Stand: 23.10.2017 11:20 Uhr

Mängel im Urlaub: So gibt's Geld zurück

Wer Mängel in einem Ferienhaus, einer Ferienwohnung oder einem Hotelzimmer feststellt, muss schnell reagieren. Sonst verfallen viele Ansprüche und der Reisende muss auf eine mögliche finanzielle Entschädigung verzichten. Wichtig: Die Mängel dokumentieren, am besten von einem Zeugen bestätigen lassen und dem Vermieter beziehungsweise der Verwaltung schriftlich melden und Abhilfe fordern. Werden die angezeigten Mängel nicht beseitigt, kann der Urlauber die Miete kürzen.

Ferienhaus: Der Anbieter haftet, nicht der Vermittler

Buchen Urlauber ein Ferienhaus bei einem Reiseveranstalter, wird's rechtlich kompliziert. Denn einige Veranstalter bieten die Häuser selbst an, andere vermitteln sie nur. Wenn's Ärger gibt, haftet aber nur der Anbieter, nicht der Vermittler. Tipp: Klären Sie, wer der Anbieter Ihres Ferienhauses ist. Nur bei ihm können Sie während des Aufenthalts Reisemängel anmelden. Verschleiert ein Reiseveranstalter die Identität des Vermieters, können Sie den Veranstalter für Reisemängel in die Pflicht nehmen.

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Mieses Hotelzimmer auf Gran Canaria

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Weil ihr Hotelzimmer auf Gran Canaria heruntergekommen ist, verlangt Familie H. eine Entschädigung vom Reiseveranstalter. Doch der weigert sich zu zahlen. Markt mischt sich ein. Video (06:22 min)

Hotel: Mängel am Urlaubsort anzeigen

In den Katalogen vieler Reiseveranstalter werden die Unterkünfte in der Regel sehr positiv dargestellt. Die Wirklichkeit sieht oftmals ganz anders aus: Am Büfett gibt's nur labberige Nudeln, der Pool ist verdreckt und auf dem Gelände tönt jeden Tag der Presslufthammer. Ein solches Horrorszenario müssen Urlauber nicht dulden, sagen Experten. Wichtig:

  • Mängel protokollieren: Meist gibt es vor Ort vorgefertigte Mängelprotokolle. Die sollte man ausfüllen und von der Reiseleitung unterschreiben lassen. Dabei müssen die Mängel so konkret wie möglich beschrieben werden, also zum Beispiel statt "Schimmel" besser "2 x 2 Meter großer Schimmelfleck rechts neben der Terrassentür".
  • Beweise sammeln: Dokumentieren Sie Mängel mit eigenen Fotos oder Videos. Im Zweifel reichen die Aufnahmen einer Handy-Kamera, selbst wenn sie technisch nicht perfekt sind. Notieren Sie die Namen von Zeugen, die den Mangel bestätigen können.
  • Frist beachten: Ganz wichtig: Nach der Rückkehr haben Reisende nur einen Monat Zeit, ihre Ansprüche beim Reiseveranstalter anzumelden.

Bei Pauschalreisen von großen Veranstaltern sehen Experten gute Chancen, dass Geschädigte einen finanziellen Ausgleich bekommen: "Häufig einigt man sich auf einen Vergleich, weil die Reiseveranstalter eine möglicherweise langwierige und kostspielige Gerichtsverhandlung scheuen."

Reisemängel: So hoch ist die Minderung

Kiesel statt Sand am Strand, fehlender Meerblick: Weicht die Reise von der Beschreibung im Prospekt ab, kann der Urlauber den Preis mindern - egal ob der Veranstalter schuldhaft gehandelt hat. Wie hoch die Minderung ausfällt, muss in jedem Einzelfall entschieden werden. Eine Orientierung bietet die sogenannte Frankfurter Tabelle (zum Herunterladen auf den Internet-Seiten der Stiftung Warentest).

Darüber hinaus können Reisende Ansprüche auf Schadenersatz und sogar Entschädigung für "entgangene Urlaubsfreude" geltend machen:

  • Schadenersatz erhält man, wenn der Veranstalter schuldhaft einen Schaden herbeigeführt hat, zum Beispiel bei einem Unfall durch eine nicht gesicherte Baustelle auf dem Hotel-Gelände.
  • Entschädigung für "entgangene Urlaubsfreude" wird fällig, wenn zum Beispiel das Hotel überbucht ist und dadurch die Reise ausfällt, der Reisende vier Mal während des Urlaubs das Hotel wechseln oder auf dem Boden schlafen muss.

So urteilen Gerichte

  • Herabfallende Kokosnüsse

    Wegen ständig vom Baum fallender Kokosnüsse beschwerte sich ein Reisender auf den Malediven bei der Hotelleitung. Das Oberlandesgericht Koblenz wies die spätere Klage ab: Die Beeinträchtigung sei gering, außerdem hätte sich der Kläger nicht bei der Hotelleitung, sondern beim Reiseveranstalter beschweren müssen.

  • Wind und Wellen

    Schlechtes Wetter, hohe Wellen: Deshalb konnte ein Reisender auf den Seychellen zwei Wochen lang weder baden noch schnorcheln. Ein Grund für eine Reisepreisminderung sei das aber nicht, urteilte das Landgericht Hannover: Jeder Reisende müsse das natürliche "Risiko" des Wetters hinnehmen.

  • Reiseberichte im Internet

    Eine schlechte Bewertung auf einem Reiseportal im Internet ist kein ausreichender Grund, von einer Reise zurückzutreten. Das entschied das Amtsgericht Hannover. Der Urlauber müsse gravierende Mängel darlegen. Dazu seien Beiträge in Bewertungsforen nicht geeignet, so das Gericht.

  • Senioren an Bord

    Senioren-Schiff statt Party-Kreuzer: Die kurzfristige Umbuchung des Reiseveranstalters wollten sich zwei Abiturientinnen nicht gefallen lassen. Das Landgericht Frankfurt gab ihnen Recht: Der Luxus-Dampfer mit den Senioren (Alter: 75+) entspreche nicht der ursprünglich gebuchten Piraten-Party.

  • Moskitos

    Das Landgericht Hamburg hat entschieden, dass Moskitos in den Tropen kein Reisemangel sind. Vielmehr seien die Kläger mit falschen Vorstellungen und fehlender Anpassungsbereitschaft gereist. Die Klage wurde weitgehend abgewiesen.

  • Fliegen am Büfett

    Bei einem Büfett im Freien müssen Urlauber auch die Anwesenheit von Fliegen hinnehmen. Ein "offenes Restaurant", so die Beschreibung im Prospekt, habe keine Wände, begründete das Amtsgericht Aschaffenburg. Urlauber müssten deshalb mit Insekten rechnen.

  • Strand der einsamen Herzen

    Urlauber dürfen nicht erwarten, dass sie an einem Strand am Urlaubsort allein sind. Das Amtsgericht Aschaffenburg wies damit die Klage eines Ehepaares zurück, das sich durch ein Volksfest von Einheimischen auf Mauritius in seiner Urlaubsruhe gestört fühlte.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 30.10.2017 | 20:15 Uhr

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