Stand: 18.11.2016 18:27 Uhr

Wie gesund ist Zucht-Lachs?

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Aus der Delikatesse Lachs ist ein industrielles Massenprodukt geworden. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Lachs gilt als gesund. Besonders, weil er reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Diese sollen unter anderem den Cholesterinspiegel senken und Herzinfarkten vorbeugen. Doch der Appetit auf Lachs weltweit so groß, dass die Wildbestände die Nachfrage nicht decken können.

Mehr als 90 Prozent des Lachses wird deshalb heute in Fischfarmen gezüchtet  - beispielsweise in Norwegen. Der Lachs, der in Deutschland verkauft wird, stammt fast komplett von dort. Nach Erdöl ist Lachszucht der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Entsprechend industrialisiert ist die Produktion der Tiere. Das bleibt nicht ohne Folgen: für die Umwelt, aber auch für die Fische selbst und für ihr Fleisch.

Der Raubfisch Lachs wird zum Vegetarier gemacht

Zucht-Lachs wird durch die Zusammesetzung des Futters zum Quasi-Vegetarier gemacht.

Ein wesentliches Problem ist das Futter, das in Aquakulturen verwendet wird. In freier Wildbahn ernährt sich Lachs, ein Raubfisch, von Garnelen, Krebstieren und anderem Fisch. In der Massenzucht kann jedoch kaum noch Fisch verfüttert werden, da die Ressourcen dafür einfach nicht ausreichen. Außerdem wäre es viel zu teuer. Die Fabriken weichen deshalb auf pflanzliche Nahrung aus. Übliches Lachsfutter in Aquakultur besteht zu rund zwei Dritteln aus pflanzlichen Bestandteilen, aber nur noch zu einem Fünftel aus Fischöl und -mehl.

Zucht-Lachs enthält weniger Omega-3-Fettsäuren

Die pflanzliche Nahrung der Lachse hat zur Folge, dass sie deutlich weniger Omega-3-Fettsäuren enthalten. Denn genauso wie der Mensch diese Fettsäuren über die Nahrung aufnimmt, tut das auch der Lachs. "Wenn wir den Fisch nun mit pflanzlicher Nahrung füttern, dann hat der Fisch auch eine Fettsäurezusammensetzung, die dem Pflanzenmaterial entspricht", erklärt Ulfert Focken, Experte für Fischfutter am Thünen-Institut für Fischereiökologie.

Dieses Pflanzenmaterial im Fischfutter enthält vor allem Omega-6-Fettsäuren. Von denen nehmen Menschen aber ohnehin schon sehr viel auf. Zu viel Omega-6 sollte Fisch nicht enthalten, da das die positive Wirkung von Omega 3 blockiert. Wie viel Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren der Lachs in der Fischtheke enthält, wird jedoch nicht überprüft.

Lachs-Futter auf Fischfarmen muss chemisch haltbar gemacht werden

Der hohe pflanzliche Fettanteil im Futter bringt aber noch ein weiteres gravierendes Problem mit sich: Das Fett verdirbt schnell. Anders gesagt - es oxidiert. "Gerade die oxidierten Fettsäuren können in das Gewebe des Fisches eingelagert werden und werden dann von uns mitgegessen. Das wollen wir natürlich nicht", gibt der Futter-Forscher Ulfert Focken zu Bedenken. Um diesen Prozess aufzuhalten, wird die Nahrung der Lachse mithilfe von Antioxidantien haltbar gemacht.

Rückgang von Antibiotika in Zucht-Lachs

Im Lachs-Export-Land Norwegen ist der Verbrauch von Antibiotika dramatisch gesunken. Nach Angaben des Thünen Institut für Fischerei Hamburg wurden vor 30 Jahren dort noch pro Tonne Fisch 5.000 Gramm Antibiotika gebraucht. Heute sind es weniger als 0,9 Gramm pro Tonne. Möglich wurde das, weil die jungen Lachse jetzt geimpft werden, bevor sie raus in die Meeresgehege gesetzt werden. Der Impfstoff gilt als unproblematisch.

Dazu wird ein Alterungsschutzmittel namens Ethoxyquin verwendet. Beunruhigend dabei: Als Pflanzenschutzmittel wurde Ethoxyquin in Europa schon vor Jahren verboten, weil es giftig sein könnte. Nur: Im Tierfutter ist es weiterhin erlaubt.

Keine Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel im Zucht-Lachs

Wer Zucht-Lachs gegessen hat, bei dem lässt sich Ethoxyquin im Körper nachweisen. Bei jungen Müttern sogar in der Muttermilch. Wie gefährlich das Ethoxyquin ist, das ist dabei noch unklar. Bei Mäusen kann es offenbar ins Gehirn gelangen. Ist das beim Menschen auch so? Kann Ethoxyquin die menschlichen Organe schädigen oder sogar das Erbgut? Die Toxikologen tappen im Dunkeln. Bisher gibt es keine ordentlichen Studien und auch keinen Grenzwert - jedenfalls nicht für Zucht-Fisch. Für Obst, Gemüse und Fleisch liegt er bei 0,05 Milligramm pro Kilogramm. In Proben von Zucht-Lachs werden immer wieder Werte gefunden, die zum Teil deutlich darüber liegen.

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"Ethoxyquin ist eine Chemikalie, ein körperfremder Stoff, den ich nicht in meinem Körper haben möchte", sagt Edmund Maser, Toxikologe an der Universität Kiel. Mit akuten Gesundheitsschäden rechnet er aber dennoch nicht. Selbst wenn man mehrmals die Woche eine große Portion Lachs essen würde.

Fast jeder konventionell gezüchtete Lachs enthält Ethoxyquin. Im Handel erfährt der Verbraucher darüber nichts. Solange es keinen Grenzwert gibt, wird sich daran kaum etwas ändern.

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Die Lachs-Industrie

21.11.2016 22:00 Uhr
45 Min

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Dieses Thema im Programm:

45 Min | 21.11.2016 | 22:00 Uhr

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