Sendedatum: 22.04.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Giftiges Benzol in Erfrischungsgetränken

von Alexa Höber

Erfrischungsgetränke namhafter Marken enthalten den giftigen Stoff Benzol. Das haben Untersuchungen im Auftrag von Markt ergeben. Benzol kann nachweislich Krebs auslösen. Wissenschaftler und Verbraucherschützer sind alarmiert.

Auf dem Etikett klingen die Getränke gesund: "Weißtee & Birne", "Grüntee &Traube" oder "Rooibostee & Pfirsich" von Gerolsteiner. "Multivitaminsaft" von Christinen Brunnen sowie "Fun One Zuckerfrei" oder "Fitness Cherry". In all diesen Getränken hat das von Markt beauftragte Labor Benzol gefunden - mit 2 bis 6,8 Mikrogramm Benzol pro Liter deutlich über dem zulässigen Grenzwert für Trinkwasser. Der liegt bei 1 Mikrogramm pro Liter. Einen Grenzwert für Erfrischungsgetränke gibt es nicht, zur Orientierung gilt die Trinkwasserverordnung.

Toxikologe warnt vor Benzol

Bei Benzol kann schon die kleinste Menge gefährlich sein. "Es erzeugt Krebs im Menschen, es wirkt auf Keimzellen. Deshalb ist Benzol in Lebensmitteln ein unerwünschter Stoff", erklärt der Toxikologe Dr. Hans-Wolfgang Hoppe vom Medizinischen Labor Bremen. "Dass wir Werte weit oberhalb der Trinkwasserverordnung finden, überrascht und erschreckt mich."

Nach Recherchen von Markt kennen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sowie das Verbraucherschutzministerium das Problem von Benzol in Erfrischungsgetränken. Bereits im Jahr 2005 warnte das BfR, dass Benzol entstehen könne, wenn Erfrischungsgetränke Benzoesäure enthalten - zum Beispiel als Konservierungsstoff Natriumbenzoat. Enthalte das Getränk zusätzlich Ascorbinsäure, also Vitamin C, könne sich dadurch Benzol bilden.

Diese Getränke enthielten zu viel Benzol

Freiwillige Selbstverpflichtung greift nicht

Das Verbraucherschutzministerium jedoch verlässt sich seitdem auf die Ankündigung des Verbandes der Erfrischungsgetränke (Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke e.V.), auf den Konservierungsstoff Benzoesäure weitgehend zu verzichten. Doch in dem Verband sind gar nicht alle Hersteller organisiert. Auf Anfrage von Markt schreibt das Verbraucherschutzministerium: "(...) haben die Hersteller ihre Rezepturen umgestellt und verzichten auf den Zusatz von Benzoesäure.". Ein gesetzliches Verbot gab es nicht.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 22.04.2013 | 20:15 Uhr

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