Stand: 04.06.2012 12:01 Uhr  | Archiv

Türen und Fenster richtig sichern

von Jennie Radü, Dirk Zblewski
Bild vergrößern
"Bei den Schließzylindern gibt es eine sehr breite Qualitätsvariation", sagt unser Experte. Manche sind innerhalb kürzester Zeit zu knacken.

Um Haus- oder Wohnungstür zu sichern, gibt es Schließzylinder und Türschilde (Beschläge), Kastenzuschatzschlösser und Querriegelschlösser. Doch worauf kommt es beim wirksamen Schutz vor Einbruch an? Markt ist ins Prüflabor der VdS Schadenverhütung (ein Unternehmen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft) nach Köln gefahren. Was diesen Profi-Schlossknackern im Dienste von Versicherungswirtschaft und Herstellern widersteht, ist wirklich gut.

Schließzylinder

"Bei den Schließzylindern gibt es eine sehr breite Qualitätsvariation. Das Problem für den Anwender ist, dass ein Schließzylinder im Prinzip aussieht wie der andere", so Paulus Vorderwülbecke vom VdS. In unserer Prüfung war der im Baumarkt gekaufte Zylinder innerhalb kürzester Zeit geknackt.

Türbeschläge

Türschilder sollen normalerweise verhindern, dass Schließzylinder abgedreht, abgebrochen, herausgezogen oder durchgeschlagen werden. Wie bei den Schließzylindern gibt es auch hier große Unterschiede in der Qualität. Relativ zügig war das No-Name-Produkt mithilfe zweier Schraubenzieher weggehebelt und überwunden. Ganz anders das Türschild Abus KLT 512 F2: Selbst ein Meißel kann ihm kaum etwas anhaben.

Kastenzusatzschlösser

Nachträglich angebracht werden müssen Kastenzusatzschlösser. Diese Riegelschlösser werden innen angebaut, wo sie mit einem Drehknauf bedient werden. Auf der Außenseite der Tür befindet sich meistens ein Außenzylinder zum Schließen mit einem Schlüssel. Kastenzusatzschlösser sind dazu gedacht, der Tür einen weiteren Schutz zu bieten. Bei unserem Einbruchversuch im Labor des VdS gab das BASI KS 500 schon nach fünf Sekunden auf. Wesentlich besser weil im Test nicht zu öffnen: das IKON 132. Dazu Paulus Vorderwülbecke: "Ein Täter, der wie hier in der Prüfung zwei oder drei Minuten arbeiten muss, der wird sein Glück sicherlich woanders suchen."

Querriegelschloss

Bild vergrößern
Damit ein Querriegel auch wirklich Schutz bietet, sollte er der Sicherheitsnorm A vom VdS entsprechen.

Bei einem Anschaffungspreis von über 300 Euro sind Querriegelschlösser relativ teuer. Mit Gewalt lassen sie sich nicht öffnen; der Panzerriegel, der über die ganze Türbreite reicht, hält in der Regel zuverlässig stand. Das Querriegelschloss hat jedoch eine ganz andere Schwachstelle - den Schließzylinder. Deshalb sollten Verbraucher bei der Anschaffung eines Querriegelschlosses darauf achten, dass der Schließzylinder möglichst Sicherheitsnorm VdS A besitzt, so Paulus Vorderwülbecke.

Unser Fazit: Über einige im Handel angebotene Türsicherungen dürften echte Einbrecher nur müde lächeln. Wer sein Hab und Gut zuverlässig schützen möchte, sollte immer sicherheitsgeprüfte Produkte einbauen.

Der beste Schutz für Fenster

Neben den Türen sind Fenster der sensible Punkt an einem Haus. Besonders gesichert werden sollten alle Fenster, die leicht erreichbar sind: im Erdgeschoss oder Souterrain, aber auch Balkon- und Dachfenster. Ganz wichtig ist neben der mechanischen Sicherung, dass diese Fenster nicht offen stehen, wenn niemand im Haus ist. Auch wenn ein Fenster nur gekippt ist, kann ein Einbrecher ohne Probleme einsteigen. In diesem Fall zahlt auch die Versicherung nicht.

Die richtigen Beschläge

Wer gerade neu baut oder neue Fenster einsetzen lässt, sollte sich die Beschläge der Fenster genau ansehen. Gewöhnliche Fenster haben Verriegelungen mit Rollzapfen, die zwar gegen Wind und Regen schützen, aber bei einem Hebelwerkzeug sofort nachgeben. Anders die sogenannten Pilzkopfzapfen: Diese verhindern, dass das Fenster aufgebrochen werden kann. Fensterbeschläge mit Pilzkopfzapfen reichen für gewöhnliche Privathäuser oder -wohnungen in der Regel aus. Sie lassen sich auch im Nachhinein einsetzen, sind dann aber deutlich teurer.

Aufschraubbare Nachrüstungsmodelle

Wer nicht gleich das komplette Fenster austauschen möchte, kann auf verschiedene art und Weise nachrüsten. Die Auswahl ist groß: Neben Zusatzkastenschlössern gibt es auch Fensterstangenschlösser und Bändersicherungen. Wichtig hierbei: Das Fenster sollte sowohl an der Griffseite als auch an der Bandseite gesichert werden. Die Sicherung am Griff sollte abschließbar sein und der Schlüssel immer abgezogen werden. Gegen das Aufhebeln schützen die abschließbaren Griffe alleine jedoch nicht.

Einbruchssicheres Glas und Fenstergitter

In der Regel werfen Einbrecher keine Fensterscheiben ein, um in ein Haus oder eine Wohnung zu gelangen. Zum einen ist das wesentlich lauter als das Aufhebeln, zum anderen birgt es für sie selbst eine Verletzungsgefahr. Dennoch kann es sinnvoll sein, einbruchhemmendes Glas zu wählen. Ergänzend dazu sollten aber auch die Beschläge gesichert sein. Ein Gitter vor ein Fenster zu montieren, ist eine Möglichkeit, wenn das Fenster häufig gekippt sein soll - beispielsweise ein Toilettenfenster. Es muss stabil sein und fachgerecht befestigt werden.

 

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/schloesser104.html