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Preisunterschiede von bis zu zehn Cent am Tag sind ganz normal - an ein und derselben Tankstelle. Wie sollen die Autofahrer da noch durchblicken? Die Mineralölkonzerne weisen jede Schuld von sich. Was steckt hinter den täglichen Schwankungen der Benzinpreise, hat sich Arne Lorenz gefragt. NDR.de hat den Autoren zu seinen Recherche-Ergebnissen befragt.
Können Sie verstehen, dass viele Autofahrer wütend sind, wenn es um die Kosten fürs Benzin geht?
Wer steckt wirklich hinter den hohen Benzinpreisen? Dieser Frage ist Autor Arne Lorenz in seinem Film nachgegangen.
Arne Lorenz: Natürlich, mir geht es ja genauso. Es ist das Gefühl der Ohnmacht gegenüber Mächten, die man nicht kennt und gegen die man selbst nichts tun kann. Das war auch die Absicht unserer Dokumentation: herauszufinden, wer eigentlich dahintersteckt. Und wir haben schnell gemerkt: Es sind nicht die Tankstellenpächter und ist auch nicht die Tatsache, dass Rohöl immer knapper wird. Kaum bekannt aber ist, dass auch international operierende Spekulanten für die Preisschwankungen verantwortlich sind. Dieser Spur sind wir im Film nachgegangen.
Ist das Tankstellengeschäft für die Öl-Multis so lukrativ, wie man denkt?
Lorenz: Die Öl-Multis verdienen gleich an mehreren Stellen mit. Die Tankstelle ist nur ein kleiner Teil ihres Geschäftes, aber da macht es die Menge, die Raffinerien sind lukrativer. Und auch bei der Rohöl-Förderung, im Transport und bei der Lagerung wird viel Geld gemacht. Die freien Tankstellen kommen da nicht mit - sie verdienen nur wenig an der kleinen Marge, die ihnen pro Liter bleibt und sind abhängig von den Verkaufsgeschäften in ihren Shops.
Für viele Menschen sind die Preisschwankungen beim Sprit ein Rätsel. Haben Sie es gelöst?
Lorenz: Ja, das Thema ist zwar sehr komplex, aber wir zeigen in unserem Film tatsächlich die Entwicklung des Benzinpreises von der Rohöl-Förderung bis zum Tankdeckel. Die Mineralölkonzerne behaupten ja gerne, der Benzinpreis sei von globalen politischen Entwicklungen abhängig. Diese Wechselwirkung gibt es zwar, aber eben noch viele andere Ursachen, die den Benzinpreis mindestens ebenso stark in die Höhe treiben. Es ist verblüffend zu sehen, wer wirklich für die hohen Benzinpreise verantwortlich ist und wer davon profitiert.
Lassen sich die Öl-Konzerne in die Karten schauen?
Lorenz: Immer weniger. Nach Ostern, als die Preise mal wieder ein neues Hoch erreicht hatten und die Medien fast täglich darüber berichtet haben, hagelte es für uns Absagen. Selbst bereits zugesagte Interviewtermine wurden kurzfristig storniert. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert, die Konzerne glauben besser wegzukommen, wenn sie sich gegenüber der Öffentlichkeit zurückhalten. Wir haben trotzdem mit einem Konzern sprechen können und spannende Antworten bekommen.
Gelten nach Ihren Recherchen noch Tipps wie "immer montags tanken, da ist es günstiger"?
Lorenz: Nein, gerade diese Regel hat sich als falsch herausgestellt. Am günstigsten ist der frühe Nachmittag in der Woche, bevor sich alle Preise am Abend wieder hochschaukeln. Aber es scheint inzwischen so, als ob die Unberechenbarkeit an den Zapfsäulen System hat. Das Ziel ist es, die Kunden zu verwirren. Der ökologisch beste Tipp ist natürlich immer, das Auto stehenzulassen und zu Fuß zu gehen oder Fahrrad zu fahren. Aber dieser Rat nützt den Pendlern, Taxifahrern und Spediteuren, die alle auf das Auto angewiesen sind, herzlich wenig.