Sendedatum: 09.07.2012 20:15 Uhr  | Archiv

Viel Nepp mit wenig Drucker-Tinte

von Julian Prahl

Drucker-Hersteller machen ihr Geschäft nicht nur mit den Geräten selbst, sondern auch mit den Tinten-Patronen, Tonern und anderen Verbrauchsmaterialien. Das haben Markt übereinstimmend gleich mehrere Experten erklärt. Manche Tintenstrahldrucker kosten heute nur noch 40 Euro, Laserdrucker gibt es schon für 100 Euro. Mit solchen Preisen lässt sich nicht mehr viel verdienen. Also lassen sich Hersteller von Druckern einiges einfallen, um an das Geld ihrer Kunden zu kommen.

Patronen in einem Tintenstrahldrucker © Sven Hoppe - Fotolia.com Fotograf: Sven Hoppe

Nepp mit Drucker-Tinte

Markt -

Laser- oder Tintendrucker sind oft schon zu einem Schnäppchenpreis zu bekommen. Teuer werden erst die Patronen. Manche Hersteller lassen sich da einiges einfallen.

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Beispiel Resttoner im Laserdrucker

Markt Zuschauer Wolfgang H. hat seine Tonerkartusche immer dann gewechselt, wenn sein Laserdrucker meldete, sie sei leer. Durch einen Beitrag von Markt über Restmengen in Tintenpatronen wurde er misstrauisch und öffnete bei der nächsten Meldung die Tonerkartusche. Obwohl sein Laserdrucker "leer" meldete, waren noch mehr als 60 Gramm Toner darin. Zwar wurden die laut Verpackung versprochenen 5.000 Seiten mit seiner Kartusche erreicht, aber er hätte mit der Restmenge sogar weitere 3.000 Seiten drucken können.

Tim Gerber von der Fachzeitschrift c't hat gängige kleinere Laserdrucker für den privaten Nutzer getestet. Auch er stellt fest, dass oft noch ausreichend Toner in der Kartusche steckt, obwohl der Druck schlechter wird. Sein Tipp: Einfach die Kartusche einmal herausnehmen und hin und her schütteln. Um die 100 Seiten lassen sich dann noch drucken.

Immer weniger Tinte

Auch die Nutzer von Tintenpatronen werden ausgetrickst, meint Wilfried Schmanns, Inhaber der Tintennachfüllstation Qraex. Er zeigt uns, dass in Patronen immer weniger Tinte enthalten ist. Waren sie vor einigen Jahren noch mit zehn bis 20 Milliliter Tinte gefüllt, gibt es jetzt welche mit fünf Millilitern oder weniger. Mit der Tintenmenge sinkt zwar auch der Preis, aber nicht entsprechend des tatsächlichen Tintenschwunds. Da auf den Patronen inzwischen nur noch die Anzahl der mit der Tinte zu erreichenden Seiten angegeben wird und nicht die Flüssigkeitsmenge, kann der Verbraucher gar nicht wissen, wie viel Tinte in der Patrone steckt. Zudem werden die Patronen zunehmend aus blickdichtem Material produziert. Der Füllstand lässt sich also kaum noch per Augenschein nachprüfen. Hersteller Hewlett Packard schreibt uns: "Die für den Kunden entscheidende Information ist nicht die Angabe der Milliliter, sondern die kommunizierte Seitenreichweite." Doch dahinter kann sich ein weiteres Problem verbergen.

Tricksereien bei den Seitenreichweiten

Auf Tintenpatronen oder Tonerkartuschen steht eine Zahl, die angibt, wie viele Seiten mit dem Inhalt zu drucken sind. Normalerweise wird die Seitenreichweite beispielsweise bei Tintenpatronen mit einer Farb-ISO-Norm (ISO 24712) auf einem Papierdokument gemessen. Damit werden die Reichweiten für Farb- und Schwarzpatronen bestimmt. So macht das jeder Hersteller - nur Kodak hat sich etwas anderes einfallen lassen, wie das Verbraucherportal druckerchannel.de herausgefunden hat. Kodak gibt auf der Packung seiner Schwarzpatrone für Tintenstrahldrucker groß die Anzahl der zu druckenden Seiten mit 770 an. Diese Reichweite hat Kodak aber mit einer anderen Norm erreicht: nämlich einer für Schwarz-Laserdrucker (ISO 19752). Das macht kein anderer Hersteller. Erst im Kleingedruckten auf der Rückseite steht der Wert, der mit der gängigen Norm erreicht wurde: 440 Seiten. Diese Zahl braucht der Kunde, um sie mit der Seitenreichweite andere Patronen vergleichen zu können.

Kodak schreibt uns auf Anfrage: "Kodak vertritt den Standpunkt, dass eine reine Textseite als Basis für den Reichweitentest einer Schwarzpatrone die größte Aussagekraft für den Verbraucher hat." Und weiter: "Im Vordergrund des Handelns steht bei Kodak [...] Transparenz in einem sehr undurchsichtigen Markt zu schaffen." Den Überblick zu behalten, ist für Verbraucher nach unseren Einschätzungen jedoch kaum möglich.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 09.07.2012 | 20:15 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/druckerpatronen101.html