Stand: 15.12.2014 14:52 Uhr

Zu teuer: LBS Nord will Alt-Verträge kündigen

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Die LBS Nord will alte Bausparverträge loswerden und droht mit Kündigungen.

"Wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden" - mit diesem Spruch warb die Landesbausparkasse (LBS) vor Jahren für ihre Bausparverträge. Stabile Zinsen auf das angesparte Guthaben und ein günstiges Darlehen für das künftige Eigenheim. Wer vor Jahren einen Bausparvertrag abschloss, hat heute gute Karten. Denn im Vergleich zu den meisten aktuellen Angeboten werfen die alten Verträge noch satte Zinsen ab - offenbar zum Ärgernis der Bausparkassen. Die LBS Nord will nun rund 12.000 alte Verträge loswerden.

"Wir wollen Kunden nicht verlieren"

Die Bausparverträge seien seit zehn Jahren zuteilungsreif und wurden nicht in Anspruch genommen, sagt Monika Grave, Sprecherin der LBS Nord. Die Kunden seien bereits Anfang November angeschrieben worden. Sie hätten bis heute Zeit zu entscheiden, ob sie sich das angesparte Geld auszahlen lassen oder in einen neuen LBS-Tarif wechseln wollen. "Wenn sich Kunden nicht äußern, behalten wir uns die Kündigung vor." Die LBS werde aber alle Verträge genau prüfen. "Wir wollen die Kunden nicht verlieren", so Grave.

Bausparen ist kein Renditesparen

Die Bausparkasse begründet diesen Schritt mit der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank. Das Zins-Niveau sei dadurch stark gesunken. "Die Idee eines Bausparvertrags ist außerdem, später ein günstiges Darlehen für eine Immobilie zu bekommen und nicht allein das Renditesparen", so Grave. Mit den neuen Tarifen würden die Kunden wieder zu dieser Idee zurückgeführt; außerdem seien die Darlehen günstiger als früher. Schon im vergangenen Jahr hatte die LBS Nord nach eigenen Angaben mehr als 980 Alt-Kunden angeschrieben. Kunden, die sich für keine der angebotenen Alternativen entschieden hatten, wurde im September gekündigt. Rund 690 Verträge seien aufgelöst worden, so Grave.

Widerspruch einlegen

Auch für die Verbraucherzentrale Niedersachsen ist das Thema nicht neu. Solange die Kündigung nur angedroht wird, sollten Kunden sich nicht einschüchtern lassen, sagt der Finanzexperte Andreas Gernt. Auch bei einer tatsächlichen Kündigung rät er in bestimmten Fällen zum Widerstand: "Ist bei dem Bausparvertrag noch nicht die volle Bausparsumme erreicht, so dass das Darlehen noch in Anspruch genommen werden kann, sollten die Kunden der Kündigung immer schriftlich widersprechen." Außerdem könnten Kunden sich an den zuständigen Ombudsmann der öffentlichen Banken wenden. Im Einzelfall sei auch eine gerichtliche Auseinandersetzung möglich.

Kündigungswellen in anderen Bundesländern

Ist die volle Bausparsumme aber bereits erreicht, sei gegen die Kündigung kaum etwas zu machen. Die Rechtmäßigkeit sei bereits von mehreren Gerichten bestätigt worden, so Gernt. Um sich von früheren hohen Zins-Versprechen zu befreien, hatte es in den vergangenen Monaten bereits ähnliche Kündigungswellen gegeben - unter anderem in Bayern, Hessen und Thüringen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.12.2014 | 08:00 Uhr