Sendedatum: 24.09.2012 20:15 Uhr  | Archiv

Fahrradlampen: Gut genug für die Dunkelheit?

von Lena Wendt

Jeden Tag rollen Tausende Norddeutsche mit ihrem Radel durch die Stadt. Da es jetzt wieder früher dunkel wird, fällt auf, dass viele Fahrräder nicht richtig oder falsch beleuchtet sind. Zudem fehlen bei vielen Rädern auch die Reflektoren vorn und hinten sowie an den Pedalen und Speichen oder Reifen, sagt Jörg Wellendorf vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. Das kann im Zweifel nicht nur teuer, sondern auch richtig gefährlich werden.

Stecklichter nicht für normale Fahrräder zugelassen

Das falsche Licht am Rad sind vor allem Stecklichter. Viele wissen nicht, dass so eine Lampe nur für Rennräder unter elf Kilogramm zugelassen ist. Alle anderen Radfahrer dürfen laut Straßenverkehrsordnung diese Leuchten eigentlich nur als Zusatzbeleuchtung an der Kleidung oder am Rucksack tragen. Alle Fahrräder über elf Kilogramm müssen über ein dynamobetriebenes Licht verfügen. Doch fast jeder Radfahrer in einer von Markt durchgeführten Stichprobe war ausschließlich mit Stecklichtern ausgestattet.

Und bei einem Probe-Kauf im Fachhandel werden uns ausschließlich Stecklichter verkauft, ohne dass jemand nach dem Fahrradtyp fragt, für den wir das Licht verwenden wollen. "Das ist das Fatale an der Sache: Der Händler darf diese Lichter verkaufen, der Käufer darf sie nur nicht nutzen. Es sei denn als Taschenlampe oder auf seinem Privatgrundstück", so Fahrradexperte Jörg Wellendorf.

Wie gut sind Stecklichter?

Wer also noch mehr auf sich aufmerksam machen möchte, als nur über das dynamobetriebene Licht, kann zusätzlich ein Stecklicht verwenden. In unserer Stichprobe sind aber manche Modelle selbst für diesen Zweck oder den Einsatz an einem Rennrad nicht verkehrstauglich.

Unser Einkauf:

  • Fahrrad-Licht von Tchibo - Preis: 24 Euro
  • Fahrrad-Licht von Karstadt: Sigma, Eloy White Combo - Preis 24,95 Euro
  • Smart, E-Line - Preis: 16 Euro (vom Fachhändler)
  • Spanninga, Star-Fit - Preis: 24 Euro (vom Fachhändler)

Alle vier Lampen lassen wir im lichttechnischen Institut in Karlsruhe untersuchen. Das Institut prüft, welche Fahrradlichter nach der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung zugelassen sind. Dabei müssen sie gesetzlich vorgeschriebene technische Richtwerte einhalten: Der Radfahrer muss ausreichend sehen können, ohne mit der Lampe den entgegenkommenden Verkehr zu blenden. Verboten ist die Verwendung eines Blinkmodus, den aber einige Lampen haben. Denn Blinken gilt als Warnsignal.

Ergebnisse unserer Stichprobe

1. Tchibo
Das Gerät liefert eine ausreichende Beleuchtung der Fahrbahn, ohne entgegenkommende Verkehrsteilnehmer zu blenden. Die Lampe ist nach der Straßenverkehrsordnung (StVZO) grundsätzlich zugelassen.

2. Karstadt: Sigma, Eloy White Combo
Das Gerät besitzt keine Genehmigung nach der StVZO. Ein Hinweis hierauf fehlt auf der Packung. Die Lichtstärke ist zu gering, um die Fahrbahn auszuleuchten. Immerhin würden entgegenkommende Verkehrsteilnehmer so auch nicht geblendet. Die Lampe kann auch mit einem blinkenden Modus betrieben werden. Das ist aber in Deutschland verboten.

3. Fachhandel: Smart, E-Line
Das Gerät darf nicht am Fahrrad im Bereich der StVZO verwendet werden. Ein Hinweis hierauf ist auf der Packung vorhanden. Die Lichtstärke ist zu gering, um die Fahrbahn auszuleuchten. Eine Blendung entgegenkommender Verkehrsteilnehmer erfolgt jedoch auf Grund der geringen Lichtstärke ebenfalls nicht. Die Lampe verfügt zudem über den verbotenen Blink-Modus.

4. Fachhandel: Spanninga, Star-Fit
Auch dieses Gerät besitzt keine Genehmigung, darf also nicht am Fahrrad im Bereich der StVZO verwendet werden. Ein Hinweis hierauf ist auf der Packung vorhanden. Die Lichtstärke ist zwar zu gering, um die Fahrbahn auszuleuchten, aber immer noch hoch genug, um entgegenkommende Verkehrsteilnehmer zu blenden. Auch an dieser Lampe gibt es den verbotenen Blink-Modus.

Klarer Sieger unserer Stichprobe ist die Tchibo-Lampe. Allein schon wegen ihrer Blinkfunktion sind die drei durchgefallenen Lampen in Deutschland für den Straßenverkehr nicht zugelassen.

Wer mit einem nicht zugelassenen Licht in einen Unfall verwickelt wird, bekommt im Zweifel Probleme mit seiner Versicherung. Auf den Lampen vom Fachhandel steht kleingedruckt, dass die Lampen im Straßenverkehr nicht zugelassen sind.

Was sagen Händler und Hersteller?

Der Fachhändler wollte uns nicht beantworten, warum er die Lampen als Fahrradlicht verkauft. Wir haben zudem die Hersteller angeschrieben. Unsere Frage: Wie kann es sein, dass solche Lampen produziert und verkauft werden?

Smart schiebt alles auf die Händler. Die würden: "... Waren beziehen, die eigentlich nicht für den deutschen Markt vorgesehen sind."

Spanninga schreibt die Lampe sei: "... eine Freizeit Sicherheitsleuchte ..." Und sie würde:

"... nicht spezifisch für den deutschen Markt hergestellt."

Auf der Lampe von Sigma, die wir bei Karstadt in der Fahrradabteilung gekauft haben, steht dagegen gar nicht erst drauf, dass sie am Fahrrad nicht zugelassen ist. Vom Hersteller Sigma gab es keine Antwort auf unsere Anfrage. Karstadt will aufgrund unserer Recherche das Produkt aus dem Verkauf nehmen.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 24.09.2012 | 20:15 Uhr

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