Stand: 02.11.2012 15:59 Uhr  | Archiv

Rechte und Pflichten eines Berufsbetreuers

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Auch das gehört zu den Aufgaben eines Berufsbetreuers: Die Hamburger Betreuerin Lisa Krause sucht nach einem Album in der Wohnung des alten Herrn, der seit Kurzem einer ihrer Klienten ist.

Es gibt keine eigene Ausbildung für Berufsbetreuer. Allerdings eignen sich einige Studiengänge besonders zur Vorbereitung auf den Beruf: etwa Sozialpädagogik, Rechtswissenschaften oder Psychologie. Die Betreuungsstellen oder -behörden der Bezirksämter, beziehungsweise der Stadt- oder Kreisverwaltungen, bieten Einsteigern eine Einführung in die Tätigkeit an. Entscheidend sollten aber vor allem fundierte Kenntnisse sein, und zwar:

  • im Betreuungsrecht
  • im Sozialleistungsrecht
  • im Bereich der psychiatrischen und Alterserkrankungen
  • über die Versorgungsstruktur der betroffenen Menschen wie Einrichtungen für Senioren, Behinderte oder psychisch Kranke

Betreuungsbehörde schlägt bei Bedarf einen Betreuer vor

Betreuungstellen

Die Betreuungsbehörde berät Menschen zu den Themen Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. Sie schlägt zudem einen möglichen Betreuer vor. Über den Einsatz einer rechtlichen Betreuung und die entgültige Wahl des Berufsbetreuers entscheidet jedoch das Betreuungsgericht.

Ein rechtlicher Betreuer muss sich persönlich bei der Betreuungsbehörde seines Einsatzgebietes bewerben, seine Qualifikation darlegen und gesicherte wirtschaftliche Verhältnisse nachweisen. Wird er von der Behörde in den Stamm der örtlichen Betreuer aufgenommen, stellt er sich zudem bei den Betreuungsgerichten und den Einrichtungen vor, in deren Region er arbeiten möchte. Bei Bedarf schlägt die Betreuungsbehörde dem Gericht einen der Betreuer vor, den sie in ihrem Pool führt. Bevor jedoch ein Berufsbetreuuer eingesetzt wird, versucht die Behörde einen ehrenamtlichen Betreuer zu finden.

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Formular Betreuungsverfügung

Mit dem Formular des Bundesjustizministeriums können Sie eine rechtssichere Betreuungsverfügung erstellen. extern

In einer Betreuungsverfügung kann ein Mensch festlegen, wer im Krisenfall seine Betreuung übernehmen soll. Von behördlicher Seite wird dann geprüft, ob derjenige geeignet ist. Anders als eine Vertrauensperson, die rechtliche Angelegenheiten aufgrund einer Vorsorgevollmacht für jemanden regelt, werden auch ehrenamtliche Betreuer kontrolliert. Betreuer vertreten ihre Klienten gerichtlich und außergerichtlich in den vom Betreuungsgericht festgelegten Aufgabenbereichen:

  • Beispiel Gesundheit: Die behandelnden Ärzte sind gegenüber dem Betreuer zur Auskunft verpflichtet. Dieser kann in medizinische Behandlungen anstelle des Betroffenen einwilligen oder diese ablehnen. Solange er die Tragweite der Erkrankung und (Nicht-)Behandlung versteht, kann der Betroffene allerdings selbst entscheiden. Der Betreuer ist auch an Patientenverfügungengebunden und muss diese durchsetzen, wenn der Betroffene es nicht mehr selbst kann.
  • Beispiel Vermögenssorge: Der Betreuer kann sich bei den Banken über die Höhe des Vermögens seines Klienten informieren, dessen Konto verwalten und Rechnungen begleichen, wenn dieser sein Vermögen selbst nicht mehr verwalten kann.

Kontrolle der Betreuer

Berufsbetreuer müssen jährlich einen Bericht schreiben und über das Vermögen, das sie verwalten, Rechenschaft gegenüber dem Betreuungsgericht ablegen. Sie sind zudem verpflichtet, einen Betreuungsplan zu erstellen, damit das Gericht prüfen kann, ob die Betreuungsführung effizient ist.

Manche Entscheidungen des Betreuers sind genehmigungspflichtig: Möchte er etwa die Wohnung seines Klienten kündigen oder verkaufen, braucht er dazu eine Genehmigung des Betreuungsgerichts. Dieses muss den Betreuten in so einem Fall persönlich anhören und sich ein eigenes Bild machen. Ist dieser nicht in der Lage, dem Verfahren eigenständig zu folgen, kann das Gericht ihm einen Verfahrenspfleger zur Seite stellen.

Dieser, häufig ein Rechtsanwalt, kann anstelle des Betroffenen Anträge stellen und Rechtsmittel einlegen. Der Betroffene bleibt so in allen Instanzen verfahrensfähig. Wenn besonders schwerwiegende Gründe vorliegen, wie etwa drohende Obdachlosigkeit, kann der Rechtsbeistand auch Anträge vorbringen, die nicht den Wünschen des Betroffenen entsprechen. Er muss dessen Anträge aber dennoch bei Gericht vorbringen, wenn dieser selbst nicht in der Lage dazu ist.

Kennzeichen eines gutes Betreuers

Einen guten rechtlichen Betreuer auf Anhieb zu erkennen, ist schwierig. Folgende Kriterien helfen aber bei der Suche:

  • Der Berufsbetreuer arbeitet zum Beispiel in einem Betreuungsverein oder mit anderen Betreuuern in einer Bürogemeinschaft zusammen, sodass sie sich gegenseitig im Urlaubs- und Krankheitsfall vertreten können. Ist der Betreuer nämlich nicht erreichbar, können nur von ihm beauftragte/bevollmächtigte Personen handeln, es sei denn, das Gericht bestellt jemand anderen.

  • Die Qualifikation des Betreuers: Er hat einen Hochschulabschluss, der für diesen Bereich geeignet ist, wie etwa Sozialpädagogik, Rechtswissenschaften oder Psychologie.

  • Der Berufsbetreuer berät sich mit Kollegen über seine "Fälle", nimmt an einer externen Beratung (Supervision) teil und/oder bildet sich regelmäßig fort.

  • Er arbeitet nach erklärten ethischen Richtlinien, die er beispielsweise auf seiner Homepage veröffentlicht hat.

  • Er arbeitet nach einem bestimmten Handlungskonzept, etwa dem sogenannten Case Management. Ein guter Betreuer wird, wenn möglich, bestimmte Ziele zusammen mit seinem Klienten vereinbaren. Wenn es geht und dem Klienten hilft, wird auch das soziale Umfeld eingebunden.

  • Der Betreuer hat feste Sprechzeiten im Büro, sodass ihn seine Klienten auch ohne Termin aufsuchen können.

  • Er bietet Hausbesuche an.

Ehrenamtliche Betreuung

Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung

Die Vorsorgevollmacht erlaubt einer Person, im Namen des Vollmachtgebenden zu handeln und zu entscheiden. Es handelt sich um eine privatrechtliche Vereinbarung. Sie wird von keiner Institution geprüft oder kontrolliert.

Im Gegensatz dazu ist die Betreuungsverfügung ein Dokument, in dem für den Betreuungfall schriftlich festgelegt ist, wer im Ernstfall als Betreuer eingesetzt werden soll. Mit Betreuung ist in diesem Fall eine rechtliche Betreuung gemeint, die von staatlicher Stelle beauftragt und kontrolliert wird.

Grundsätzlich hat die ehrenamtliche Betreuung Vorrang vor der Berufsbetreuung. Das heißt, wenn es etwa einen Ehepartner gibt, wird der Betroffene vom Betreuungsgericht gefragt, ob er damit einverstanden ist, die Betreuung zu übernehmen. Betreuungsbehörde und Betreuungsgericht überprüfen, ob der Ehepartner geeignet ist und ob er die Betreuung auch übernehmen möchte. Erst wenn es keine Angehörigen oder Freunde gibt, die dazu bereit sind, wird ein Berufsbetreuer bestellt. Zumindest lauten so die gesetzlichen Vorgaben, die aber nicht immer entsprechend umgesetzt werden. Kostenfreie Beratung können ehrenamtliche Betreuer in Betreuungsvereinen erhalten.

Auch ehrenamtliche Betreuer werden, wenn sie vom Betreuungsgericht bestellt sind, genauso kontrolliert wie Berufsbetreuer, egal ob Freunde oder Familienmitglieder. Angehörige ersten Grades wie Eltern, Ehepartner oder Kinder sind allerdings nicht verpflichtet, beispielsweise über Geldbewegungen Rechenschaft abzulegen. Sie müssen lediglich regelmäßig einen formlosen Sozial-Bericht verfassen. 

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