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Programmtipp
Klare Gemüsebrühe © picture-alliance / dpa / Stockfood Fotograf: Eising, Susie

Was steckt wirklich in Gemüsebrühe?

Markt
28.04.2014 | 20:15 Uhr

Gemüsebrühe ist die Grundlage für viele Gerichte. Das Angebot in Supermärkten und Bioläden ist riesig. Aber enthalten die Produkte wirklich viel Gemüse? Markt will’s wissen.mehr

 

Rohöl-Zocker treiben den Benzinpreis hoch

Energieforscher Steffen Bukold © NDR Detailansicht des Bildes Die Spekulations-Geschäfte mit Rohöl sind zu einem Riesen-Casino geworden, meint der Energie-Ökonom Steffen Bukold. Die Spritpreise an der Tankstelle treiben nicht nur die fünf großen Öl-Multis in die Höhe, sondern auch hochriskante Finanz-Geschäfte mit virtuellem Öl. Der Hamburger Energieforscher Dr. Steffen Bukold hat herausgefunden, dass an den Rohstoffbörsen immer mehr Spekulanten handeln. Deren schnelle Wetten führen zu heftigen Preisausschlägen, und das merkt am Ende auch der Kunde an der Zapfsäule. Im Interview mit NDR.de erklärt der unabhängige Energieökonom wie es dazu kommen kann, dass nicht mehr der Rohstoff selbst gehandelt wird, sondern nur noch sein Wert. Außerdem verrät Steffen Bukold Tipps für Verbraucher, die auf ihr Auto nicht verzichten können.

Wie genau funktionieren die Finanzgeschäfte mit dem Rohöl an der Börse?

Bukold: An den Ölbörsen kann man Öl ähnlich leicht kaufen oder verkaufen wie Aktien oder Devisen. Die größte Rolle spielen die sogenannten Futures, also Terminverträge, in denen die zukünftige Lieferung von Öl zu einem schon jetzt vereinbarten Preis geregelt wird. Daneben sind auch Optionen wichtig, die dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, einräumen, Öl in der Zukunft zu erhalten.

Ölfass mit Preissteigerungskurve © fotolia.com Fotograf: remar Detailansicht des Bildes Die Finanzgeschäfte an der Ölbörse haben mit dem realen Rohstoff meist nichts zu tun. Das sind allerdings zu weit über 90 Prozent nur Finanzgeschäfte, also Wetten. Wirkliches Öl wird dabei nur selten bewegt, wohl aber der Preis des Öls. Denn wenn die Nachfrage nach Futures steigt, signalisiert das dem Markt eine höhere Ölnachfrage. Der Ölpreis steigt dann, weil es zunächst einmal nicht erkennbar ist, ob eine wirkliche physische Nachfrage nach Öl dahinter steckt oder nur die Spekulation, den Future später zu einem höheren Preis wieder zu verkaufen.

Wie kann jemand etwas anbieten, dass er gar nicht besitzt?

Verantwortungsgefühl bei den Spekulanten?

"Die meisten Hedgefondsmanager müssen alle Skrupel ausblenden. Du wachst ja nicht jeden Tag auf und stellst dir moralische Fragen wegen der steigenden Ölpreise und denkst an die Auswirkungen auf 99 Prozent der Weltbevölkerung, die ja Benzin tanken müssen." Keith McCullough, Hedgefondsmanager

Bukold: Viele beklagen, dass die Finanzmärkte so etwas möglich machen. Ursprünglich waren diese Geschäfte auch nur zur Absicherung gedacht. Es gab sie schon vor 100 Jahren. Damals hat ein Bauer seine Ernte an der "Börse" verkauft, obwohl er noch nicht nichts geerntet hatte. Er brauchte das Geld, um Saatgut zu kaufen. Spekulanten waren am Anfang daher auch sehr willkommen. Sie haben das Risiko gesucht und gewettet. Nur mittlerweile gerät das Termingeschäft immer wieder aus dem Ruder, denn es sind einfach zu viele, die nur wetten wollen. Man kann sagen, dass es zu einem Riesen-Casino geworden ist, durch das die Preise immer wieder verzerrt werden können.

Gibt es also sozusagen zwei Ebenen: Den "normalen" Handel und einen, der gar kein physisches Öl zum Gegenstand hat?

Bukold: Ja, aber es ist nicht immer leicht, die beiden Ebenen zu trennen. Der Ölmarkt ist zum "Hybridmarkt" geworden, denn er hat zugleich die Eigenschaften eines Rohstoffmarktes und die eines Finanzmarktes.

Wer müsste was tun, um diese Spekulationsgeschäfte zu beenden oder wenigstens zu begrenzen?

Bukold: Nicht nur im Ölmarkt ist der Einfluss der Finanzmärkte zu groß geworden. Die Staaten sollten Banken und Fonds weitaus stärker als bisher regulieren, Offshore-Standorte stärker unter Druck setzen und generell die Transparenz erhöhen. Die USA sind in dieser Hinsicht schon ein großes Stück weitergekommen, aber hier in Europa sperrt sich vor allem London, gegen neue Ansätze, denn dort hat die wichtigste Ölbörse für Europa ihren Sitz.

Wenn sie aber eingedämmt werden könnten, würden unsere Benzinpreise dann "nur" weniger schwanken oder auch insgesamt sinken?

Bukold: Kurzfristige Übertreibungen wie 2008 oder Anfang 2011 werden so gebremst, aber langfristig werden dadurch die Risiken unserer Ölversorgung natürlich nicht verändert: Öl wird zwangsläufig knapper und teurer werden. Preiseinbrüche in konjunkturell schwachen Zeiten werden von der Opec [Organisation erdölexportierender Länder] jedoch durch die Drosselung der Fördermengen verhindert.

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/auto_verkehr/benzin173.html
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Dossier
Tankpistole vor Aktienkursen (Montage) © fotolia.com Fotograf: lassedesignen, Composer
 

Zoff an der Zapfsäule

Die Doku von 45 Min untersucht die Gründe für den hohen Benzinpreis. mehr

Links

Energieforscher Steffen Bukold im Interview beim Deutschlandfunk (21.03.2012)

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Verbraucherinformationen auf energiepolitik.de, einem Webprojekt des Energieberaters Steffen Bukold

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Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

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