wie können Verbraucher erkennen, welche Bewertungen gefälscht sind und welche der Realität entsprechen? Verbraucherschützer raten dazu, die Bewertungen der Hotels auf mehreren Portalen zu vergleichen. Wenn sie allzu sehr nach Katalogsprache klingen, sollte man misstrauisch werden: Zum Beispiel: "Die Hotelbar lädt zum Verweilen ein." Wenn sich diese Passagen auch noch wortgleich in anderen Portalen wiederfinden, ist Vorsicht geboten. In den Bewertungen sollten auch konkrete Situationen geschildert werden, wie etwa "Für unsere Kinder gab es Hochstühle im Restaurant". Urlauber sollten auch darauf achten, dass die Hotelbewertungen mit Fotos belegt sind. Ein zuverlässigeres System gibt es bei dem Hotelreservierer HRS. Dort wird eine Beurteilung erst online gestellt, wenn jemand ein Zimmer gebucht hat und nach dem Aufenthalt eine Fragenbogen-Mail ausfüllt. Bei einem Test der Stiftung Wartentest erhielt allein das Portal "hotelkritiken.de" die Note gut für das Herausfiltern manipulierter Bewertungstexte.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 12.12.2011 | 20:15 Uhr

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Pressemitteilung des Landgerichts Hamburg zum Urteil über den Unterlassungsanspruch einer Hotelbetreiberin.

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